VonChristoph Manusschließen
Nur 2951 Wohnungen sind 2022 in Frankfurt errichtet worden. Auch die Zahl der Baugenehmigungen ist stark gesunken. Stadtrat Gwechenberger sieht viel Unsicherheit bei Investoren.
Die Baukrise ist immer stärker auch in Frankfurt zu spüren. Lediglich 2951 Wohnungen sind im vergangenen Jahr in Frankfurt entstanden. Das ist der niedrigste Wert seit 2014. Im vergangenen Jahr waren noch 3914, 2020 sogar 4349 Wohnungen hinzugekommen.
Und eine Trendwende ist nicht so schnell zu erwarten. Nach Zahlen, die die Bauaufsicht Frankfurt am Dienstag präsentierte, sind im vergangenen Jahr so wenige Bauanträge wie lange nicht eingegangen. Die beantragte Bausumme ist im Vergleich sehr gering. Auch die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen sank, lag 2022 mit 4583 knapp fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang fiel allerdings zumindest geringer aus als im Landes- und Bundesschnitt.
Trotz Krisen: 9841 Wohnungen sind in Frankfurt in Bau
Der neue Frankfurter Dezernent für Planen und Wohnen, Marcus Gwechenberger (SPD), hält Unsicherheit für den Hauptgrund für die sinkende Bautätigkeit. Viele Bauherren warteten ab, wie sich die Preise für Immobilien und die stark gestiegenen Zinsen entwickelten. Investoren hätten zudem zunehmend Schwierigkeiten, an Kapital zu kommen, beobachtet der Stadtrat. Auch weil Banken inzwischen höhere Eigenkapitalquoten verlangten.
Weiter einbrechen werden die Fertigstellungszahlen aller Voraussicht nach zunächst nicht. Denn der sogenannte Bauüberhang ist auf dem höchsten Wert seit Jahren. 9841 Wohnungen waren 2022 in Bau, können also wohl in absehbarer Zeit bezogen werden. Der Bau von weiteren 3076 Wohnungen ist zwar genehmigt, aber noch nicht begonnen worden. Gwechenberger kündigte an, näher betrachten zu wollen, woran das liege.
Baugeschehen in Frankfurt
Bauprojekte mit einem Volumen von 844 Millionen Euro hat die Frankfurter Bauaufsicht im Jahr 2022 genehmigt. Das ist die zweitniedrigste Bausumme der vergangenen zehn Jahre.
41,1 Prozent fließen in den Wohnungsbau, 16,4 Prozent in Bürogebäude. Rechenzentren liegen mit 11,25 Prozent des Volumens an dritter Stelle. Stark gesunken sind die Investitionen im Bereich Hotel und Gastronomie.
Einen Bauantrag bearbeitete die Bauaufsicht Frankfurt im vergangenen Jahr im Schnitt in 50 Tagen, im Bereich Wohnen war die Bearbeitungsdauer mit
62 Tagen allerdings etwas höher.
Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen verliert etwas an Fahrt. 1112 solcher Umwandlungen wurden im vergangenen Jahr laut Jahresbericht der Bauaufsicht Frankfurt vollzogen, viel weniger als in den Jahren zuvor. Für weitere 2898 Wohnungen stellte sie die für die Umwandlung nötige Abgeschlossenheitsbescheinigung aus. cm
Die Leiterin der Bauaufsicht Frankfurt, Simone Zapke, ging am Dienstag davon aus, dass die Umwandlung von Büro- und Gewerbeflächen in Wohnraum wieder an Bedeutung gewinnen könnte. Im vergangenen Jahr stammten 463 der neuen Wohnungen aus solchen Konversionsprojekten. Im Jahr zuvor waren es aber 872, 2020 1147 gewesen, im Jahr 2018 sogar fast 2000. Viel Wohnraum entstand auf diese Weise etwa in der früheren Bürostadt Niederrad. Nun könne der auch in Folge des zunehmend mobilen Arbeitens steigende Leerstand von Büroflächen dazu führen, dass wieder mehr über Umwandlungen nachgedacht werde, hieß es.
Frankfurt: Stadt will sozialen Wohnungsbau mit besseren Konditionen ankurbeln
Unter den 2951 Wohnungen, die 2022 fertig wurden, sind nur 160 Sozialwohnungen und 91 Wohnungen des zweiten Förderwegs für höhere Einkommen. Für die nächsten Jahre rechnet Gwechenberger mit höheren Zahlen. Derzeit seien um die 5000 Wohnungen in Gebieten in Bau, für die die Quoten des Baulandbeschlusses gälten, sagte der Planungsdezernent. Dennoch denke das Dezernat auch über bessere Förderkonditionen für den sozialen Wohnungsbau nach. Dabei könnten auch zinslose Darlehen eine Rolle spielen.
Die Bauaufsicht Frankfurt arbeitet indes an der Digitalisierung der Abläufe. Spätestens Ende des Jahres werde es möglich sein, digitale Bauanträge zu stellen, versprach Zapke. Auch die Digitalisierung der Akten sei weit fortgeschritten, hieß es.
