VonAnna Kirschnerschließen
Seit Jahren werden die Mietpreise in deutschen Großstädten vor allem eins: höher. Verglichen mit anderen hessischen Großstädten weist Kassel eine Besonderheit auf.
Kassel/Nürnberg – In der Mehrzahl der deutschen Großstädte sind die Wohnungsmieten im Vergleich von 2023 zu 2022 wieder gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Immobilienplattform Immowelt mit Sitz in Nürnberg. Demnach haben sich die Mieten in 56 von 80 betrachteten Großstädten im Vergleich zum Vorjahr verteuert. Spitzenwerte sind Anstiege um rund 10 Prozent in Hagen und Kaiserslautern. In mehr als einem Viertel der untersuchten Städte (22 von 80) sanken die Preise der Auswertung zufolge aber. Rekordhalter ist hier Reutlingen mit um 8,3 Prozent gesunkenen Mietpreisen.
Kassel im Vergleich günstig, Mieten aber für viele trotzdem zu teuer
Auch zu hessischen Städten gibt es Neuigkeiten. In Kassel beträgt die Durchschnittsmiete aktuell 8,38 Euro, das sind aber 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu anderen hessischen Großstädten ist das geradezu günstig, auch wenn es gerade im Ruhrgebiet und im Osten Deutschlands noch niedrigere Nettomieten gibt. Trotzdem führt die Stadt ab kommendem Jahr einen qualifizierten Mietspiegel ein. Und für Studierende reicht die Wohnungspauschale im Bafög auch in Kassel nicht für eine Singlewohnung. Dazu kommt, dass die aktuellen Wohnbauziele in Kassel mit ziemlicher Sicherheit nicht erreicht werden können.
Im seit Jahren teuren Frankfurt sind die Angebotspreise auf dem digitalen Immobilienmarkt im Schnitt um 1,3 Prozent gesunken. Der Preis der Nettokaltmiete sank im Schnitt auf 12,13 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 75 Quadratmeter großen Wohnung bedeutet das rein rechnerisch einen Unterschied von 12 Euro im Monat. Die Streuung dürfte innerhalb Frankfurts aber weiter hoch sein. Ein aktuelles Angebot bietet etwa 3,5 Zimmer für 3100 Euro Kaltmiete im Westend. Das sind in diesem Einzelfall stolze 33,70 Euro pro Quadratmeter.
Immowelt wertete für diesen Vergleich die auf der Plattform inserierten Angebote in 80 deutschen Großstädten am 1. Dezember 2023 im Vergleich zum Vorjahr aus. Bei den Mietpreisen handelt es sich um Nettokaltmieten bei Neuvermietungen von Bestandswohnungen.
Als Grund für den Preisrückgang vermutet immowelt: „Möglicherweise ist eine wachsende Zahl von Wohnungssuchenden nicht mehr bereit, das hohe Preisniveau in diesen Städten zu bezahlen und weicht stattdessen auf günstigere Städte in deren unmittelbarer Umgebung aus.“ Allerdings ist der Vergleich im Rhein-Main-Gebiet schwierig: Die Großstädte Hanau und Offenbach etwa finden sich in der Auswertung nicht wieder, kleinere Vororte im Speckgürtel auch nicht.
Zwei weitere hessische Großstädte fanden Eingang in den Preisvergleich. In Darmstadt stieg der durchschnittliche Nettokaltmietenpreis um 4,5 Prozent auf 11,43 Euro pro Quadratmeter. In Wiesbaden stieg der durchschnittliche Mietpreis um 2 Prozent. Nun sind dort im Schnitt 11,21 Euro pro Quadratmeter fällig.
Lage auf Mietmarkt in Großstädten verschärft sich weiter
Liegt nicht in Hessen, ist aber auch ein beliebter Wohnort im Rhein-Main-Gebiet: Mainz. Dort liegt der Kaltmietenpreis aktuell bei 11,07 Euro pro Quadratmeter. Das sind 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
„Die Lage auf den meisten großstädtischen Mietmärkten hat sich in diesem Jahr erneut verschärft“, ist das Fazit von Immowelt-Geschäftsführer Felix Kusch. „Während der Nachfragedruck hoch geblieben ist, hat sich der Wohnungsmangel angesichts des dramatischen Einbruchs beim Neubau weiter zugespitzt. In der Folge sind die Angebotsmieten in vielen Großstädten erneut gestiegen.“ In ohnehin hochpreisigen Städten gab es leichte Rückgänge. „Die Grenze des Bezahlbaren scheint dort für viele Wohnungssuchende zunehmend erreicht“, meint Kusch.
In Deutschland ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen zuletzt stark gesunken. Im September 2023 fiel sie sogar auf den tiefsten Stand seit über zehn Jahren. Noch weniger Bauzusagen in einem Monat wurden zuletzt im Januar 2013 erteilt. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. (anki)
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