Bis zu 145 Liter möglich

Unwetter über Hessen: Matsch-Parken auf dem Hessentag – Brücke in Fritzlar überspült

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    Fabian Raddatz
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Das Wetter über Hessen verdunkelt sich: Statt Sonnenschein drohen Starkregen und Hochwasser. Ein Experte warnt vor historischen Ausmaßen.

Update vom Freitag, 31. Mai, 11 Uhr: In Fritzlar haben die Wassermassen eine Potonbrücke überspült. Aufgrund der Regenfälle und der Entleerung des Edersees führte der Fluss Eder bereits am Donnerstagabend, 30. Mai, deutlich mehr Wasser als normal. Weil die Behelfsbrücke sogar drohte, weggespült zu werden, wurde sie für Besucher gesperrt.

Auch am Freitag sicherten Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) das Bauwerk, befreiten es von Treibgut. Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen, die Brücke nicht mehr freizugeben. Sie wird nun abgebaut.

Besucher müssen nun alternativ die Spickebrücke oder einen der Shuttlebusse nutzen. In der Domstadt finden derzeit Feierlichkeiten zum Hessentag statt, der noch bis zum 2. Juni geht.

Für Nordhessen gilt eine Hochwasser-Warnung.

Unwetter über Hessen: Matsch-Parken auf dem Hessentag

+++ 20.20 Uhr: Hessens großes Landesfest in Fritzlar hat am Feiertag Fronleichnam unter Regen gelitten. „Der macht schon etwas kaputt“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Bei als Parkflächen ausgewiesenen Wiesen habe es Probleme mit Pfützen gegeben, doch beispielsweise mit einer Verlegung von durchnässten Zufahrten sei die Situation verbessert worden.

Mit schätzungsweise mehreren zehntausend Besucherinnen und Besuchern habe es beim Hessentag im Norden des Landes am Feiertag gleichwohl mehr Andrang als an den Werktagen zuvor gegeben. 

Derweil gelten aktuell keine Unwetter-Warnungen für Nordhessen, insbesondere im Süden des Bundeslandes und in der Mitte warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) jedoch vor starken Gewittern. Auch für Samstag ist inbesondere in Richtung Abendstunden mit ausgiebigen Regenfällen in Teilen Hessens zu rechnen.

Unwetter über Hessen: DWD mit neuen Warnungen – „Flutbingo ist angesagt“

Update vom Donnerstag, 30. Mai, 16.57 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat Warnungen vor starken Gewittern in Hessen herausgegeben. Demnach wird im kompletten südlichen Teil des Landes über das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt bis hinauf nach Mittelhessen vor Blitzschlag, umstürzenden Bäume, Aquaplaning und Hagelschlag gewarnt. Bis 17.30 Uhr sei demnach mit Unwettern zu rechnen. In Kassel und Nordhessen dürfte es zunächst ruhig bleiben.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net hatte zuvor erklärt: „Flutbingo ist angesagt.“ Hintergrund: Wo genau das Unwettertief zuschlagen wird, sei zunächst noch nicht klar.

Es wird nass in Hessen. In Teilen Deutschlands muss auch mit Überschwemmungen gerechnet werden. (Symbolbild)

Nach aktuellen Prognosen könnten Regenmengen von 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter oder gebietsweise sogar 100 bis 120 Liter pro Quadratmeter auch in Hessen für Überflutungen sorgen, wohl aber eher im Rhein-Main-Gebeit und Südhessen. „Dort wo es schon sehr nass ist, kommt nochmal richtig viel Regen obendrauf, das macht die Lage sehr brisant“, warnt Jung.

Unwetter in Hessen: Experte warnt vor historischem Hochwasser in Deutschland

Erstmeldung vom Mittwoch, 29. Mai, 10.45 Uhr: Der Sommeranfang könnte kaum ungemütlicher sein. In Deutschland ist von sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein derzeit wenig zu sehen. Stattdessen präsentiert sich das Wetter launisch und wechselhaft. Und es scheint, als ob es noch schlimmer werden könnte, bevor eine Besserung eintritt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert in seiner aktuellen Wettervorhersage vom Mittwoch, 29. Mai, für die kommenden Tage Gewitter und starken Regen.

Das französische Wettermodell (oben rechts) rechnet mit Wassermengen von bis zu 145 Litern für Hessen. Andere Modelle gehen von wenige aus.

Auch der Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net bestätigt diese Vorhersage: „Seit Tagen beobachten wir die möglichen Regenfälle am Freitag, Samstag und Sonntag. Die Prognosen gehen dabei von extrem hohen Mengen aus. In der Spitze bis 200 Liter.“ Besonders betroffen könnten Sachsen, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg sein, „aber möglicherweise auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Brandenburg“, so Jung.

Unwetterwarnung: Experte warnt vor historischem Hochwasser in Deutschland

Ab Freitag könnte die Wetterlage mit starkem Regen einsetzen, wobei der Schwerpunkt im Südosten, in Sachsen und Nordbayern, liegen könnte. Jung warnt eindringlich: „Das sind Regenmengen, die im Rahmen der Ahrtalflut aufgetreten sind, allerdings dieses Mal noch deutlich flächendeckender und noch etwas intensiver.“

Es besteht die Gefahr, dass es an Main, Donau und Elbe sowie an den Nebenflüssen zu massiven Hochwassern kommen könnte. „Aber auch die Bäche und Flüsse drumherum wären betroffen“, warnt Jung. Der Boden sei bereits jetzt schon sehr nass und könne kaum noch Regen aufnehmen. „Sollten die angekündigten Regenmengen so eintreten, steht etlichen Regionen ein großes, vielleicht sogar historisches Hochwasser bevor.“ Im schlimmsten Fall könnten in Hessen bis zu 145 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.

Obwohl die genaue Lage des Starkregens noch unklar ist, rät Jung dringend dazu, „sollte man ab sofort die Wetter- und Unwetterwarnungen gut im Blick behalten“.

Wetter in Hessen: Gewitter und Starkregen bereits ab Mittwochabend möglich

Auch der DWD warnt vor Gewittern und Starkregen in Hessen. Die ersten Unwetter könnten bereits am Mittwochabend auftreten und sich bis in die Nacht zum Donnerstag hinziehen. Dabei könnten auch stürmische Böen von bis zu 65 km/h und Starkregen von 15 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde nicht ausgeschlossen werden.

Für den Donnerstag prognostiziert der DWD viele Wolken und im Laufe des Tages Schauer und Gewitter, teilweise mit Starkregen. Die Temperaturen bleiben bei 17 bis 20 Grad, in höheren Lagen bei etwa 15 Grad. In der Nacht zum Freitag bleibt es wolkig mit weiteren Schauern, vereinzelt sind auch noch kurze Gewitter möglich. Die Temperaturen sinken auf 10 bis 7 Grad.

Der Freitag präsentiert sich ebenfalls wechselhaft. Neben Regen und Schauern sind auch Gewitter und Starkregen möglich. Die Temperaturen liegen zwischen 17 und 20 Grad, in den Mittelgebirgen bei etwa 15 Grad. Am Samstag bleibt es wechselnd bis stark bewölkt und gebietsweise kann es noch Schauer oder schauerartigen Regen geben.

Unwetter-Gefahr in Hessen: Ende laut Experte nicht in Sicht

„Schlechter könnte ein Sommerstart kaum verlaufen“, meint Wetter-Experte Jung. Ein Ende dieser nassen Großwetterlage ist nicht abzusehen. „Wir klemmen seit Wochen zwischen einem Hoch über Osteuropa und einem Hoch auf dem Atlantik fest. Mittendrin treiben immer wieder Gewitter- und Unwettertiefs ihr Unwesen.“ Diese bewegen sich kaum und sorgen deshalb immer wieder über Mitteleuropa für schwere Unwetter – „und das oft genug genau über Deutschland“, so Jung.

Wann sich die Wetterlage ändert und wir vielleicht ein stabiles Frühsommerhoch mit sonnigem und trockenem Wetter erleben können, lässt sich derzeit nicht vorhersagen.

Rubriklistenbild: © Martin Gerten/dpa

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