Europameisterschaft

Frankfurt hofft bei der Fußball-EM auf eine große Party

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Auf dem Main – hier eine Visualisierung der Fanzone – soll während der EM auch gekickt werden.
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Gerade die Bilder aus der Fanzone am Main könnten sich für die Stadt lohnen.

Ganz am Schluss dieses durchaus bemerkenswerten Vormittags im Kaisersaal durfte Mike Josef dann endlich Fußball spielen. Das tut der Frankfurter Oberbürgermeister sehr gerne und auch noch sehr gut – was nicht verwunderlich ist, denn vor 20 Jahren wäre er in Ulm fast Profi geworden. Also hält er im ehrwürdigsten und traditionsreichsten Saal des Römers den Ball hoch, fünfmal, sechsmal, zehnmal ... und Fußballgott und EM-Botschafter Alex Meier schaut zu und nickt anerkennend, auch das EM-Maskottchen Albärt zeigt sich begeistert, die Kameraleute halten drauf, und spätestens jetzt ist die Nachricht angekommen: Frankfurt hat richtig Lust auf die Fußball-Europameisterschaft.

Vermutlich brauchte es so eine Botschaft auch mal. Denn 100 Tage vor Beginn des Turniers ist von Fußball-Euphorie in der Stadt noch nicht viel zu spüren.

Deswegen muss sich weder im Römer noch im Organisationskomitee der EM jemand große Sorgen machen. Auch wenn viele es anders in Erinnerung haben: 100 Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Frankfurt ebenfalls noch nicht im WM-Fieber. Doch die Vorbereitungen der Stadt laufen auf Hochtouren – was Josef und viele weitere Verantwortliche am Dienstag im Römer vorstellten.

Fußball-EM

Das Turnier wird vom 14. Juni bis 14. Juli ausgetragen. Die Gruppenphase mit 24 Mannschaften läuft vom 14. bis 26. Juni. In dieser Zeit werden auch vier Spiele in Frankfurt stattfinden.

Frankfurt ist Gastgeber für die Spiele Belgien–Slowakei (17.6., 18 Uhr), Dänemark–England (20.6., 18 Uhr), Schweiz–Deutschland (23.6., 21 Uhr), und Slowakei–Rumänien (26.6., 18 Uhr).

Die Achtelfinals werden vom 29. Juni bis 2. Juli ausgetragen. Frankfurt ist am 1. Juli um 21 Uhr Gastgeber der Partie des Siegers der Gruppe F gegen einen Dritten der Gruppe A, B oder C. Neben der Türkei, Portugal oder Tschechien wird das vierte Team der Gruppe F noch in den Playoffs am 21. und 26. März gesucht.

Ab den Viertelfinals bis zum Finale am 14. Juli in Berlin ist Frankfurt kein Austragungsort mehr. ote

Zwei Nachrichten teilte Josef der Presse mit. Die eine ist für traditionsbewusste Menschen aus Frankfurt gut, die andere eher weniger. Sowohl im Stadion als auch in der Fanzone wird Apfelwein ausgeschenkt. Das war keine Selbstverständlichkeit, da der europäische Fußballverband sehr genau darauf achtet, welches Getränk zu seinen Vertragspartnern passt und welches nicht. Aber: Das Stadion wird während der EM nicht Waldstadion heißen, auch nicht Deutsche Bank Park, sondern: Arena Frankfurt.

Auch von der Tourismus- und Congress GmbH, die die Fanzone am nördlichen Mainufer betreibt, gab es am Dienstag vor allem eine Botschaft: Die Party im Sommer wird groß. 30 000 Menschen passen auf das Gelände zwischen dem Eisernen Steg und der Friedensbrücke, und das ist noch vorsichtig geschätzt. Herzstück der Fanzone ist ein 144 Quadratmeter großer Bildschirm, der wie bei der Weltmeisterschaft 2006 auf dem Main schwimmen wird. Darüber hinaus gibt es auf der 1,4 Kilometer langen Fläche zahlreiche weitere Leinwände und Bildschirme.

Bobfahrerin Deborah Levi und Fußballgott Alex Meier vertreten Frankfurt als EM-Botschafterin und -Botschafter.

Rund eine Million Menschen könnten während des Turniers (14. Juni bis 14. Juli) auf die Fanzone kommen, glaubt Nina Malaviya, Prokuristin bei der Tourismus- und Congress GmbH. Und nicht alle müssten sich zwangsläufig für Fußball interessieren. So sei auf den Bühnen auf dem Main ein Kulturprogramm mit Open-Air-Kino geplant. Details dazu will die Stadt ein paar Wochen vor dem Turnier bekannt geben. Zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel soll es zudem eine Lichtshow mit musikalischer Untermalung an der Flößerbrücke geben.

Gekickt wird ebenfalls – auf einem kleinen Feld auf dem Main. Fußballspielende Jugendliche im Vordergrund, die Skyline dahinter – es sind solche Bilder, auf die sie bei der Stadt hoffen. Schon die Fanzone bei der WM 2006 war für Frankfurt ein großer Marketingfaktor, das soll sich wiederholen. 14,2 Millionen Euro gibt die Stadt Frankfurt für die Fanzone aus. Die Investition soll sich langfristig rentieren.

Große Bühne: Im Kaisersaal stellte die Stadt Frankfurt am Dienstag ihre Pläne für die Fußball-Europameisterschaft vor.

Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Wochen sei ohnehin hoch, sagte Roland Frischkorn, der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt. Ein solches Turnier habe „eine Wirkung auf das Zusammenleben der Menschen“.

80000 englische Fans könnten zur EM nach Frankfurt kommen

Für die Sicherheit bei dem Turnier sorgt – sofern städtische Belange betroffen sind – Matthias Heinrich. Der Chef der Stadtpolizei leitet in seinem letzten Dienstjahr eine am Römer angesiedelte Einrichtung namens Host City Coordination Centers, kurz HCCC. Er verweist auf zwei Treffpunkte für Fans der Mannschaften, die in Frankfurt spielen – am Opernplatz und am Roßmarkt.

Und wenn die englischen Fans – zum Spiel gegen Dänemark werden bis zu 80 000 in Frankfurt erwartet – sich doch wie bei der WM 2006 lieber auf dem Römerberg breit machen? Heinrich bleibt entspannt. Die ausgewiesenen Treffpunkte seien nur Angebote, die Fans könnten in der ganzen Stadt feiern.

Anders als 2006 sollten sie aber bitteschön nicht wieder das Schwert der Justitia am Brunnen vor dem Rathaus klauen. Schließlich ist nicht jede Nachricht rund um das Fußballturnier eine gute Werbung für Frankfurt.

Siehe auch: Rückblick auf große Länderspiele in Frankfurt und „Euro 2024 im Stadion Frankfurt: Apfelwein ja, Parkplätze nein“

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