Wirtschaft

Frankfurt: Kaum noch Handel mit Büroimmobilien

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Büroflächen in der Innenstadt bleiben nach Beobachtung von Maklerhäusern trotz der dort sehr hohen Mieten gefragt. In Randlagen sieht es anders aus.
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Trotz sinkender Preise ist das Geschäft mit Büroimmobilien in Frankfurt stark zurückgegangen. Als ein Grund gilt Unsicherheit. Eine Abkehr vom Büro sieht das Maklerhaus BNP Paribas Real Estate nicht.

Das Geschäft mit Gewerbeimmobilien in Frankfurt ist im ersten Halbjahr regelrecht eingebrochen. Nach Zahlen des Maklerhauses BNP Paribas Real Estate lag das Investmentvolumen bei 444 Millionen Euro – 87 Prozent weniger als im starken Vorjahreshalbjahr, aber auch viel weniger als in den Jahren zuvor. Zwar rechnet das Maklerhaus damit, dass bis Jahresende Immobilien für 3,2 Milliarden Euro den Eigentümer gewechselt haben werden. Aber auch das wäre ein vergleichsweise sehr niedriger Wert.

Dass der Investmentmarkt derzeit „nicht sehr liquide und agil“ sei, erklärte Nico Keller, stellvertretender Chef des Maklerhauses in Deutschland, am Montag vor allem mit einer abwartenden Haltung institutioneller Anleger. Schon jetzt seien etwa die Preise für Büroimmobilien um 25 bis 30 Prozent gesunken. Viele warteten aber noch ab, wie sich die Preise und die Zinsen weiter entwickelten.

Maklerhaus hält Nachfrage nach Büros in Frankfurt immer noch für groß

Fundamentale Probleme für den Büromarkt Frankfurt sieht das Maklerhaus trotz der veränderten Arbeitswelt nicht. Die Nachfrage nach Büroflächen sei nach wie vor groß, sagte der Frankfurter Niederlassungsleiter Riza Demirci. Derzeit seien ihm 17 Gesuche für Flächen von mehr als 10 000 Quadratmetern bekannt, davon fünf in der Größenordnung jenseits von 30 000 Quadratmetern. Kurz nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen für den Vermietungsmarkt seien noch zwei Deals über Flächen mit je 13 000 Quadratmetern abgeschlossen worden. Natürlich gebe es Unternehmen, die auch wegen des zunehmenden Arbeitens zu Hause kleinere Flächen suchten. Wie stark und dauerhaft dieser Trend ist, sei aber nicht ausgemacht. Demirci hält es durchaus für möglich, dass einige Unternehmen nachsteuern und nach einiger Zeit doch größere Flächen benötigen.

Nach Einschätzung von BNP Paribas Real Estate wird es zu keinem großen Anstieg des Leerstands von Büroflächen kommen. Demirci wies etwa daraufhin, dass in den nächsten Jahren mit weniger Neubauflächen zu rechnen sei. Auch eine neue große Konversionswelle von Büroimmobilien in Wohnraum oder andere Nutzungen erwartet das Maklerhaus bisher nicht – schon, weil vor einigen Jahren bereits in großem Stil ältere Bürogebäude auf diese Weise umgewandelt wurden. Die Entwicklung sei derzeit allerdings sehr unterschiedlich. Immer stärker gefragt seien trotz der hohen Mieten moderne Büroflächen in zentraler Lage, die die ESG-Kriterien erfüllen, in denen es etwa um Energieeffizienz und Ressourcenmanagement, aber auch die Arbeitsbedingungen geht. Für ältere Gebäude in schwächeren Lagen könne eine Umwandlung eher eine Alternative sein, hieß es.

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