VonSabrina Mehlerschließen
Das Goodyear-Werk in Fulda schließt nächstes Jahr. Nun stellt sich die drängende Frage: Was wird aus dem riesigen „Gummi“-Areal? Und kann die Stadt mitbestimmen?
Fulda - Die Nachricht schlug vor ziemlich genau einem Jahr ein wie ein Blitz: Goodyear schließt sein Werk in Fulda zum dritten Quartal 2025. 125 Jahre nach der Gründung der Gummiwerke endet damit eine Ära.
Was wird nach Goodyear-Schließung aus riesigem Gelände in Fulda?
In der Stadtpolitik ist man sich einig darüber, was mit dem Areal passieren soll: Das Gelände, das strategisch günstig nahe dem Bahnhof liegt, soll nicht brachliegen. Am liebsten wäre es den Verantwortlichen, wenn weiterhin Industrie dort ansässig wird.
„Aus Sicht der Stadt sollte auf dem Areal auch künftig eine gewerbliche/industrielle Nutzung stattfinden“, sagt Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) gegenüber unserer Zeitung. Die Fläche sei für den Wirtschaftsstandort Fulda von besonderer Bedeutung. Aktuell laufen Gespräche mit Goodyear, um Klarheit über die künftige Nutzung zu bekommen, bestätigt der OB.
Stephan Ester von der Goodyear-Pressestelle erklärt: „Wir sind entschlossen, die lokalen Behörden aktiv in diesen Prozess einzubeziehen und mit der Stadt zusammenzuarbeiten, um das beste Ergebnis für alle Beteiligten zu erzielen.“ Allzu eilig hat es das Unternehmen aber offenbar nicht, das Areal zu veräußern. Die Produktion werde zum Ende des dritten Quartals 2025 eingestellt, aber erst „zu einem späteren Zeitpunkt“ würden die Optionen für Gebäude und Werksgelände besprochen, erklärt Ester.
Stadt wünscht sich Industrie - SPD schlägt Wohnungen vor
In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses war das Gelände des Reifenherstellers ebenfalls Thema eines Haushaltsantrags der SPD/Volt-Fraktion. Dr. Thomas Bobke regte an, sich Gedanken über eine Veränderungssperre oder ein Vorkaufsrecht zu machen, damit die Stadt die weitere Entwicklung bestimmen kann. „Das ist eine Filetfläche, mit der wir sorgsam umgehen müssen.“ Neben industrieller Nutzung könne auch ein Teil zum Wohnen genutzt werden, regte er an. Zustimmung erhielt er von Ernst Sporer (Grüne): „Wir sollten schnell und rechtzeitig als Stadt Planungshoheit gewinnen.“
Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) erklärte, dass eine Veränderungssperre nicht nötig sei, da es einen gültigen Bebauungsplan gebe. Auch er unterstrich, dass sich die Stadt weiterhin einen Betrieb auf dem Grundstück wünsche: „Wir brauchen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.“ Markus Günther (CDU) war der Meinung, dass man sich jetzt noch keine Gedanken machen könne: „Die Fläche gehört uns nicht, daher können wir jetzt noch nichts bestimmen.“
Rheinmetall dementiert Gerücht - Deutsche Bahn lässt Raum für Spekulationen
Gerüchte, wer das Grundstück von Goodyear erwerben könnte, machen in der Barockstadt immer wieder mal die Runde. Zwischenzeitlich hieß es, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall Interesse habe. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher, dass das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf aktuell keine Expansionspläne in Fulda verfolge. Auch die Deutsche Bahn war als Investor zwischenzeitlich im Gespräch; immerhin liegt das DB-Werk in unmittelbarer Nachbarschaft. Das Unternehmen ließ dieses Gerücht unkommentiert.
Die Frage ist indes nicht nur, was mit dem Areal, sondern auch mit den Gebäuden künftig geschieht. Aktuell steht keines der Gebäude unter Denkmalschutz. Allerdings läuft derzeit ein Prüfverfahren beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege. Besonders im Fokus stehen das Verwaltungsgebäude, das 1954/55 von dem renommierten Architekten Paul Stohrer entworfen wurde, sowie das Heizhaus. Sollten diese Gebäude unter Schutz gestellt werden, könnte dies die Pläne zur Nachnutzung beeinflussen, glaubt die Stadt.
