VonStella Tringalischließen
Kathrin Rosendorffschließen
Nach dem Fund einer Handgranate in der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache erhält die Polizei erste Hinweise. Der betroffene Ladenbesitzer möchte aus Angst nicht sprechen.
Frankfurt – Am Mittwochmorgen geht augenscheinlich alles seinen gewohnten Gang. Zwei Polizisten schauen auf ihre Handys, Passant:innen sind in den Gängen unterwegs. Bei den Ladenbetreiber:innen und -mitarbeiter:innen zeigt sich hingegen Unsicherheit. Einige waren auf dem Weg zur Arbeit oder schon vor der Hauptwache, als die Station am Dienstagmorgen abgesperrt wurde. Bouza Lmat-Mohamed von Handy-Bades in den Allianz-Passagen hat vor Ort von einem Polizeieinsatz gehört. Dass der Grund dafür eine Handgranate gewesen war, habe er zuerst nicht gewusst. Er wünscht sich mehr Polizeipräsenz an der Hauptwache. „Die Polizei ist in letzter Zeit sehr selten vor Ort und patrouilliert. Ich fühle mich unsicher“, sagt er.
Nach dem Fund einer Handgranate in der B-Ebene am Dienstagmorgen an der Hauptwache hatte die Polizei mitgeteilt, dass sich darin ein Sprengsatz befunden habe und dieser „funktionsfähig“ war. Der Sprecher der Polizei betonte am Mittwoch im Gespräch mit der FR auch, dass die Granate zu diesem Zeitpunkt gesichert gewesen sei, also der Stift nicht gezogen war.
Handgranate an Bahnstation in Frankfurts Innenstadt lag vor einer Ladenzeile
Die Handgranate lag vor einer Ladenzeile in der B-Ebene und wird nun kriminaltechnisch untersucht, um herauszufinden, welcher Sprengstoff sich darin befindet. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, sei noch unklar. Fest steht hingegen: Hätte der Täter den Stift gezogen, wäre die Waffe innerhalb weniger Sekunden detontiert.
Nach Angaben der „Bild“-Zeitung handelt es sich um das jugoslawische Modell M52, das seit den Balkankriegen der 1990er Jahre auf dem illegalen Waffenmarkt weit verbreitet ist. Die Polizei bestätigte dies nicht. Sie konnte auch zu den Hintergründen noch nichts Neues mitteilen: „Die aktuelle Motivlage ist völlig unklar. Wir ermitteln in jede Richtung“, sagte der Sprecher. Mit Spekulationen hält sich die Polizei zurück.
Die Suche nach dem unbekannten Täter läuft derweil weiter. Wie von den Überwachungskameras gefilmt worden war, hatte ein vermummter Manne um 4.36 Uhr am Dienstag die Handgranate unweit einer Ladenzeile abgelegt. Danach war er zu Fuß in Richtung der Station Eschenheimer Tor geflüchtet. „Wir gehen jetzt den Hinweisen nach, die wir von Bürger:innen bekommen haben“, so der Sprecher. Denn am Dienstagmorgen hatten mehrere Passant:innen die Polizei alarmiert, nachdem sie den verdächtigen Gegenstand entdeckt hatten. Die Ermittler suchen auch über die Bilder und Videoaufnahmen der Überwachungskamera auf den sozialen Medien nach dem Mann. Dieser trug einen auffälligen Emporio-Armani-Kapuzenpulli mit dem Aufdruck „EA7“ und eine weiße Gesichtsmaske.
Ladenbetreiber hat Angst nach Handgranaten-Fund in der Hauptwache
Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt verwies auf die Frage, ob sie nun mehr Sicherheitspersonal einsetzen wolle, auf die Kommunikation der Polizei.
Am Mittwochmorgen sagt ein Mann der FR, dass die Handgranate vor seinem Geschäft in der B-Ebene abgelegt worden sei. Viel mehr möchte er dazu nicht sagen. Auch seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Denn: „Ich habe große Angst“, flüstert er. Viele glauben, dass der Laden ein willkürliches Ziel gewesen sei. Denn wie mehrere Geschäftsleute betonen, sei eben auf den Aufnahmen zu sehen, dass der Verdächtige sich zuerst unten bei den Gleisen bewegt habe, bevor er zurück in die B-Ebene gelaufen sei.
Die Passantinnen und Passanten, die an der Hauptwache aus den U-und S-Bahnen ein- und aussteigen, sehen die Lage aus unterschiedlichen Perspektiven. Während einige den Täter für „einen Spinner“ halten, sehen andere den Nahostkonflikt als den Auslöser für die Tat.
Auch einige Passant:innen fordern mehr Patrouillen durch Polizeibeamt:innen. Denn vor allem dominiert an diesem Tag die Unsicherheit.

