„Kein Platz für Nazis“

„Ein gigantisches Signal“: Deutlich mehr Teilnehmer als erwartet bei Demo gegen Rechts in Darmstadt

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Zeichen der Hoffnung: Zum Abschluss der Kundgebung leuchteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung auf dem Karolinenplatz mit den Lampen ihrer Mobiltelefone.
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17 000 Menschen haben in der Darmstädter Innenstadt gegen Faschismus demonstriert. Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) fordert AfD-Mitglieder zum Parteiaustritt auf.

Darmstadt - In unserer Stadt ist kein Platz für Nazis - egal, ob in braunem oder blauen Gewand!“ Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) hat am Dienstagabend auf dem Darmstädter Karolinenplatz vor rund 17 000 Menschen, die gegen AfD und Rechtsextremismus demonstrierten, klare Kante gegen Rechts gezeigt.

Wer jetzt noch in der AfD bleibe, gehöre zu denjenigen, die in Potsdam dabei gewesen seien. „Spätestens jetzt muss klar sein, dass die AfD eine rassistische und rechtsextremistische Partei ist“, sagte er. Damit bezog er sich auf die Enthüllungen des Journalistennetzwerks Correctiv eines „Geheimtreffens“, bei dem Pläne für eine Massenausweisung von Millionen Menschen geschmiedet worden sein sollen.

17.000 Menschen bei Demo gegen Rechts in Darmstadt

Tausende Menschen versammelten sich auf dem Karolinenplatz vor dem Haus der Geschichte (r.) und dem Landesmuseum.

Die zunächst erwartete Zahl von 500 bis 1000 Teilnehmenden wurde weit übertroffen. CDU-Vorsitzender Paul Georg Wandrey, der die Demo im Namen der Stadt und zahlreicher Organisationen angemeldet hatte, sagte: „Dass sich so viele Menschen hier und heute versammelt haben, ist ein gigantisches Signal.“

Aufgerufen zu der Veranstaltung unter dem Titel „Demokratie verteidigen. Gegen Rechtsextremismus“ hatten unter anderem der Magistrat, Parteien, Kirchen, Technische Universität, Fußballbundesligist Darmstadt 98 und der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Darmstadt: „Demonstration gegen den Faschismus“ durch die Innenstadt

Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung kamen mit selbstgebastelten Plakaten.

Vor dem Gewerkschaftshaus war zuvor ein lautstarker Demonstrationszug unter dem Motto „Demonstration gegen den Faschismus“ gestartet, zu dem unter anderem das Bündnis gegen Rechts aufgerufen hatte. Daran nahmen auch Stadtverordnete der Linken sowie linksradikale und marxistische Gruppen teil. Nach Veranstalterangaben sollen es etwa 2000 Menschen gewesen sein, die über die Rheinstraße und Fußgängerzone zum Karolinenplatz zogen.

Daniel Haber von der Interventionistischen Linke (IL) Darmstadt, die bereits vor anderthalb Wochen zu einer spontanen Demonstration gegen die AfD aufgerufen hatte, kritisierte am Rande der Veranstaltung die Beteiligung der CDU an der Kundgebung auf dem Karolinenplatz. Die antifaschistischen Proteste der vergangenen Tage zeigten deutlich, „dass die Leute nicht mehr bereit sind, sich weiter an die grassierende Unmenschlichkeit und autoritäre Stimmung in diesen Land zu gewöhnen“, so Haber.

Darmstadt: Forderung nach klarer Abgrenzung der CDU gegen die AfD

Darmstadt ist am Dienstagabend aufgestanden, um die Demokratie zu verteidigen und gegen Rechtsextremismus Position zu beziehen.

Mit dem Verweis auf die Teilnahme von mindestens einem CDU-Mitglied an dem Potsdamer „Geheimtreffen“ forderte die IL von der CDU „eine klare Abgrenzung gegen die Programmatik der AfD“. Jürgen Barth, mit 85 Jahren ältester Stadtverordneter der Grünen, sagte der Frankfurter Rundschau, er sei sehr gerührt, die große Zahl der Teilnehmenden sei „großartig“.

Während der evangelische Dekan Raimund Wirth klar machte, dass die Hetze gegen Menschen dem christlichen Weltbild widerspreche, beschwor TU-Präsidentin Tanja Brühl die Menge, dass Demokratie und Wissenschaft zusammengehörten. „Wer von Remigration spricht, setzt unsere Zukunft aufs Spiel“, so Brühl.

Demo gegen Rechts und für Demokratie auf dem Karolinenplatz

Vielfach waren bunte und positive Botschaften auf den mitgebrachten Transparenten zu lesen.

Auch für Wirtschaft und Wohlstand seien die Millionen hier lebenden Migrant:innen von enormer Bedeutung, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Matthias Martiné und forderte: „Jetzt muss auch die Wirtschaft klar Farbe bekennen. Wer die grundrechtliche Freiheit in Frage stellt, muss mit unserem Widerstand rechnen.“

Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grüne) sagte, Darmstadt und die Region zeige, dass es Zusammenhalt gebe. Dieser müsse aber weitergeführt werden. Robin Schäfer vom DGB Darmstadt erntete viel Applaus als er sagte, man werde nicht vor einem „scheinheiligen Haufen von Faschisten“ zurückweichen. (Claudia Kabel/Jens Joachim)

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