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Ein weiterer Paukenschlag rund um den Hessentag 2024 in Fritzlar. Der Bürgermeister will die größte Veranstaltungsfläche streichen. Konzerte soll es trotzdem geben.
Fritzlar – Die größte Veranstaltungsfläche des Hessentags 2024 ist womöglich Geschichte. Eigentlich sollte auf dem Großparkplatz gegenüber der Georg-Friedrich-Kaserne mit der Arena eine Fläche für Konzerte entstehen, die bis zu 15 000 Besucher fasst. Doch nun hat der Fritzlarer Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) mitgeteilt, dass daraus nichts wird. Der Grund: hohe Kosten bei gleichzeitiger Unsicherheit über zu erwartende Erträge.
Nach der Trennung von der Agentur MK Holding seien Zweifel aufgekommen, ob das Budget des Hessentags eingehalten werden könne, sagte Spogat auf Anfrage unserer Zeitung. Teils seien noch wesentliche Kostenpunkte hinzugekommen, die der Stadt bislang nicht kommuniziert worden seien. „Es geht darum, zu schauen, welche Kosten neu sind und welche Kosten uns bislang vorenthalten wurden“, so der Bürgermeister. Daher habe Spogat zunächst das Gespräch mit dem Ältestenrat gesucht und daraufhin dem Magistrat empfohlen, zu beschließen, auf die Arena zu verzichten. Magistratsmitglieder widersprachen am Abend gegenüber der HNA, dass es bereits eine Entscheidung gibt, diese stehe noch aus.*
Allein der Aufbau der Arena inklusive dafür nötiger Infrastruktur hätte brutto rund 1,5 Millionen Euro gekostet. Dieses Geld hätte man durch Ticketverkäufe nur teilweise wieder einspielen können, ergänzt der Bürgermeister.
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Unvorhergesehene Zusatzkosten wurden der Stadt nach Gesprächen mit der Hessischen Staatskanzlei sowie dem NVV und der Bahn bekannt. So hätte die Stadt etwa für eine temporäre Verlängerung der Bahnsteige in Wabern und Fritzlar aufkommen müssen, damit dort auch längere Züge halten können, die die Besuchermassen nach Konzerten transportiert hätten. „Das ist natürlich ernüchternd, wenn die Vorgespräche bereits vor einem Dreivierteljahr stattgefunden haben“, sagt Spogat mit Blick auf die neue Information.
Obwohl die Stadt Fritzlar die Arena eingerichtet hätte, wäre zudem noch ein weiterer wesentlicher Betrag angefallen, den die Stadt für die Ausrichtung der FFH-Just-White-Party hätte zahlen müssen. Eine genaue Summe wollte der Bürgermeister nicht nennen.
Hessentag 2024 in Fritzlar: Weitere Mehrkosten für die Arena
Rund 300 000 Euro wären für Sicherheitspersonal an den Bahnhöfen angefallen. Auch dieser Betrag werde sich nun deutlich reduzieren. „Hinzu kommt, dass die Bahn und der NVV überlegen müssen, wie vielen Menschen eigentlich mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen“, sagt Hartmut Spogat. Denn wenn die Bahn für Großveranstaltungen in der Arena Züge in Reserve abgestellt hätte, hätte das größere Sperrmaßnahmen auf den Bahngleisen nach Bad Wildungen zur Folge gehabt. Dort wären dann Züge bereitgestanden, die die Menschen nach dem Konzert zum Beispiel nach Wabern gebracht hätten. Fällt das weg, könnten auch die Absicherungsmaßnahmen an der Strecke nach Bad Wildungen reduziert werden. „Die Bahn und der NVV berechnen das gerade neu“, erklärt der Bürgermeister.
Und auch beim Thema Sanitätsdienste könne ohne Großveranstaltungen in der Arena erheblich Personal eingespart werden. „Das wäre ein erheblicher Personalaufwand gewesen“, so Spogat weiter.
Hessentag 2024: So steht es um die Veranstaltungen in Fritzlar
Auch nach dem Aus für die Arena müssen die Fritzlarer nicht auf Konzerte, auch von namhaften Künstlern, verzichten, sagt der Bürgermeister. Das Festzelt fasse 4000 bis 5000 Besucher und biete somit genug Kapazität, auch für bekannte Künstler. Die Stadt plane mindestens mit einer Handvoll attraktiver Künstler aus verschiedenen Musikrichtungen. Eine zweite größere Veranstaltungsfläche, den HR-Treff, werde zudem der Hessische Rundfunk bespielen. „Wir sind gerade in der Absprache, wer welche Künstler engagiert“, so der Bürgermeister. Eventuell werde es auch gemeinsame Veranstaltungen geben.
Derzeit sei die Stadt Fritzlar in Kontakt mit verschiedenen Künstler-Agenturen. Grundsätzlich könne man Künstler für Veranstaltungen wie den Hessentag gewinnen, wenn sie nicht gerade auf Tour seien und es keine terminliche Nähe zu ihren weiteren Auftritten in der näheren Umgebung gebe, erläutert der Bürgermeister.
Zudem gebe es viele weitere Veranstaltungsflächen, etwa von Polizei und Bundeswehr, das Weindorf und zwei städtische Bühnen, auf denen sich auch regionale Künstler und Vereine präsentieren würden. „Wir haben jede Menge Anfragen“, so Spogat.
Der Bürgermeister gibt sich betont optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass es trotzdem ein Erlebnis ist, den Hessentag in Fritzlar zu haben. Die ausrichtende Stadt gibt den Ton vor – man muss nicht immer höher, schneller, weiter haben.“
Finanzen: Hessentag 2024 wird trotz Einsparungen teurer als geplant
Trotz der Arena-Einsparung: Günstiger als geplant wird die zehntägige Veranstaltung dennoch nicht. „Die Stadtverordnetenversammlung hat festgelegt, dass wir mit einem Defizit von zwei Millionen Euro auskommen müssen. Das ist nicht mehr möglich“, sagt Spogat. Er wolle bei der nun anstehenden Haushaltseinbringung noch einmal zwei bis drei Millionen Euro zusätzlich vom Parlament genehmigen lassen. „Natürlich wollen wir das nicht ausgeben, aber so können wir dann weiter solide planen“, betont er.
Der Doppelhaushalt für die kommenden zwei Jahre sollte eigentlich in der Sitzung der Fritzlarer Stadtverordneten am kommenden Donnerstag eingebracht werden. Wie Spogat mitteilt, könnte sich die Einbringung des Haushalts eventuell verzögern und müsste in einer Sondersitzung geschehen. (Daniel Seeger)
* Sehr geehrte Leserinnen und Leser, dieser Absatz wurde um 20.55 Uhr um ein Statement aus dem Magistrat ergänzt.

