Bis zu 200 Liter Regen

„Kann sehr böse werden“: Wetter-Experte warnt vor Starkregen und schwerem Hochwasser

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Ab Freitag droht extremes Unwetter in Teilen Deutschlands, auch in Hessen. Laut Prognosen könnten in wenigen Stunden 100 bis 230 Liter Regen vom Himmel kommen. Ein „historisches Hochwasser“ ist möglich, warnt Wetter-Experte Dominik Jung.

Fulda - Bereits am Mittwoch gab der Deutsche Wetterdienst eine Vorabinformation vor „heftigem/ergiebigem Regen“ heraus. Sie gilt von Freitag, 12 Uhr, bis Sonntag, 15 Uhr, und betrifft vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Aber auch den östliche Rand von Hessen - darunter der Landkreis Fulda und der Main-Kinzig-Kreis - sind in dem Bereich.

Starkregen erwartet: Wetter-Experte warnt vor historischem Hochwasser

Im Fall eines drohenden Unwetters wird der Wetterdienst amtliche Warnungen für die entsprechenden Gebiete herausgeben. Sollten diese auch Osthessen betreffen, werden Sie, liebe Leser, auf unserer Webseite davon erfahren.

„Seit Tagen beobachten wir die möglichen Regenfälle am Freitag, Samstag und Sonntag. Die Prognosen gehen dabei von extrem hohen Mengen aus. In der Fläche teilweise 100 bis 150 Liter, in der Spitze bis 200 Liter. Ein Wettermodell rechnet sogar mit bis zu 230 Liter“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net am Mittwoch (29. Mai).

Im Fokus liegen demnach Sachsen, Bayern, Thüringen, Baden-Württemberg aber möglichweise auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Am Freitagvormittag soll „eine extrem heftige Starkregenwetterlage“ einsetzen. Der Schwerpunkt liegt laut Dominik Jung im Südosten des Landes, besonders in Sachsen und in Nordbayern.

In den Wettermodellen spitzte sich die Lage am Mittwoch nochmal extrem zu, sagt der Wetter-Experte. „Das könnte der fatale Höhepunkt einer unwetterträchtigen Großwetterlage werden, die uns nun schon seit einigen Wochen begleitet. Das sind Regenmengen, die im Rahmen der Ahrtalflut aufgetreten sind, allerdings dieses Mal noch deutlich flächendeckender und noch etwas intensiver.“

An Main, Donau und Elbe sowie an deren Nebenflüssen könnte es nach Einschätzung von Dominik Jung zu „einem massiven Hochwasser“ kommen. Die Starkregenfälle werden von einem Unwettertief ausgelöst, einer sogenannten Vb-Wetterlage. Aus dem Golf von Genua werden demnach feuchte Luftmassen nach Deutschland gepumpt.

Hintergrund: Vb-Wetterlage

Eine Vb-Wetterlage (gesprochen: „Fünf-B-Wetterlage“, V = römisch 5) ist gekennzeichnet durch die Zugbahn eines Tiefdruckgebietes von Italien über die Poebene oder Nordadria hinweg nordostwärts. Sommerliche Vb-Wetterlagen waren für viele große Hochwasserlagen, wie zum Beispiel das Jahrhunderthochwasser im August 2002 an der Elbe oder das Oderhochwasser im August 1997 verantwortlich. Solche verheerenden Auswirkungen haben nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber nur wenige Vb-Wetterlagen.

Die feuchten Luftmassen, die nach Deutschland kommen, können 36 bis 48 Stunden lang massiven und anhaltenden Starkregen bringen. „Das Erdreich ist vielfach schon sehr nass und kann kaum noch Regen aufnehmen. Das wäre der absolute Todestoß für die vollen Böden“, schlussfolget Meteorologe Jung.

„Sollten die angekündigten Regenmengen so eintreten, steht etlichen Regionen ein großes, vielleicht sogar historisches Hochwasser bevor. Auf alle Fälle sollten ab sofort die Wetter- und Unwetterwarnungen gut im Blick behalten werden.“ Unter Umständen sollten Flussanlieger in den betroffenen Regionen erste Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Es ist ein großes Potenzial für ein historisches Hochwasser vorhanden.

 Dominik Jung, Diplom-Meteorologe

„Das kann wirklich sehr böse werden“, mahnt Jung. Die exakte Lage des Starkregens sei allerdings nach wie vor nicht exakt klar, kann noch variieren. „Es ist allerdings ein großes Potenzial für ein historisches Hochwasser vorhanden“, meint der Geschäftsführer des Wetterdienstes Q-met. Nach den extremste aller Berechnungen - anhand des kanadisches Wettermodells - fallen knapp über 210 Liter in der Spitze im Süden in 36 Stunden.

Eine Radfahrerin und ein Auto fahren im Schritttempo durch die überflutete Straße. Im Süden und Osten Deutschlands werden enorme Regenmengen erwartet. Auch in Hessen kann es extrem nass werden. (Symbolbild)

Nach dem französischen Wettermodell wird etwas weniger Regen erwartet. Dafür wird hier der Starkregen deutlich weiter im Westen erwartet. „Damit wäre auch Hessen mit 145 Litern voll drin, und das würde auch dort Land unter bedeuten. Bayern hatte dagegen deutlich weniger Niederschlag.“

Wetterdienst warnt vor heftigen Regenfällen am Wochenende

Auch nach dem neusten Modelllauf des Deutschen Wettermodells ICON sind die Regensummen im Südosten laut Dominik Jung extrem. „Wir sehen in der Spitze bis zu 160 Liter und recht flächig immer wieder 100 Liter und mehr. Das alles soll binnen 36 Stunden vom Himmel kommen. Das sieht nicht gut aus.“

In jedem Fall lässt sich sagen: Nass bleibt das Wetter bis in den Juni hinein. „Schlechter könnte ein Sommerstart kaum verlaufen“, nimmt der Meteorologe Bezug auf den meteorologischen Sommeranfang am Samstag (1. Juni).

Nach dem französischen Wettermodell betrifft der Starkregen ab Freitag auch Hessen voll.

„Ein Ende dieser nassen Großwetterlage ist nicht in Sicht. Wir klemmen seit Wochen zwischen einem Hoch über Osteuropa und einem Hoch auf dem Atlantik fest. Mittendrin treiben immer wieder Gewitter- und Unwettertiefs ihr Unwesen“, erklärt Wetterexperte Dominik Jung abschließend.

Rubriklistenbild: © Georg Moritz/dpa

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