Bundestagswahl

Bundestagswahlkreis 185 Darmstadt: Zwischen Weltraumforschung und Wohnungsnot

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Eumetsat: Von Darmstadt aus wird das europäische Wetter beobachtet.
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Darmstadt, der viertgrößte Stadt Hessens, steht vor Herausforderungen. Verkehr und Mobilität sind allgegenwärtige Themen, ebenso wie Klimaschutz und Wohnraumknappheit. Gemeinsam mit 14 Kommunen des Landkreises Darmstadt-Dieburg bildet sie den Bundestagswahlkreis 185.

Sachsen-Anhalt ist schuld, dass der bisherige Bundestagswahlkreis Darmstadt nicht mehr wie bisher die Nummer 186 trägt, sondern die Nummer 185. Hintergrund ist eine Reglung, die besagt, dass die Zahl der Wahlkreise in den einzelnen Ländern deren Bevölkerungsanteil soweit wie möglich entsprechen soll. Für die Bundestagswahl 2025 musste deshalb aufgrund der Bevölkerungsentwicklung ein Wahlkreis aus Sachsen-Anhalt an Bayern umverteilt werden. Fazit: Bei den bisherigen Wahlkreisen 72 bis 255 änderte sich die Nummerierung.

Der Wahlkreis 185 umfasst Darmstadt und 14 umliegende Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Auf einer Fläche von 450 Quadratkilometern leben hier etwa 359 000 Menschen. Fast die Hälfte, gut 168 000, wohnt in Darmstadt, der viertgrößten Stadt Hessens ist. Darmstadt ist Verwaltungssitz des Regierungsbezirks und des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Ein reger Austausch zwischen Stadt und Land prägt den Alltag und die politische Zusammenarbeit in dem südhessischen Bundestagswahlkreis. Täglich pendeln zahlreiche Menschen zwischen Umland und Stadt, um zu arbeiten, zur Schule oder Universität zu gehen oder einzukaufen. Das Thema Verkehr und Mobilität ist deswegen allgegenwärtig. Eine jüngste Studie stellte in Darmstadt eine Zunahme der Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel fest, was unter anderem auf den Ausbau der Radwege zurückzuführen ist. Das Thema Lärmschutz ist derzeit weniger wegen des Frankfurter Flughafens als vielmehr wegen der geplanten Neubaustrecke des ICE von Frankfurt nach Mannheim ein Thema.

Wahlkreis 185 Darmstadt: Klimaschutz und Wohnungsnot

Auch der Klimaschutz ist in Darmstadt, einem der heißesten Orte Hessens, dauerhaft präsent. Die Rathauskoalition aus Grünen, CDU und Volt will mit einem vergangenes Jahr beschlossenen Hitzeaktionsplan das Mikroklima verbessern. Auch viele Privatleute und Initiativen in Stadt und Land engagieren sich im Klimaschutz.

Die Menschen im Wahlkreis verfügen im Schnitt über ein Pro-Kopf-Einkommen von 25 343 Euro im Jahr. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2024 bei 5,4 Prozent. Von tausend Einwohnenden beziehen 70 Menschen Bürgergeld. Der Ausländeranteil liegt bei 19,2 Prozent. 17,2 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind unter 18 Jahre alt, fast zehn Prozent sind 75 und älter.

Der hohe Anteil junger Menschen klassifiziert Darmstadt nach eigenen Angaben „als eine der wenigen Schwarmstädte in Deutschland“. Die Bevölkerung gilt als technikaffin, international und multikulturell und zeigt sich IT-Innovationen gegenüber aufgeschlossen.

So zieht die Wissenschafts- und Digitalstadt Start-ups, Forschungseinrichtungen und Studierende aus aller Welt an. Große Unternehmen wie Merck, Software AG oder Evonik sind hier ansässig. Auch die Deutsche Telekom betreibt hier ihren zweitgrößten Standort. Zudem haben die europäischen Weltraumorganisationen Esa und Eumetsat hier ihren Sitz. Erst kürzlich wurde von Darmstadt aus ein neuer Satellit zur Wetterbeobachtung in Betrieb genommen. Darmstadt hat sich auch durch die Forschung der Technischen Universität im Bereich Künstliche Intelligenz einen Namen gemacht.

Während die Geburtenrate zuletzt leicht gesunken ist, steigt die Zahl der Zuzüge, denn die Region ist beliebt. Gleichzeitig sind die Kassen der Kommunen klamm, und bezahlbarer Wohnraum ist knapp. 2023 wurden je 1000 Einwohnern nur 2,5 Wohnungen fertiggestellt. Der Mieterbrund bezeichnete die Lage als „dramatisch“. Nicht nur Geringverdienende und sozial Benachteiligte seien betroffen. Das Preisniveau sei vergleichbar mit Großstädten wie Hamburg, Frankfurt oder Köln und absolut untypisch für die Größe der Stadt. Aufgrund steigender Studienzahlen werden auch die Wartelisten der Wohnheime immer länger. Außerdem bedeutet die Knappheit für Menschen mit Asylstatus, dass sie zu oft in den Gemeinschaftsunterkünften bleiben müssen und dort die Fluktuation bremsen.

Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis 185

Andreas Larem (SPD), der frühere Bürgermeister von Messel, ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags und steht auf Platz 17 der SPD-Landsliste.

Astrid Mannes (CDU), die frühere Bürgermeisterin von Mühltal, ist Mitglied des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und steht auf Platz 7 der CDU-Landesliste.

Philip Krämer (Grüne) ist Mitglied im Sport- sowie im Verteidigungsausschuss des Bundestags.

Für die FDP tritt Viola Gebek an, die als Marketingmanagerin tätig ist und auf Platz 6 der FDP-Landesliste steht.

Die Krankenschwester Anja Swars kandidiert für die AfD und steht auf Listenplatz 14.

Der Campaigner Jakob Migenda ist Wahlkreiskandidat der Partei Die Linke.

Ferner bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 185 die Juristin Stella Streit (Freie Wähler), der Elektroingenieur Mitja Stachowiak (Tierschutzpartei), der Ingenieur Roland Hardt (Die Partei), die Wassertechnikingenieurin Ana Lena Herrling (Volt) und die Mediengestalterin Anna Schupp (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands). jjo

Wahlkreis 185 Darmstadt: Bei der Bundestagswahl 2021 lag die SPD vorne

Unesco-Weltkulturerbe Mathildenhöhe, Grube Messel, Hessisches Landesmuseum, Hessisches Staatstheater undder Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald machen die ehemalige Residenzstadt und ihre Umgebung kulturell anziehend.

In Darmstadt befindet sich auch Hessens einzige Abschiebehafteinrichtung, was häufig zu Konflikten mit Hilfsorganisationen führt. Die Stadtgesellschaft positioniert sich gerne als liberal und multikulturell. So wundert es nicht, dass gegen die AfD und die Migrationspolitik der CDU kürzlich Tausende auf die Straße gingen.

Bei der Bundestagswahl 2021 schnitt die AfD im Wahlkreis mit 6,5 Prozent unterdurchschnittlich ab. Die SPD gewann mit 26,3 Prozent der Stimmen die Mehrheit. Die Grünen setzten sich mit 22,4 Prozent als zweitstärkste Kraft durch, die CDU, die in den Vorjahren dominiert hatte, landete mit 18,4 Prozent nur auf Platz drei. Als Direktkandidat ging Andreas Larem (SPD) nach Berlin. Seine damals unterlegene Mitbewerberin von der CDU, Astrid Mannes, rückte dann im Januar 2024 über die Landesliste der Union für Ingmar Jung in den Bundestag nach, nachdem er zum hessischen Landwirtschaftsminister ernannt worden war.

Andreas Larem und Astrid Mannes treten auch diesmal wieder an. Beide hatten früher das Bürgermeisteramt inne: Larem in Messel, Mannes in Mühltal. Neue Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis sind Philip Krämer (Grüne), Viola Gebek (FDP), Anja Swars (AfD), Jakob Migenda (Linke), Ana Lena Herrling (Volt) und Stella Streit (Freie Wähler).

Zum Wahlkreis 185 gehören neben Darmstadt auch die Kommunen Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Eppertshausen, Erzhausen, Griesheim, Messel, Modautal, Mühltal, Münster, Ober- Ramstadt, Pfungstadt, Roßdorf, Seeheim-Jugenheim, Weiterstadt, die alle im Landkreis Darmstadt-Dieburg liegen. Die anderen Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg zählen zum Wahlkreis 186, mit allen Kommunen des Odenwaldkreises und Hainburg, Mainhausen, Rodgau, Rödermark und Seligenstadt im Kreis Offenbach.

2021 waren 240 763 Menschen im Wahlkreis wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,5 Prozent.

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