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Nach Galeria-Insolvenz: Erneutes Bangen im Kasseler Kaufhaus – was den Mitarbeitern Hoffnung macht

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Kaufhaus-Beschäftigte kommen nicht zur Ruhe: Rund 140 Mitarbeitende bei Galeria in Kassel sind von der neuerlichen Insolvenz betroffen. Der Standort hat aber mit die besten Chancen, auch diese Krise zu überstehen. Archi
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Zum dritten Mal seit 2020 hat die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof Insolvenz angemeldet. Eine Schließung des Kaufhauses in Kassel steht nicht im Raum, gleichwohl sind die Mitarbeitenden verunsichert.

Kassel – Die Zitterpartie für die rund 140 Beschäftigten im Kasseler Galeria-Kaufhaus geht weiter: Am Dienstag hat die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) vor dem Hintergrund der Finanzprobleme im Mutterkonzern Signa einen Insolvenzantrag gestellt. Es ist bereits das dritte Mal nach 2020 und 2022, dass die Kaufhauskette in die Zahlungsunfähigkeit gerät.

Diesmal allerdings ist es kein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung, bei der die Verantwortung bei der Geschäftsführung bleibt, sondern eine Regelinsolvenz. Damit kommt ein vom Gericht bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter ins Spiel. Zu dessen Hauptaufgaben wird nun gehören, durch Verhandlungen mit Gläubigern zumindest einen Kern der noch verbliebenen 92 Galeria-Häuser zu retten und für das Unternehmen einen neuen Eigentümer zu finden.

GKK-Management zuversichtlich: „Wir sind ein Aushängeschild bei der Investorensuche“

Darauf ruhen die Hoffnungen des GKK-Managements und auch der Beschäftigten am traditionsreichen Standort in Kassel. „Wir sind ein Aushängeschild bei der Investorensuche“, hat der örtliche Geschäftsleiter Stephan Engel kürzlich im Gespräch mit der HNA betont.

Während sich andere Galeria-Standorte nicht auf der Höhe der Zeit präsentieren, wurde das Kasseler Haus 2021 für einen hohen einstelligen Millionenbetrag umfassend modernisiert und mit neuartigen Service-Angeboten aufgewertet. Auch bei der Umsatzentwicklung liegt das nordhessische Kaufhaus nach Angaben Engels im Konzernvergleich auf vorderen Plätzen. Zudem sei die Mietbelastung moderat. Das Haus Kassel gehört keiner Immobiliengesellschaft aus René Benkos zerbröselnder Signa-Gruppe, die ihre eigenen Kaufhausstandorte mit oft unüblich hohen Mieten zur Kasse bittet und deren Rentabilität entsprechend belastet.

Galeria in Kassel: Zahlung von Insolvenzgeld an Mitarbeiter erneut möglich

Sollte also, wie von manchen Handelsexperten angenommen, nur ein Teil der 92 bundesweiten Galeria-Häuser die erneute Insolvenz überstehen und an einen neuen Eigentümer gehen, hat das 1911 gegründete Kasseler Warenhaus mit die besten Chancen, darunter zu sein. Dass es bereits Gespräche mit potenziellen Investoren gibt, hat Galeria-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl gegenüber der „Wirtschaftswoche“ bestätigt.

Dass ein neuer Eigentümer mit Handelskompetenz und eine erfolgreiche Trennung von Benkos Signa-Imperium einem „Befreiungsschlag“ gleichkämen, wie es Galeria-Chef Olivier van den Bossche formuliert hat, wird so auch von vielen Mitarbeitenden des Kasseler Hauses eingeschätzt. Die stehen jetzt allerdings zunächst vor einer neuen Phase der Unsicherheit. Während des vorigen Insolvenzverfahrens hatte die Arbeitsagentur den Galeria-Beschäftigten drei Monate lang Insolvenzgeld gezahlt. Das sei auch diesmal wieder möglich, sofern das neue Verfahren offiziell eröffnet wird, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit.

Galeria in Kassel fährt Gesamtplus ein

Am operativen Geschäft liegt es nicht, dass der Warenhauskonzern erneut in die Krise gerutscht ist. Nicht nur das Haus Kassel hatte laut Geschäftsleiter Engel gegen den Trend ein gutes Weihnachtsgeschäft und ein Gesamtplus zum Vorjahr eingefahren; auch auf Konzernebene stimmt laut dem Management die finanzielle Richtung. Auslöser der aktuellen Schwierigkeiten sind die Pleiten in René Benkos Handels- und Immobilien-Konglomerat.

Dadurch sind Finanzierungszusagen an Galeria Karstadt Kaufhof in dreistelliger Millionenhöhe hinfällig geworden, wodurch die Signa-Warenhaustochter in die Zahlungsunfähigkeit rutschte. (Axel Schwarz)

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof beantragt erneut ein Insolvenzverfahren. Es ist das dritte innerhalb weniger Jahre. Für Reginald Bukel, Vorsitzender des City-Marketings Fulda, kommt das nicht überraschend.

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