VonPaul Luka Schneiderschließen
WG-Zimmer in Frankfurt sind zum Wintersemester teurer geworden. Die Erhöhung der Wohnkostenpauschale für Studierende ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Frankfurt – Das Wintersemester 2024/2025 an den deutschen Universitäten wirft seine Schatten voraus. Viele junge Menschen beginnen erstmalig zu studieren, verlassen das Elternhaus und suchen eine Bleibe in der jeweiligen Universitätsstadt.
Doch trotz eines Anstiegs der Wohnkostenpauschale im Rahmen der Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) durch die Ampel-Koalition von 360 auf 380 Euro, dürfte diesen mit Blick auf die Mieten an Uni-Standorten weiter die Kinnlade herunterfallen.
Durchschnittspreis von WG-Zimmer-Mieten in Frankfurt steigt an
Eine aktuelle Studie des Moses Mendelssohn Instituts mit Sitz in Berlin und Hamburg in Kooperation mit der Vermittlungsplattform wg-gesucht.de beziffert den mittleren Preis für die Warmmiete eines Wohngemeinschaft-Zimmers an einem Uni-Standort in Deutschland auf 489 Euro. Das sind 17 Euro mehr als im Vergleich zum vergangenen Wintersemester.
Bei der ersten Erfassung – für das Wintersemester 2013/14 – lag der durchschnittliche Preis für ein WG-Zimmer an einem Hochschulstandort noch bei 324 Euro. Ein Student aus Gießen hatte jüngst gegenüber IPPEN.MEDIA erzählt, dass man auf der Suche nach Wohnraum seine Ansprüche auf ein Minimum begrenzen müsse.
Die teuersten WG-Zimmer für Studierende in Deutschland
| Standort | München | Frankfurt | Berlin | Hamburg | Köln |
| Ø Warmmiete | 790 Euro | 680 Euro | 650 Euro | 620 Euro | 600 Euro |
Quelle: Auswertung des Moses Mendelssohn Instituts mit Sitz in Berlin und Hamburg in Kooperation mit der Vermittlungsplattform wg-gesucht.de; Zeitraum: letzten beiden August-Wochen 2024; Datenmenge: 9.000 Online-Angebote (Zweier- und Dreier-WGs) für alle 88 deutschen Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden (ohne Fern- und Verwaltungshochschulen); Neugründungen unberücksichtigt
Gerade, wenn man in Frankfurt nach einem WG-Zimmer sucht, dürfte das zutreffen. Laut der Studie liegt der Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer in der Mainmetropole bei 680 Euro im Monat. Das sind 50 Euro mehr als im Wintersemester 2023/24. 300 Euro mehr als die Wohnkostenpauschale des BAföG vorsieht.
Damit liegt Frankfurt wieder einmal unter den fünf teuersten der 88 erfassten Hochschul-Standorte, an denen laut den Macherinnen und Machern der Studie 90,5 Prozent der in Deutschland eingeschriebenen Studierenden lernen. Und das auf Platz zwei. Nur München ist teurer.
Inwieweit und ob die Anzahl an Quadratmetern des jeweiligen WG-Zimmers beziehungsweise der Gesamt-WG in die Berechnungen miteingeflossen ist, geht aus den Daten der Studie nicht hervor.
Die günstigsten WG-Zimmer für Studierende in Deutschland
| Standort | Mittelsachsen | Chemnitz | Wismar | Jena | Siegen |
| Ø Warmmiete | 266 Euro | 290 Euro | 325 Euro | 328 Euro | 330 Euro |
Quelle: Auswertung des Moses Mendelssohn Instituts mit Sitz in Berlin und Hamburg in Kooperation mit der Vermittlungsplattform wg-gesucht.de; Zeitraum: letzten beiden August-Wochen 2024; Datenmenge: 9.000 Online-Angebote (Zweier- und Dreier-WGs) für alle 88 deutschen Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden (ohne Fern- und Verwaltungshochschulen); Neugründungen unberücksichtigt
„Auch in diesem Wintersemester hat sich wieder gezeigt, dass die vergleichsweise günstigen Angebote sehr schnell wieder aus dem Netz genommen wurden“, erklärt Projektleiter Dr. Stefan Brauckmann und ergänzt: „Personen, die erst sehr spät eine Zulassung zum Studium bekommen oder sich nicht vor Ort um eine Unterkunft kümmern können, weil zum Beispiel noch kein Visum erteilt wurde, unterliegen einem größeren Marktdruck.“
Am günstigsten und noch deutlich unter der Wohnkostenpauschale gibt es WG-Zimmer in Teilen des Ostens der Bundesrepublik. Brauckmann mahnt mit Blick auf die gesamtdeutschen Preise für WG-Zimmer an Bildungsstandorten: „Der Geldbeutel der Eltern sollte nicht darüber entscheiden, wer, wie gut, an welchem Standort in Deutschland studiert oder eine berufliche Ausbildung macht.“ Jeder Studierende habe ein Recht auf bezahlbaren Wohnraum, pflichtet ihm Annegret Mülbaier von wg-gesucht.de bei.
Studienmacher mahnt: Geldbeutel der Eltern darf nicht über Bildung entscheiden
Brauckmann sieht etwas Entspannung in Bezug auf den gesamtdeutschen Wohnungsmarkt an Uni-Standorten für Studierende: „Nach dem Auslaufen der Covid-19-Pandemie und dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind die Wohnkosten extrem gestiegen. Jetzt können wir eine Erholungsphase erkennen.“ Er schränkt aber auch gleichsam mit Blick auf die großen Metropolregionen ein, dass dort die Lage für Studierende weiterhin angespannt bleibe.
Auch für junge Familien gestaltet sich die Suche nach bezahlbarem Wohnraum in der Mainmetropole offenkundig schwer. Eine hat deswegen die Reddit-Community um Hilfe gebeten – und zum Teil Sarkasmus geerntet. (pls/dpa/lhe)
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