Kassel

Im Trecker unterwegs für mehr Respekt: Landwirt Moritz Kramm war beim Bauernprotest in Kassel dabei

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Ein Blick in die Kabine des Traktors von Moritz Kramm: Die Kolonne von Hofgeismar fährt bei strahlendem Sonnenschein und eisigen Temperaturen in Richtung Kassel.
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Die Bauern demonstrieren. In einer Sternfahrt sind sie aus umliegenden Kommunen nach Kassel gefahren. Wir haben Landwirt Moritz Kramm aus Grebenstein dabei begleitet.

Grebenstein/Kassel – Die Sonne geht langsam auf über dem Hof von Jörg und Moritz Kramm in Grebenstein. Um acht Uhr färbt sich der Horizont rosarot und orangefarben, dazu sind Wiesen und Felder zart von weißem Reif bedeckt – ein Januarmorgen wie im Bilderbuch.

Vater und Sohn sind für den Tag bestens vorbereitet: Jacke, Mütze, Schal und – das Wichtigste – Thermoskannen voll heißem Kaffee. Denn dieser Wintertag wird lang. Jörg Kramm fährt gleich mit dem Auto nach Kassel, um dort vor dem Regierungspräsidium für die Kundgebung des Kreisbauernverbands am späten Vormittag alles vorzubereiten.

Treffpunkt am Morgen bei Hofgeismar: Landwirt Moritz Kramm aus Grebenstein stellt sich mit seinem Traktor in die Fahrzeug-Schlange.

„Arbeit als Landwirt ist abwechslungsreich und fordernd – im guten und im schlechten Sinn“

Moritz Kramm tuckert derweil mit dem Traktor zu den Kelzer Teichen und trifft sich dort mit weiteren Landwirten aus der Region. Er nimmt an der Sternfahrt nach Kassel anlässlich der bundesweiten Protestwoche teil. Moritz Kramm ist erst 24 Jahre alt. Für ihn steht jedoch schon lange fest: Er wird den Hof seines Vaters irgendwann einmal übernehmen – und diesen somit in vierter Generation der Familie führen.

„Ich habe Spaß an meinem Job. Ich sitze zwar nicht, seit ich fünf Jahre alt war, auf dem Traktor, aber die Arbeit als Landwirt ist abwechslungsreich und fordernd – im guten und im schlechten Sinn“, sagt der Grebensteiner, der nach dem Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar die Ausbildung zum Landwirt absolviert und im Anschluss Landwirtschaft in Osnabrück studiert hat. Die Bachelorarbeit fehlt noch, aktuell arbeitet Moritz Kramm Vollzeit auf dem Hof der Familie.

Blinkende Traktoren aus allen Richtungen

Von dort sind die Kelzer Teiche nur wenige Fahrminuten mit dem Traktor entfernt. Am Treffpunkt stehen bereits einige weitere Trecker sowie Fahrzeuge von Fleischern und anderen Handwerkern, die sich ebenfalls am Streik beteiligen. Trotz der klirrenden Kälte ist die Stimmung unter den Teilnehmenden angeregt. Ein Koordinator gibt vor Ort bekannt: „Um neun Uhr geht es los Richtung Kassel. Wir lassen keine Lücken zwischen den Fahrzeugen und blockieren nur eine Spur.“

In wenigen Minuten steigt die Anzahl teilnehmender Fahrzeuge auf knapp 190. Aus allen Richtungen kommen blinkende Traktoren, die sich in mehreren Reihen aufstellen und auf das Signal des Organisationsteams warten. Insgesamt werden 900 Fahrzeuge aus verschiedenen Richtungen nach Kassel unterwegs sein, teilt die Polizei später mit.

Eindrücke von der Bauern-Demo mit Sternfahrt nach Kassel und vom Lokführerstreik

Der Steinweg ist wieder frei. Nur noch vereinzelt fahren Traktoren aus der Innenstadt
Der Steinweg ist wieder frei. Nur noch vereinzelt fahren Traktoren aus der Innenstadt. Die Sperrungen sind aufgehoben. © Clara Pinto
Vorm RP ist nichts mehr von der Demo zu sehen
Vorm RP ist um 14 Uhr nichts mehr von der Demo zu sehen. © Clara Pinto
Laut Polizei läuft die Ausfahrt sehr gesittet ab
Laut Polizei läuft die Ausfahrt sehr gesittet ab.  © Daria Neu
Es dürfen alle nach Hause fahren, wie sie wollen, allerdings wird es vor allem für große Trecker schwierig sein auszurangieren so wie hier zu sehen ist
Es dürfen alle nach Hause fahren, wie sie wollen, allerdings wird es vor allem für große Trecker schwierig sein auszurangieren so wie hier zu sehen ist. © Daria Neu
Am RP-Eingang gibt es Stärkung.
Am RP-Eingang gibt es Stärkung. © Clara Pinto
Plakat während der Demo
Plakat während der Demo. © Clara Pinto
Traktoren und kein Ende am Weinberg
Traktoren und kein Ende am Weinberg. © Florian Hagemann
Kommen mit der Bahn nach Hause: Silke Ullrich, Anja Neutze und Katrin Lötzerich aus Fürstenwald.
Kommen jetzt mit der Bahn nach Hause: Silke Ullrich, Anja Neutze und Katrin Lötzerich aus Fürstenwald. © Clara Pinto
SPD-Politiker Timon Gremmels stellt sich der Diskussion
SPD-Politiker Timon Gremmels stellt sich der Diskussion. © Daria Neu
Blick aus dem RP-Gebäude
Blick auf dem RP-Gebäude. © Andreas Fischer
Landwirte mit ihrer Forderung
Landwirte mit ihrer Forderung. © Clara Pinto
Immer mehr Landwirte treffen am RP ein
Immer mehr Landwirte treffen am RP ein. © Larissa Blum
Nicole Kraft und Ilona Anselm aus Kassel unterstützen die Proteste.
Nicole Kraft und Ilona Anselm aus Kassel unterstützen die Proteste. „Wir wollen regionales Fleisch“ © Daria Neu
Auch Tiere sind in Kassel mit dabei
Auch Tiere sind in Kassel mit dabei. © Florian Hagemann
Mini-Traktor am Festplatz in Vellmar
Noch ein bisschen zu klein für die große Demo heute in Kassel ist dieser Mini-Traktor. Das Holzmodell hält am Festplatz in Vellmar die Stellung und wünscht sich „Zukunft für Bauern“. © Sebastian Schaffner
Plakat auf dem Steinweg
Plakat auf dem Steinweg. © Ulrike Pflüger-Scherb
Die Landwirte aus Istha fahren den Weinberg hoch
Die Landwirte aus Istha fahren den Weinberg hoch. © Daria Neu
Parkplatz am Entenanger
Parkplatz am Entenanger: Der Anblick der vielen freien Plätze ist selten. Das fällt auch den Mitarbeiter von den umliegenden Läden auf. © Clara Pinto
Die Polizei sorgt dafür, dass trotz Protesten hin und wieder auch Autos sowie Busse und Bahnen die Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Weserstraße passieren können
Die Polizei sorgt dafür, dass trotz Protesten hin und wieder auch Autos sowie Busse und Bahnen die Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Weserstraße passieren können. © Meike Lorenz
Ein Demonstrant vertrittdie Ansicht, dass die Ampel das Land an den Galgen hängt.
Ein Demonstrant vertrittdie Ansicht, dass die Ampel das Land an den Galgen hängt. © Ulrike Pflüger-Scherb
Die Stadt ist fast menschenleer
Die Stadt ist fast menschenleer. © Clara Pinto
Ulrike John aus Lohfelden unterstützt die Aktion
Ulrike John aus Lohfelden unterstützt die Aktion. © Anna Weyh
Die Kolonne auf dem Steinweg
Die Kolonne auf dem Steinweg. © Anna Weyh
Landwirt Markus Müller aus Calden setzt ein Zeichen gegen rechte Gruppierungen
Landwirt Markus Müller aus Calden setzt ein Zeichen gegen rechte Gruppierungen, die die Bauern-Demos für ihre Zwecke missbrauchen. © Ulrike Pflüger-Scherb
Traktoren vor der Abfahrt
Traktoren vor der Abfahrt. © Daria Neu
Jetzt ist auch der Konvoi aus Istha in Kassel angekommen
Jetzt ist auch der Konvoi aus Istha in Kassel angekommen. © Daria Neu
Traktoren auf Höhe des Naturkundemuseums
Traktoren auf Höhe des Naturkundemuseums. © Clara Pinto
Es strömen unaufhörlich weitere Traktoren über die Dennhäuser Straße nach Kassel
Es strömen unaufhörlich weitere Traktoren über die Dennhäuser Straße nach Kassel. Überall stehen Schaulustige auf dem Bürgersteig und an den Fenstern ihrer Wohnungen. © Eike Rustemeyer
Antonio Diaz von der Polizei ist schon bereit. In wenigen Minuten treffen die Bauern an der Druseltalstraße ein
Antonio Diaz von der Polizei ist schon bereit. In wenigen Minuten treffen die Bauern an der Druseltalstraße ein. „Die Landwirte fahren durchschnittlich 12 bis 15 km/h, daher dauert es so lange.“ © Daria Neu
Auch der zehnjährige Raffael May aus Niederzwehren beteiligt sich an der Demo
Auch der zehnjährige Raffael May aus Niederzwehren beteiligt sich an der Demo. Seine Eltern haben zwar keine Landwirtschaft, aber er möchte später mal Bauer werden. © Ulrike Pflüger-Scherb
Während ein Landwirt Deutschland am Galgen wähnt, bemüht sich ein anderer um Abgrenzung nach Rechts
Während ein Landwirt Deutschland am Galgen wähnt, bemüht sich ein anderer um Abgrenzung nach Rechts. © Eike Rustemeyer
Diese Autos werden vermutlich eine ganze Zeit lang am Platz der Deutschen Einheit warten müssen. Die ersten Traktoren aus Kaufungen-Papierfabrik haben eben erst den Platz der Deutschen Einheit hinter sich gelassen.
Diese Autos werden vermutlich eine ganze Zeit lang am Platz der Deutschen Einheit warten müssen. Die ersten Traktoren aus Kaufungen-Papierfabrik haben eben erst den Platz der Deutschen Einheit hinter sich gelassen. Insgesamt fahren derzeit etwa 200 Traktoren aus der Richtung in die Innenstadt ein. © Meike Lorenz
Traktoren und Landwirte auf der Frankfurter Straße
Traktoren und Landwirte auf der Frankfurter Straße. © Clara Pinto
Geblitzt wird heute wohl niemand
Geblitzt wird heute wohl niemand. © Florian Hagemann
Mittlerweile fahren die Traktoren zweispurig über den Steinweg
Mittlerweile fahren die Traktoren zweispurig über den Steinweg. © Fabian Diekmann
Traktoren am Altmarkt
Traktoren am Altmarkt. © Clara Pinto
Steinweg und Frankfurter Straße füllen sich nach und nach mit Traktoren
Steinweg und Frankfurter Straße füllen sich nach und nach mit Traktoren. Zu hören: viel Gehupe.  © Florian Hagemann
Die ersten Traktoren auf dem Steinweg
Die ersten Traktoren auf dem Steinweg. © Fabian Diekmann
Jutta Rüddenklau mit ihrem Mann Hermann
,,So wenig los war hier noch nie“, sagt Jutta Rüddenklau, als sie um 9.52 Uhr den Steinweg mit ihrem Mann Hermann überquert. Weil sie dachten, dass die Stadt bereits sehr früh zu ist, sind sie zeitig aufgebrochen. Die Rüddenklaus haben selbst Landwirtschaft, aber keinen Nachfolger. ,,Das lohnt sich nicht mehr bei 60 Hektar.“ © Ulrike Pflüger-Scherb
Die Treckerkolonne aus Fuldabrück ist so lang, dass ihr Ende am Horizont verschwindet
Die Treckerkolonne aus Fuldabrück ist so lang, dass ihr Ende am Horizont verschwindet. © Eike Rustemeyer
Wegen der Bauern-Demo arbeiten heute weniger Beschäftigte im Porzellanhaus Hornschu. Mitarbeiterin Nicole Faulhaber
Wegen der Bauern-Demo arbeiten heute weniger Beschäftigte im Porzellanhaus Hornschu. Mitarbeiterin Nicole Faulhaber ist wegen der Sperrungen etwas später zur Arbeit gekommen. Sie hat aber Verständnis für die Anliegen der Landwirte. Sie komme vom Dorf und kenne die Nöte vieler Bauern. © Ulrike Pflüger-Scherb
Auf dieser Bühne wird es in wenigen Minuten losgehen
Auf dieser Bühne wird es in wenigen Minuten losgehen. Noch sind keine Traktoren am Regierungspräsidium eingetroffen und der Verkehr auf dem Steinweg wird stadtauswärts weiter durchgelassen © Fabian Diekmann
Der Konvoi unterwegs im Kreis Kassel
Der Konvoi unterwegs im Kreis Kassel. © Anna Weyh
Landwirtin Bianca Siegener aus Söhrewald
Mit dabei in Kaufungen ist auch Landwirtin Bianca Siegener aus Söhrewald. Ihr Sohn soll später einmal den Betrieb mit 100 Milchkühen übernehmen. Sie möchte sich heute dafür einsetzen, dass zukünftige Bauern eine gute Perspektive haben. © Meike Lorenz
Ein Traktor steht auf dem Busparkplatz vor dem Ottoneum
Ein Traktor steht bereits auf dem Busparkplatz vor dem Ottoneum und wartet auf die Sperrung des Steinwegs. © Fabian Diekmann
Roswitha Krause steht an der Haltestelle Frankenstraße
Roswitha Krause steht an der Haltestelle Frankenstraße und ist noch guter Dinge. Sie möchte mit dem Bus stadtauswärts. Wie sie gegen Mittag wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause in die Innenstadt kommt, sehe sie dann. Die Proteste könne sie durchaus nachvollziehen. © Daria Neu
Es geht es los in Kaufungen
Es geht es los in Kaufungen. Begleitet von drei Polizeiwagen setzt sich die Kolonne in Bewegung. © Meike Lorenz
Interessierte Besucher am Rand gibt es auch. Sogar ein Pferd ist dabei
Interessierte Besucher am Rand gibt es auch. Sogar ein Pferd ist dabei. © Clara Pinto
Frankfurter Straße vor dem Justizzentrum in Kassel
Am Morgen fahren noch Autos auf der Frankfurter Straße vor dem Justizzentrum in Kassel. © Ulrike Pflüger-Scherb
Volker Borbein ist mit seinem Hund Coco
Volker Borbein ist mit seinem Hund Coco ganz entspannt bei seinem Morgenspaziergang unterwegs. Auf der Druseltalstraße ist es ruhig. © Daria Neu
Landwirt Timo Siebert (links) und Erich Grunewald, Landwirt aus Gudensberg
Der gelernte Landwirt Timo Siebert (links) und Erich Grunewald, Landwirt aus Gudensberg, sprechen davon „mit dem Rücken zur Wand zu stehen“. Egal ob Flüchtlings-, Finanz-, oder Agrarpolitik: Sie sind unzufrieden - und deshalb heute hier. © Eike Rustemeyer
Bei den Temperaturen müssen sich auch die Bauern warmanziehen
Bei den Temperaturen müssen sich auch die Bauern warmanziehen. © Florian Hagemann
Henning Hördemann gibt in Fuldatal letzte Anweisungen
Henning Hördemann gibt in Fuldatal letzte Anweisungen: Vorsichtig fahren, eine Rettungsgasse bilden und an jeden der Trecker noch ein Schild heften. Gleich geht es auch hier los. © Clara Pinto
Planmäßig sind die Bauern des Wolfhager Landes an der Scheune des Lohnunternehmens Becker aufgebrochen Richtung Kassel
Planmäßig sind die Bauern des Wolfhager Landes an der Scheune des Lohnunternehmens Becker aufgebrochen Richtung Kassel.  © Daria Neu
Planmäßig sind die Bauern des Wolfhager Landes an der Scheune des Lohnunternehmens Becker aufgebrochen Richtung Kassel
Planmäßig sind die Bauern des Wolfhager Landes an der Scheune des Lohnunternehmens Becker aufgebrochen Richtung Kassel.  © Daria Neu
Erich Schaumburg, Bauer aus Niestetal
In Kaufungen-Papierfabrik haben sich die ersten 45 Bauern mit ihren Traktoren in einer langen Reihe hintereinander aufgestellt. Zugführer Erich Schaumburg, Bauer aus Niestetal, rechnet mit 70 Traktoren, die sich auf den Weg nach Kassel machen werden. © Meike Lorenz
Unterwegs im Traktor Richtung Kassel
Unterwegs im Traktor Richtung Kassel. © Anna Weyh
Roland Luckhart, Mitglied des Kreisbauernverbandes
Roland Luckhart, Mitglied des Kreisbauernverbandes, fungiert als Ordner und verteilt kleine Schilde an die Teilnehmer. Er bittet, diese gut sichtbar am Gefährt anzubringen. Er weiß von 31 angemeldeten Protestierenden in Fuldabrück - wie viele es tatsächlich werden, kann er nicht einschätzen. © Eike Rustemeyer
Mittlerweile ist auch die Polizei in Fuldatal eingetroffen
Mittlerweile ist auch die Polizei in Fuldatal eingetroffen. © Clara Pinto
Die Landwirte Henning Hördemann aus Fuldatal (rechts) und Lars Peter aus Espenau
Die Landwirte Henning Hördemann aus Fuldatal (rechts) und Lars Peter aus Espenau sind auch dabei. Die Kälte macht ihnen noch nichts aus. © Clara Pinto
Die ersten Landwirte stehen bereits am Gut Freienhagen in Fuldabrück
Die ersten Landwirte stehen bereits am Gut Freienhagen in Fuldabrück. Geplant ist, sich gegen 9:45 Uhr einem größeren Konvoi anzuschließen und immer an der Fulda entlang in Richtung Kassel zu fahren. © Eike Rustemeyer
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar. © Valerie Schaub
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar. © Valerie Schaub
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar. © Lea Diederich
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar
Der Konvoi im Altkreis Hofgeismar. © Lea Diederich
Landwirte in Grebenstein
Landwirte in Grebenstein. © Anna Weyh
Vor der Abfahrt an den Kelzer Teichen in Hofgeismar
Vor der Abfahrt an den Kelzer Teichen in Hofgeismar. © Lea Diederich
In Istha bereiten sich die Landwirte auf den Start ihrer Protestfahrt vor
In Istha bereiten sich die Landwirte auf den Start ihrer Protestfahrt vor.  © Daria Neu
Traktoren an der Biogasanlage Hördemann
Auch an der Biogasanlage Hördemann zwischen Vellmar und Fuldatal füllt es sich langsam.  © Calar Pinto
Landwirt Moritz Kramm
Landwirt Moritz Kramm. Es gibt erste Anweisungen: Keine Lücken lassen zwischen den Traktoren und anderen Fahrzeugen, auch in Kassel nicht. Nur eine Fahrspur wird blockiert. © Anna Weyh
An den Kelzer Teichen sind 120 Fahrzeuge angemeldet
An den Kelzer Teichen sind 120 Fahrzeuge angemeldet. © Anna Weyh
Benjamin Hördemann
Auch für Verpflegung ist gesorgt. Benjamin Hördemann und seine Kollegen haben Kuchen und Süßes bereitgestellt. © Clara Pinto
Polizisten in Fuldatal
Polizisten in Fuldatal. © Clara Pinto
Gähnende Leere am Bahnhof-Wilhelmshöhe
Gähnende Leere am Bahnhof-Wilhelmshöhe. © Florian Hagemann
Bauern im Landkreis Kassel kurz vor der Abfahrt zum RP
Bauern im Landkreis Kassel kurz vor der Abfahrt zum RP. © Anna Weyh
Die Anzeigentafel im Bahnhof in Bad Wilhelmshöhe zeigt, dass es Streik-Auswirkungen gibt
Die Anzeigentafel im Bahnhof in Bad Wilhelmshöhe zeigt, dass es bereits Streik-Auswirkungen gibt. © Florian Hagemann
Bauern im Landkreis Kassel kurz vor der Abfahrt zum RP
Bauern im Landkreis Kassel kurz vor der Abfahrt zum RP. © Anna Weyh

Proteste der Bauern in Kassel: Große Solidarität unter Landwirten

Diese große Solidarität unter den Landwirten hat zunächst auch Moritz Kramm nicht für möglich gehalten. „Aber die Sparpläne der Bundesregierung betreffen wirklich alle. Es hat sich viel bei ihnen angestaut“, sagt er, die Hände in den warmen Jackentaschen und gegen die Kälte von einem Fuß auf den anderen tretend.

In den vergangenen Jahren habe es bereits viele Reglementierungen gegeben, etwa Verschärfungen in der Düngeverordnung, Kürzungen bei den Flächenprämien oder auch Auflagen, um das Tierwohl besser zu erfüllen.

„Vor allem Letzteres ist auch richtig so, aber diese Richtlinien müssen in allen EU-Ländern gelten. Sonst produzieren wir vor Ort zu höheren Preisen – und günstigere Produkte aus dem Ausland werden importiert.“ Auf dem Hof der Kramms wird Ackerbau mit Getreide, Mais und Zuckerrüben betrieben sowie 2300 Schweine und ebenso viele Hühner gehalten.

Man fühlt sich unerwünscht. Wir sind keine Helden, wir arbeiten ganz normal. Aber es ist ein Wirtschaftszweig, der anerkannt werden sollte.

Moritz Kramm

„Man kann nicht Wasser predigen und Wein saufen“

Beim Protest beteiligt sich Moritz Kramm auch, weil er darauf aufmerksam machen möchte, wo Lebensmittel eigentlich herkommen und wie wichtig die regionale Produktion ist, erzählt er, nachdem sich die endlos scheinende Kolonne langsam in Bewegung gesetzt hat. Viele Menschen hätten den Kontakt zur Landwirtschaft verloren, sagt der Grebensteiner:

„Politik und Gesellschaft fordern viel, auch zurecht. Aber man kann nicht Wasser predigen und Wein saufen. Nur das günstige Fleisch zu kaufen, funktioniert nicht. Auch wir müssen wirtschaftlich handeln.“

Der Weg bis zur Kundgebung führt Moritz Kramm und die anderen Landwirte entlang der Bundesstraße 83. Vorbei an Grebenstein und dem Hotel Schäferberg, durch Vellmar und über die Holländische Straße in das Zentrum Kassels. Die Menschen am Straßenrand winken und klatschen, zeigen den Daumen nach oben. Der Protest der Bauern findet Zuspruch.

„Wir sind keine Helden, wir arbeiten ganz normal“

Das erlebt Moritz Kramm auch in seinem Umfeld so. „Viele finden es gut, dass wir etwas unternehmen. Manche fragen auch, warum wir das tun. Wenn wir die Thematik dann erklären, zeigen viele Verständnis“, sagt der junge Landwirt und hupt einer Gruppe fröhlich zu.

Auf der Weserstraße in Höhe der Tramhaltestelle Katzensprung trifft der Treckerzug aus Hofgeismar auf den aus Fuldatal. Die Fahrer winken, man kennt sich untereinander. Über den Altmarkt hinweg reihten sich auf dem Steinweg schon Traktor an Traktor. Die Schilder sind kreativ: „Keine Zukunft ohne Kuhzunft“ und „Ernten wir auch Respekt und nicht nur Getreide?“ steht da geschrieben. Moritz Kramm parkt seinen Traktor nach Anweisung eines Polizeibeamten an der Schönen Aussicht hinter dem Landgericht. Noch einen letzten Schluck Kaffee aus der Thermoskanne und los geht es zur Kundgebung am Regierungspräsidium.

Protestwoche der Landwirte

Auch in Frankfurt treffen sich am Donenrstag (11. Januar) hunderte Landwirte zu einer Kundgebung

Die Kürzung von Agrarsubventionen lässt Moritz Kramm zwar nicht daran zweifeln, dass er den Hof übernehmen möchte. Aber etwas nachdenklich wirkt er schon. Die vielen Auflagen sorgen für Planungsunsicherheit und Resignation, sagt er: „Man fühlt sich unerwünscht. Wir sind keine Helden, wir arbeiten ganz normal. Aber es ist ein Wirtschaftszweig, der anerkannt werden sollte.“

Diese Meinung teilen auch seine Kollegen. Nach der Kundgebung tuckern sie mit ihren Traktoren wieder Richtung Heimat. Bei Tempo 20 fühlt sich das an wie ein weiter Weg. Aber wie weit wird wohl der Weg bis zu dem Respekt, den sich die Landwirte wünschen?

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