VonOliver Teutschschließen
Das Waldstadion wird zur EM 2024 eine ganz andere Stätte sein. Es wird kaum öffentliche Parkplätze wegen strenger Regularien der UEFA geben
Frankfurt – Die wichtigste Botschaft zu verkünden, behielt sich Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) selbst vor: Es wird Apfelwein im Stadion ausgeschenkt. Das sei in den vergangenen Wochen die am häufigsten gestellte Frage an ihn gewesen und wohl ungefähr so brisant wie die Frage, ob Pop-Ikone Taylor Swift den Super Bowl besucht. Wer die restriktive UEFA kennt, kann sich gut vorstellen, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass es in einem der Austragungsorte der EURO 2024 Apfelwein geben wird.
Denn die UEFA als Organisator des Turniers stellt hohe Anforderungen an den Ausrichter. Davon kann sich Clarissa Böckl, die Geschäftsführerin der städtischen Sportpark GmbH, schon seit geraumer Zeit überzeugen. „Es wird ein komplett anderes Set-up im Stadion sein“, verriet Böckl 101 Tage vor der Europameisterschaft. Seit Januar haben sich UEFA-Delegierte im Stadion in einer Zahl eingenistet, die schon jetzt in etwa so groß ist wie die der Sportpark-Beschäftigten.
UEFA lehnte ab, das Stadion während der EM „Waldstadion Frankfurt“ zu nennen
Wenn die UEFA ab 20. Mai das Hausrecht im Stadion übernimmt, wird der Stab der Europäischen Fußballunion auf mehr als 80 Personen anwachsen. Dann soll das Stadion auch einen anderen Namen bekommen und für das Turnier als „Arena Frankfurt“ firmieren. Die Vorschläge der Sportpark GmbH, das Stadion während des Turniers „Waldstadion Frankfurt“ zu nennen, wurde von der UEFA abgelehnt. Selbstredend muss auch der monumentale Schriftzug des Eintracht-Sponsors auf dem Stadiondach demontiert werden.
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Bereits ab dem 18. März gehen die Vorbereitungen für die zusätzliche Verkabelung los. „Die UEFA legt großen Wert auf die Sicherheit der TV-Übertragungen“, so Böckl. Um den Fernsehanstalten aus aller Welt die Garantie eines störungsfreien TV-Signals zu gewährleisten, wird umfangreich nachgebessert. Da es auch zusätzliche Kamerapositionen im Stadion geben soll, wird dessen Kapazität von den eigentlich angedachten 48 000 Plätzen auf etwa 46 500 sinken. Einige Sitzplatzschalen werden auch aus Sicherheitsgründen nicht zur Verfügung stehen, denn die Fan-Trennung ist bei je 10 000 Tickets pro Team etwas schwieriger als bei Heimspielen der Eintracht.
Nur wenige Parkplätze bei EM-Spielen in Frankfurt
Um diese Trennung der Fans zu gewährleisten, wird es während des Turniers auch kaum öffentliche Parkplätze rund um das Stadion geben. Die Abstellplätze in der Tiefgarage, am Gleisdreieck und auf dem Waldparkplatz werden nur mit Berechtigungsscheinen der UEFA genutzt werden können. Einzig die Parkplätze in der Isenburger Schneise werden zur Verfügung stehen, weil sie laut Definition der UEFA nicht stadionnah und damit uninteressant sind.
Da es schon bei Eintracht-Heimspielen mit der deutlich höheren Parkplatzkapazität zu Engpässen bei der An- und Abreise kommt, ist eine gewisse Sorge um den reibungslosen Ablauf des Transports durchaus angebracht. Wie schon die Polizei weisen auch die Verantwortlichen der Stadt darauf hin, dass es doch mittlerweile deutlich mehr Fahrradabstellplätze am Stadion gebe. Fans aus England oder der Slowakei werden aber wohl kaum mit dem Drahtesel anreisen.
Nora Pullmann vom Frankfurter Sportamt wies darauf hin, dass die Nahverkehrsbetriebe zur EM nochmal „eine Schippe mehr“ Bahnen aufs Gleis setzen würden als bei Eintracht-Heimspielen oder Konzerten. Die Gesamtkapazität sei aber auch während des Turniers eingeschränkt, da das Gleisdreieck mit dem Nah-, Fern- und Güterverkehr nun mal einer der meist befahrenen Eisenbahnknoten der Republik sei. Es wird für die Glücklichen mit einem Ticket für eines der fünf Spiele wohl ein bisschen Geduld notwendig sein, um einen Apfelwein im Stadion genießen zu können.
