VonEden Sophie Rimbachschließen
Seit Anfang 2023 hat das Haus Schwalbenthal am Hohen Meißner neue Besitzer. Zum Tag des offenen Denkmals öffnen sie Terrasse und Erdgeschoss für Besucher.
Hoher Meißner – Von Holzbalken wird das ehemalige Gasthaus Schwalbenthal abgestützt. Hinter dem für eine Schadenskartierung abgeklopften Putz sind die Schäden sichtbar, die dabei Ende 2023 zum Vorschein kamen. Auf der anderen Straßenseite ist dort, wo noch im Frühjahr nichts als Bäume und Gestrüpp hinter einer Mauer prangten, die Terrasse wieder zum Vorschein gekommen, die einen herrlichen Blick in die Ferne bietet. Viel Arbeit haben Nanosch Beckmann und Jens Herrmann seit dem Kauf Anfang 2023 (wir berichteten) in das Haus Schwalbenthal und das Grundstück gesteckt. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag (8. September) wird beides ab 14 Uhr seine Türen öffnen. Denn – entgegen dem häufigen Glauben – nur der Küchenanbau am hinteren Teil ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden. Das Erdgeschoss und die Terrasse sollen am Sonntag für Interessierte zugänglich sein.
Nanosch Beckmann und Jens Herrmann erleben: „Die Leute sind wahnsinnig neugierig.“ Sie leben im Haus Schwalbenthal, werden oft auf dessen Zukunft angesprochen. „Es gab schon Menschen, die davor standen und gesagt haben: ,Hier habe ich mal gewohnt“, so Nanosch Beckmann. Eine frühere Bewohnerin soll am Sonntag von ihrer Kindheit im Haus Schwalbenthal erzählen, zwei Heimathistoriker werden zusätzliche Informationen geben. Anfang der 1950er-Jahre lebte die Frau mit ihrer Familie im Dachgeschoss des damaligen Gasthauses. Die Familie war aus ihrer Heimat vertrieben worden. Unter dem Dach wurden Holzwände eingezogen, die mit Zeitungen tapeziert wurden, so Nanosch Beckmann und Jens Herrmann über die Geschichte des Hauses.
Wie es dort 1901 aussah, zeigt ein Bild im Historienzimmer, das als „Knappenstube“ bekannt wurde. Sechs Jahre später veränderte ein Erdrutsch alles. Die Gebäude der damaligen Bergarbeitersiedlung trugen starke Schäden davon. Das ursprüngliche Gasthaus, das an der Stelle des Keudell-Brunnens stand, musste mitsamt fast allen weiteren Gebäuden der Siedlung abgerissen werden. Nur das ehemalige Bergamt blieb erhalten, wurde mit der Terrasse des alten Gasthauses zu dessen Nachfolger. Zu sehen ist ein Teil dieser Geschichte am Sonntag im Historienzimmer. Dafür haben Nanosch Beckmann und Jens Herrmann eine alte Ausstellung aufgearbeitet und erweitert. Mit Blick durch das Zimmer sagt Jens Herrmann: „Viele Leute können sich auch an den alten Ofen hier erinnern.“ Der ist dunkelblau gefliest und vermutlich ebenso wie die ursprünglich dunkle Holzvertäfelung des Raums in den 1920er-Jahren entstanden.
Die Besitzer wissen, dass das Haus voller Geschichte und für viele Menschen auch voller Erinnerungen steckt. Jens Herrmann sagt: „Wir sehen es auch eher als einen Ort für die Region.“ Ein sozialer und kultureller Ort solle das Haus in der Region werden, die für beide eine „lebhafte Projektlandschaft“ ist. Nanosch Beckmann kommt aus der Sozialpädagogik, Jens Herrmann ist in er politischen Bildung tätig. Der Bedarf an Orten, an denen sich Menschen begegnen können, sei groß. Das Haus könne auch ein Ort für Seminare, Bildung und Bewegung werden. Kommerziell als Gastronomie soll es nicht mehr genutzt werden.
Bevor die Visionen konkret umgesetzt werden können, brauche es eine Lösung bezüglich des Hangrutsches, der das Haus gefährdet. Nach vielen Schwierigkeiten bezüglich einer geplanten Hangsicherung von Hessen Mobil gab es im Juni ein Gespräch mit dem Verkehrsministerium, Hessen Mobil und dem zuständigen Ingenieur. Nun wird eine neue Variante für den Hangschutz geprüft. Die Hoffnung der Besitzer ist, dass es im Frühjahr eine einvernehmliche Lösung gibt. Erst mit dieser Sicherheit kann es weitergehen. Mit derzeit sieben Mitgliedern gründet sich gerade ein Schwalbenthal-Verein. Gemeinsam mit sieben weiteren Ehrenamtlichen sorgt er für das Programm am Sonntag, bietet Snacks und Getränke aus der Jausenstation auf der Terrasse an und möchte auf die Pläne aufmerksam machen und Spenden für die Umsetzung sammeln.
Dankbar sind Nanosch Beckmann und Jens Herrmann für die Hilfe, die sie von vielen Seiten – vor allem handwerklich von Michael Jähnert aus Hausen und Wolf von Bültzingslöwen – erhalten haben. Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Meißner und dem Denkmalschutz loben sie. Mit Blick auf das große Gebäude sagt Jens Herrmann mit Faszination: „Solche Orte gibt es auch nicht wie Sand am Meer in Deutschland.“ (Eden Sophie Rimbach)
Weitere Informationen zu Veranstaltungen und Änderungen aufgrund der Wetterlage gibt es unter schwalbenthal.org
Hoher Meißner: Ein Blick ins Haus Schwalbenthal





