Immobilien

Wohnungspreise in Frankfurt sinken um fast ein Fünftel - Mieten steigen weiter

+
Große Bauprojekte, wie hier im Schönhofviertel in Bockenheim, sind in Frankfurt seltener geworden. Laut Gutachterausschuss wurden im ersten Halbjahr nur 38 neue Eigentumswohnungen verkauft.
  • schließen

Für Eigentumswohnungen sind in Frankfurt im ersten Halbjahr 2023 deutlich geringere Preise bezahlt worden als zuletzt. Der Rückgang hat nicht nur mit hohen Zinsen und Inflation zu tun.

Frankfurt - Die Preise für Eigentumswohnungen in Frankfurt sind innerhalb von nur einem Jahr um fast ein Fünftel gesunken, bleiben aber dennoch hoch. Nach Zahlen des Gutachterausschusses für Immobilienwerte, der alle Kaufverträge in der Stadt auswertet, flossen im ersten Halbjahr im Schnitt 5670 Euro pro Quadratmeter. Vor einem Jahr waren Wohnungen trotz aller Krisen im Schnitt noch für den Rekordwert von 7020 Euro pro Quadratmeter gekauft worden. Gleichzeitig ging die Zahl der Wohnungsverkäufe stark zurück, von 1061 im ersten Halbjahr 2022 auf nun 680.

Auch Reihenhäuser sind in Frankfurt im ersten Halbjahr zu etwas geringeren Preisen verkauft worden als zuletzt. Der Gutachterausschuss nennt für ein Reihenmittelhaus der Jahrgänge 1919 bis 1949 einen Durchschnittspreis von 425.000 Euro, für ein Haus der Baujahre 1919 bis 1949 von 471.000 Euro. Auch hier gab es aber weniger Transaktionen. Die Durchschnittswerte sind daher nicht so aussagekräftig wie in Jahren mit sehr viel Kaufabschlüssen.

Frankfurt: Investoren warten derzeit lieber ab, wie sich Zins und Preise weiter entwickeln

Dass die Preise für Wohnraum in Frankfurt nach jahrelangem starken Anstieg nun deutlich gesunken sind, hat viele Gründe. Der Gutachterausschuss für Immobilienwerte weist etwa auf den starken Anstieg der Kreditzinsen und die ebenfalls stark gestiegene Inflation hin, die dazu führe, dass sich das für einen Immobilienerwerb verfügbare Einkommen von Privathaushalten erheblich reduziere. Gleichzeitig warten viele Investoren lieber ab, wie sich Zins und Preise weiter entwickeln, statt zu kaufen oder zu bauen.

Der Neubau von Wohnungen in Frankfurt ist regelrecht eingebrochen. Nach Zahlen der Bauaufsicht wurden im vorigen Jahr nur 2951 Wohnungen fertiggestellt, die Zahl der Baugenehmigungen sank ebenfalls. Nun wurden laut Gutachterausschuss im ersten Halbjahr lediglich 38 neue Eigentumswohnungen verkauft, rund 80 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im ersten Halbjahr 2021 waren gar noch 377 Neubauwohnungen veräußert worden. Auch diese geringere Bedeutung des Neubaugeschäfts lässt den Durchschnittspreis deutlich sinken. Denn das mittlere Preisniveau in diesem Segment liegt mit nun 7530 Euro pro Quadratmeter immer noch sehr deutlich über dem Gesamtniveau.

Mieten in Frankfurt steigen weiter - Familien ziehen aus der Stadt heraus

Die Wohnungsmieten in Frankfurt sind nach Zahlen von Maklerhäusern anders als die Preise weiter gestiegen. Das Maklerhaus JLL sah die Angebotsmieten jüngst im Mittel bei 16,20 Euro pro Quadratmeter. Der Gutachterausschuss für Immobilienwerte beobachtet Auswirkungen der hohen Mieten. Gerade für Haushalte mit geringeren Einkommen und größere Familien stelle sich die Frage, wo bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehe. Da Beschäftigte zunehmend die Möglichkeit hätten, im Homeoffice zu arbeiten, nähmen sie teilweise längere Pendeldistanzen als früher in Kauf. Schon jetzt nehme in Frankfurt die Wohnungsgröße pro Haushalt ab. (Christoph Manus)

Kommentare