Brüder-Grimm-Schule Eschwege

Digitales Zusammenleben: Click-Smart an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege

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Demokratisch abgestimmt: Dirk Rudolph fragt die Klasse, wie ihre Chatgruppe moderiert werden soll.
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Um den Umgang mit dem Internet und Regeln für das digitale Miteinander ging es bei den Projekttagen der fünften Klassen an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege.

Eschwege – „Nicht in der Gruppe streiten“, hält ein Schüler der F5c das Ergebnis seiner Gruppe als Regel für den Klassenchat fest: „Im Privatchat klären.“ Um den Umgang mit dem Smartphone drehen sich die Vormittage der Schülerinnen und Schüler, die seit einem Halbjahr die Brüder-Grimm-Schule in Eschwege besuchen, seit einigen Tagen. Heute nimmt die letzte der fünften Klassen am Projekt Click-Smart teil. „Dieses Projekt ist ein Präventionsprojekt“, sagt Schulleiter Heiko Striening mit Blick darauf, dass die meisten Kinder in der fünften Klasse bereits ein Smartphone nutzen.

Wie in den beiden Vorjahren findet Click-Smart zum Halbjahreswechsel und damit in zeitlicher Nähe zum Safer Internet Day statt, wie Dirk Rudolph erklärt. Er ist Lehrer, Leiter des Medienzentrums Werra-Meißner und Mitarbeiter im Click-Smart-Netzwerk und hat das Projekt organisiert, das mit der Schulsozialarbeit umgesetzt wird. Rudolph erlebt, dass das Einstiegsalter beim Umgang mit dem Smartphone immer niedriger wird: „Uns als Netzwerk ist es wichtig, dass der Einstieg nicht unbegleitet passiert.“

Zu Beginn des Projekttags gilt es, herauszufinden, was die Schüler im Internet tun, was ihnen daran Spaß bereitet und was sie stört. Ihre Smartphones sollen sie nutzen, um ihren Beitrag digital hinzuzufügen. Rudolph sagt, dass es ihm wichtig ist, den Schülern zu vermitteln, dass das Handy nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Arbeiten oder als Nachschlagewerk genutzt werden kann. Ganz oben bei den Funktionen, die die Schüler nutzen: die Videoplattform Youtube, die Chatfunktion Whatsapp und das Spiel Fortnite. Das Internet verwenden sie vor allem, um mit Freunden zu schreiben, aber auch um Spaß zu haben oder Langeweile totzuschlagen. Entsprechend stören vor allem Mitspieler, die mit Tricks zum Sieg kommen wollen.

Auch bei der Frage nach dem Umgang mit Daten wie Fotos im Whatsapp-Status ist die Einschätzung der Schüler gefragt. Sie erklären, wie sie beispielsweise zum Teilen von Urlaubsfotos stehen, reflektieren dabei darüber, wieso sie sich wie verhalten. Gegen Ende des Projekttags stehen unter anderem Passwortregeln und das „Recht am eigenen Bild“ auf dem Programm.

Schulsozialarbeiterin Ebru Saglam weiß, dass ein häufiges Problem in Klassenchats ist, dass sogenannte Sticker von Fotos anderer Schüler erstellt und ohne deren Einverständnis verbreitet werden. Bei Klassen, die am Projekt Click-Smart teilgenommen haben, erlebe sie, dass auch die Schüler, die nicht direkt davon betroffen sind, solche Fälle eher ansprechen, für das Thema sensibilisiert sind. Auch das Einstufen von Inhalten spielt eine wichtige Rolle. Laut der Schulsozialarbeiterin ist es so, dass einige Kinder der fünften Klassen nicht wissen, was sich hinter dem Begriff „Fake News“ verbirgt und dass es Videos gibt, in denen bewusst falsche Informationen verbreitet werden.

Selbst miterlebt haben viele Kinder dagegen Schwierigkeiten in Klassenchats. Anhand von Arbeitsblättern mit Beispielen reden sie in Gruppen darüber, wann zu viele ungefragte Nachrichten den Chat gefüllt oder offen ausgetragene Streitereien für Schwierigkeiten gesorgt haben. „Ich finde, dass es keine Klassengruppe ist, wenn nicht jeder drin ist“, argumentiert eine Schülerin, woraufhin Rudolph erklärt, ab welchem Alter Jugendliche in Deutschland Whatsapp verwenden dürfen und wieso einige Eltern nicht möchten, dass ihre Kinder die Funktion nutzen oder Gruppen beitreten. Mit mehreren Abstimmungen legt die Klasse schließlich Regeln für ihren Chat fest, diskutiert darüber, wie alle Schüler wichtige Informationen erhalten können und wie festgelegt werden sollte, wer welche Berechtigungen und Pflichten beim Moderieren erhält.

Offen reagiert Rudolph auf die Beiträge, legt Wert darauf, dass die Klasse gemeinsam Lösungen findet. Durch die Coronapandemie und die Zeit des digitalen Unterrichtens falle es Schülern eher schwer, sich aufeinander zu beziehen. Entsprechend ist auch gegenseitiges Zuhören letztlich Teil des Projekttags. Ebenso wichtig, wie Striening und Rudolph wissen, ist, dass Eltern ihren Kindern auch beim Thema digitale Medien vermitteln, dass sie sich mit Fragen und Problemen an sie wenden können. (Eden Sophie Rimbach)

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