VonJessica Baierschließen
Noch nie war es Anfang April in Osthessen so warm wie in diesem Jahr. Das anhaltend milde Wetter wirkt sich auf die Arbeit von Landwirten und Obstbauern aus. Die großen Gefahren heißen: Frost und Trockenheit.
Fulda - Die Temperaturen vom vergangenen Wochenende brechen Rekorde. Das erklärt Meteorologe Oliver Reuter aus Eiterfeld-Arzell. Mit 27,2 Grad in Arzell wurde am Samstag, 7. April, der höchste Wert in der ersten Aprildekade – das heißt in den ersten zehn Apriltagen – seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Osthessen gemessen.
„Gleichzeitig war der 7. April der früheste Sommertag, der je in Osthessen verzeichnet wurde, denn bislang hatte nach meinen Recherchen der 13. April 2007 diesen Rekord inne“, schildert der Wetter-Experte. Auch, dass es sogar auf der Wasserkuppe für deutlich über 20 Grad gereicht hat, sei für Anfang April sehr ungewöhnlich.
Rekord-Frühling: Noch nie war das Wetter in Osthessen Anfang April so warm
Auch wenn es in der Vergangenheit immer mal wieder sommerliche Temperaturen im April gab, könne man die Wetterlage als außergewöhnlich bezeichnen. Das gilt übrigens nicht nur für Osthessen, sondern für ganz Deutschland, in Baden-Württemberg wurde am 6. April sogar der erste und früheste Hitzetag der Geschichte gemessen. 30,1 Grad wurden in Ohlsbach in Baden-Württemberg gemessen.
Das passt nach Einschätzung von Meteorologe Oliver Reuter in das milde bis sehr milde Muster der vergangenen Monate, nachdem der Winter bereits über weite Strecken ausgefallen ist. „Meiner Meinung nach ist das alles Klimawandel zum Anfassen, da die warmen Temperatur-Ausreißer keine Seltenheit mehr sind.“
Natur erwacht zwei Wochen zu früh: Landwirte sorgen sich wegen Frost-Gefahr
„Die Natur ist zwei Wochen früher dran als üblich. Der Raps blüht, Apfel- und Kirschbäume stehen in voller Blüte – eigentlich ist das eine schöne Sache“, sagt Thomas Schneider, Sprecher des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld. Eigentlich. Er äußert sich einschränkend, da das so früh so warme Wetter auch Risiken birgt, vor allem für die Obstbauern. „Wenn jetzt noch mal Frost kommt, dann kann das den Blüten an den Bäumen enorm schaden“, erklärt er. Dann würde die Ernte in diesem Bereich erheblich einbrechen.
Das Grünland profitiert: „Die Bedingungen sind derzeit optimal. Die ersten Blumen blühen und das Gras wächst.“ Wenn es so bleibt, dann werden die Bauern für Silage als Tierfutter bereits zwei Wochen früher als üblich den sogenannten ersten Schnitt machen können. Das heißt: Mitte/Ende Mai wird in den tieferen Lagen das erste Mal gemäht , so Schneider. In den Höhenlagen wie in der Rhön müsse man eine Woche draufrechnen.
Wenn jetzt noch mal Frost kommt, dann kann das den Blüten an den Bäumen enorm schaden
Geradezu ideal sieht es auch im Ackerbau aus. Zwei Wochen früher als üblich wird aktuell die Mais-Aussaat vorbereitet. „Der Boden ist durch den niederschlagsreichen Winter und die milden Temperaturen warm und gut durchfeuchtet“, erläutert Verbandssprecher Schneider. Die Spargel-Bauern in Hessen haben Ende März bereits mit der Ernte begonnen - ebenfalls ungewöhnlich früh.
Auch hier gibt es allerdings ein Aber. „Der gute Start ist nicht unbedingt eine Garantie für eine gute Ernte.“ Der Mais wird in den nächsten 14 Tagen ausgesät. Frost halte dieser ganz gut aus. Aber Trockenheit ist ein großes Risiko. Die Saat kann bei „normalem, regelmäßigem Landregen optimal keimen“, so Schneider. Fazit: „Jetzt hängt wieder alles vom Regen ab.“
Video: Wetter-Update - Schönster Tag der Woche mit Schönheitsfehlern
Zum Wochenende werden die Aussichten erst mal wieder sonnig, es bleibt aber beim April-typischen Auf und Ab. Hochdruckgebiet „Peter“ beschert erst einmal ruhiges und schönes Wetter. Am Freitag wird es bis 21 Grad warm, am Samstag sogar bis 23 Grad. Das Ganze bei einem Sonne-Wolken-Mix. „Der Samstag wird der wärmste Tag, wobei wir die 25-Grad-Marke dieses Mal eher nicht knacken werden“, erklärt Meteorologe Oliver Reuter.
Sonntag wird es bereits kühler, maximal 18 Grad sind vorhergesagt. Ab Montag bahnt sich ein Wetterumschwung an. Eine Kaltfront beschert uns nur noch bis zu 14 Grad, am Dienstag nur maximal 11 Grad bei Regen- und Graupelschauern. In der Rhön ist Nachtfrost möglich, auf der Wasserkuppe sogar einzelne Schneeflocken.
