VonChristopher Hessschließen
In Fulda fehlt es an Wohnraum für Studierende. Die fünf Wohnheime sind seit Monaten voll. Auf den Wartelisten stehen 280 Menschen. OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) fordert das Studierendenwerk und das Land Hessen auf, die Situation schnell zu verbessern.
Fulda - Vergangene Woche haben 2000 Erstsemester an der Hochschule Fulda ihr Studium begonnen – viele von ihnen suchen noch immer nach einer Bleibe. Es mangelt an bezahlbaren Angeboten in der Barockstadt, schildern Studenten.
Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung nun sehr deutlich zu dem Thema. Er fordert die Schaffung weiteren Wohnraums für Studierende und nimmt dabei das Studierendenwerk Gießen in die Pflicht, das vier der fünf Wohnheime in Fulda betreibt.
Fulda: OB fordert mehr Wohnraum für Studenten - 280 stehen auf Warteliste
„Als Oberbürgermeister der Stadt Fulda und Mitglied im Hochschulrat muss ich klar sagen, dass hier das Studierendenwerk Gießen gefordert ist, seiner Aufgabe gerecht zu werden und ausreichend studentischen Wohnraum zu schaffen“, sagt OB Heiko Wingenfeld.
In Fulda gibt es aktuell 466 Wohnheimplätze. Damit liege die Versorgung in der Stadt deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Städte, wo es für etwa zehn Prozent der Studierenden einen Wohnheimplatz gibt. Die Hochschule Fulda zählt derzeit 8600 Studierende – die Versorgungsquote in diesem Bereich liegt also nur bei knapp fünf Prozent.
Das Studierendenwerk Gießen ist gefordert, seiner Aufgabe gerecht zu werden und ausreichend studentischen Wohnraum zu schaffen.
„Hier muss das Studierendenwerk und damit das Land Hessen deutlich zulegen, um die Situation für die Studierenden der Hochschule Fulda zu verbessern“, richtet Wingenfeld klare Worte in Richtung des Studi-Werks. Fulda sei eine wachsende Stadt, betont der 50-Jährige weiter.
„Mit 70.800 Einwohnern müssen wir feststellen, dass sich die Wohnungslage nicht nur für Studierende verschärft hat“, so der OB. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren in Kooperationen mit lokalen Partnern eine Reihe von Flächen geschaffen und Angebote auf den Weg gebracht, um die Situation speziell für Auszubildende und Studierende aktiv zu verbessern.
Wingenfeld nennt den Bau des Azubi Kampus pings als Beispiel, bei dem der Landkreis gemeinsam mit dem Betreiber Kolping 120 Wohnplätze für Auszubildende geschaffen habe. An der Pacelliallee entstehen aktuell in Kooperation mit dem Klinikum 56 Wohneinheiten für Mitarbeitende und Studierende.
Im Baugebiet am Waidesgrund ist der Bau weiterer Mikro-Appartements auch für Studierende vorgesehen. Tilman Dabelow, kommissarischer Geschäftsführer des Studierendenwerks Gießen, sagt auf Anfrage: „Wir arbeiten aktuell an der Bewertung eines weiteren Objekts in Fulda.“
Genauere Angaben zum Planungsstand und um welches Objekt es sich handelt, machte das Werk auf Nachfrage nicht. Dabelow betont, dass es derzeit schwierig sei, weitere Wohnheimplätze zu schaffen. Er benennt die Gründe: „Die Baukosten sind enorm gestiegen, Grundstücke in Hochschulnähe sind rar, die späteren Mieten sollen jedoch bezahlbar bleiben.“
Wann immer sich die Möglichkeit des Neubaus, Kaufs oder der Anmietung von Wohnheimen ergebe, prüfe das Werk dies. Die von OBWingenfeld angepeilte Versorgungsquote von zehn Prozent greift auch Dabelow auf: „Wir verfolgen das Ziel, diese Versorgungsquote zu realisieren – auch in Fulda. In den vergangenen acht Jahren konnten wir hier die Wohnheimplätze von 239 auf 466 ausbauen“, hebt der Geschäftsführer hervor.
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Deutlich leichter sei die Schaffung neuer Wohnheimplätze, wenn das Studierendenwerk Grundstücke oder Gebäude des Landes Hessen in Erbbaurecht erhalte. „Je günstiger ein Grundstück für uns zu haben ist, desto besser ist das am Ende für die Studierenden, weil die Miete für sie bezahlbar bleibt“, erklärt der Geschäftsführer.
Während die Zahl der staatlich geförderten Studienplätze seit 2007 um 52 Prozent gestiegen sei, habe die Zahl der staatlich geförderten Wohnheimplätze nur um sieben Prozent zugenommen. „Ohne staatliche Förderung ist es nicht möglich, ausreichend neue Wohnheimplätze zu schaffen“, so Dabelow.
Hintergrund: Land prüft Anträge von Investoren
Wolfgang Herms, Pressesprecher des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, sagt auf Anfrage:„Wir investieren in Hessen Rekordmittel in preisgünstiges Wohnen, auch von Studierenden.“Das Land gehe aber nicht aktiv auf Investoren zu, vielmehr bewerben sich diese beim Land um Fördermittel. Neben Studierendenwerken können sich private Investoren bewerben. 2015 hat das Land in Fulda 84 Wohnplätze für Studierende gefördert.
„Selbstverständlich sind weitere Förderungen jederzeit möglich, uns liegen dazu bereits Anträge vor, die derzeit geprüft werden“, sagt Herms. Mit demErbbaurecht überlässt das Land Hessen den Studierendenwerken in der Regel Grundstücke kostenlos für die Dauer von 99 Jahren, sucht aktiv nach Grundstücken und Immobilien und ist bereit, diese zu erwerben. Zuletzt hat das Land in diesem Jahr beispielsweise die Alte Post am Hauptbahnhof in Offenbach erworben, wo bis 2027 250 Wohnheimplätze entstehen sollen.
