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Eine Initiative hat am Samstag eine frühere Druckerei in Frankfurt besetzt. Die Goethe-Uni fordert ein sofortiges Ende der Aktion. Ob es rasch zu einer Räumung kommt, ist offen.
Frankfurt - Die frühere Dondorf-Druckerei in der Nähe der Frankfurter Unibibliothek ist am Samstag zum zweiten Mal in nur wenigen Monaten besetzt worden. Die Gruppe „Die Druckerei“ will verhindern, dass das Backsteingebäude abgerissen und vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPI) durch einen Neubau ersetzt wird. Stattdessen soll es erhalten bleiben und als nichtkommerzielles kulturelles Zentrum genutzt werden.
„Die Druckerei hat ihre Tore wieder geöffnet“, sagte eine Aktivistin gegen 14.30 Uhr. Andere hielten ein Banner mit der Aufschrift „Klimagerechte statt prekäre Wissenschaft“ aus dem Fenster; auf einem weiteren Banner war „Häuser erhalten für’s Klima, Die Druckerei lebt“ zu lesen. Die Gruppe lehnt den Abriss nicht nur aus ökologischen Gründen ab. Aus ihrer Sicht sollte das Gebäude auch erhalten bleiben, weil es sich bei der früheren Druckerei der Familie Dondorf um einen Teil der jüdischen Geschichte in Frankfurt handelt.
Uni Frankfurt äußert sich am Sonntag noch nicht zu einer möglichen Räumung
Die Polizei forderte die Besetzer:innen am Samstagnachmittag immer wieder auf, das Gelände zu verlassen. Diese kamen dem nicht nach und riefen: „Das ist unser Haus.“ Ruppig wurde es, als die Polizei eine Kundgebung vor dem Tor des Gebäudes räumte. Am frühen Abend zog sie sich jedoch zurück. Auch am Sonntag zeichnete sich zunächst keine Räumung des Hauses ab. Die Polizei teilte lediglich mit, sie stehe im engen Austausch mit dem Hausrechtsinhaber. Es sei bislang „zu keinen weiteren Störungen“ am Haus gekommen.
Wann und ob es zu einer Räumung kommt, hängt von der Goethe-Uni ab, der die frühere Dondorf-Druckerei gehört. Sie verurteilte das Vorgehen der Initiative am Sonntag auf Anfrage. Und forderte diese auf, „die Besetzung nach dem erneuten gewaltsamen Eindringen in die Liegenschaft unverzüglich zu beenden“. Die Frage, ob sie eine rasche Räumung des Gebäudes anstrebe, beantwortete ein Sprecher nicht.
Video: Wie wird ein Notruf richtig abgesetzt?
Asta der Goethe-Uni warnt vor Polizeieinsatz gegen Besetzung
Der Asta der Goethe-Uni unterstützte die Besetzung dagegen am Samstag ausdrücklich. Jetzt könne das Unipräsidium beweisen, dass es „aus falschen Entscheidungen aus der Vergangenheit in Bezug auf Besetzungen“ gelernt habe, hieß es. „Die Polizei ist kein probates Mittel im Umgang mit den eigenen Studierenden“, sagte Emma Scholz aus dem Asta-Vorstandskollektiv. „Wir bestehen darauf, dass eine Universität ein gewaltfreier Ort des Dialogs sein muss.“
Die Initiative „Die Druckerei“ hatte das zuletzt nur noch für ein Archiv genutzte Gebäude an der Sophienstraße bereits Ende Juni besetzt und gezeigt, wie dieses aus ihrer Sicht mit Leben gefüllt werden könnte. Damals hatte die Uni die Besetzung nach knapp drei Wochen mit einem Polizeieinsatz beenden lassen. Dabei gab es mehrere Verletzte.
Aktivistin: „Wir nehmen uns diese Räume immer wieder“
Mit der erneuten Besetzung zeige die Gruppe, dass sie immer noch für ihre Ziele kämpfe, sagte Jule Liebig, eine Sprecherin der „Druckerei“ am Samstag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Wir nehmen uns diese Räume immer wieder.“ Das Gebäude stehe seit der Räumung nun schon seit fast fünf Monaten wieder leer. Die „Druckerei“ könne diesen Leerstand beenden und das Gebäude mindestens zwischennutzen. Die Gruppe sieht zudem eine wachsende Sympathie für ihre Ziele.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Dondorf-Gebäude erhalten bleibt, ist in den vergangenen Monaten in der Tat gestiegen. Seit Jahren warnen Initiativen und der Ortsbeirat vor dessen Abriss. Nun will der Frankfurter Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) in Gesprächen mit dem Land, der Uni, der Max-Planck-Gesellschaft und dem MPI eine Lösung für den Erhalt finden. In diesen geht es allerdings nicht um eine anderweitige Nutzung des Komplexes.
Linke im Ortsbeirat 2 lobt Aktion der Hausbesetzer
Die Initiative „Die Druckerei“ beklagt, dass sie nicht in die Gespräche eingebunden sei. „Wir möchten mit am Tisch sitzen, wenn es um die Zukunft der Stadt geht.“ Auch Hans-Jürgen Hammelmann, der für die Linke dem Ortsbeirat 2 angehört, beklagt die Zusammensetzung des runden Tischs. Die Aktion der „Druckerei“ lobt er. Es sei notwendig, weiter auf den Leerstand des Gebäudes hinzuweisen, sagte er am Samstag vor dem Gelände. (Christoph Manus/Baha Kirlidokme)

