Instandsetzung

Arbeiten an Kinzigtalsperre fast beendet - Kinzig soll bis Weihnachten wieder gestaut werden

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Ein Bagger steht auf dem Stauwehr der Kinzigtalsperre (Luftaufnahme mit einer Drohne). Nach dem Austausch der defekten Sperrtore soll sich der Stausee in den kommenden Monaten wieder mit Wasser füllen.

Ein Hochwasser kann nicht verhindert, seine Auswirkungen können aber gemildert werden. Davon sind die Verantwortlichen für die Kinzigtalsperre überzeugt. Damit das gewährleistet ist, musste das Bauwerk im Kinzigtal jetzt gründlich renoviert werden.

Bad Soden-Salmünster/Steinau - Wer ab und zu mit der Bahn zwischen Frankfurt und Fulda unterwegs ist oder mit dem Wagen auf der Autobahn 66 durchs Kinzigtal fährt, kennt ihn: den Kinzigstausee, der bei Bad Soden-Salmünster und Steinau an der Straße eingebettet zwischen Vogelsberg und Spessart liegt.

Kinzigtal: Arbeiten an Kinzigtalsperre fast beendet - Stauen kann beginnen 

Mit einer maximalen Ausdehnung von 125 Hektar und einem maximalen Fassungsvermögen von 7,2 Millionen Kubikmeter ist das Gewässer nahe Bad-Soden Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) einer der bekanntesten Stauseen in Hessen. Doch seit über einem Jahr ist von ihm kaum noch etwas übrig.

Der Grund für den ausgetrockneten See: Die Talsperre, die den Fluss aufstaut, ist auf Herz und Nieren getestet und anschließend instand gesetzt worden. Dazu musste das Wasser abgelassen werden. Die Fische waren zuvor eingefangen und in Weiher der Umgebung umquartiert worden.

Bald jedoch soll sich das Staubecken wieder füllen. Mit dem Einbau der dritten und letzten neuen Wehrklappe ist vor wenigen Tagen die Sanierung in den finalen Abschnitt gegangen.

Ein Bagger steht auf dem Stauwehr der Kinzigtalsperre (Luftaufnahme mit einer Drohne). Nach dem Austausch der defekten Sperrtore soll sich der Stausee in den kommenden Monaten wieder mit Wasser füllen.

„Es fehlen nur noch wenige Arbeiten. Wenn alles nach Plan verläuft, wollen wir bis Weihnachten mit dem planmäßigen Einstauen der Kinzig beginnen“, sagte der stellvertretende Talsperrenleiter René Zuckrigl der Deutschen Presse-Agentur.

Dann startet statistisch auch die Winter- und Hochwassersaison. „Wir können zwar kein Hochwasser verhindern, aber wir können es mit dem Ziel des schadlosen Ablaufs regulieren“, betont Zuckrigl. „Die Kinzigtalsperre trägt erheblich zum Hochwasserschutz an der Kinzig bei, ihre Wirkung ist bis Hanau feststellbar“, erklärt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständige Aufsichtsbehörde.

Wir können zwar kein Hochwasser verhindern, aber wir können es mit dem Ziel des schadlosen Ablaufs regulieren

René Zuckrigl, stellvertretender Talsperrenleiter

Je nach Jahreszeit werde der Abfluss im Hochwasserfall auf 40.000 oder 20.000 Liter pro Sekunde abgemindert. „Zum Verständnis dieser Zahlen: Ohne die Anlage würde der Abfluss in der Kinzig bei einem statistisch einmal in 100 Jahren vorkommenden Hochwasser etwa 150.000 Liter pro Sekunde betragen“, betonte ein Sprecher.

Kinzigtalsperre: Hochwasserschutz für den ganzen Main-Kinzig-Kreis

Bei einer entsprechenden Lage wird die durch die Talsperre gebremste Hochwasserwelle zeitversetzt in den Unterlauf abgegeben. „Der zeitliche Abstand ist dabei immer abhängig von den Niederschlägen und den damit einhergehenden Abflüssen der Kinzig und ihrer Nebengewässer“, erläutert Holger Scheffler, Geschäftsführer des Wasserverbands Kinzig, der die Anlage betreibt.

Ein Bagger steht auf dem Stauwehr der Kinzigtalsperre (Luftaufnahme mit einer Drohne). Nach dem Austausch der defekten Sperrtore soll sich der Stausee in den kommenden Monaten wieder mit Wasser füllen.

„Das Ziel ist aber immer, einen schadlosen Ablauf der Kinzighochwasserwelle zu erreichen.“ Außerdem dient der Stausee dazu, dass die Kinzig unterhalb des Bauwerks auch in dürren Sommermonaten noch mit Wasser versorgt wird.

Weiter treibt das gestaute Hochwasser noch eine Wasserkraftanlage mit einer maximalen Leistung von 315 Kilowatt pro Stunde an und versorgt die Anlagen der Kinzigtalsperre mit regenerativer Energie. Die nicht benötigte Energie wird laut Scheffler in das öffentliche Netz eingespeist.

Instandsetzung an Kinzigtalsperre: Sichere Basis für die nächsten 40 Jahre

Bei den im September 2022 gestarteten Arbeiten wurden erstmals die kompletten Betonflächen sowie deren Fugen an der zwischen 1976 und 1979 errichteten Talsperre inspiziert, saniert und zum Teil auch großflächig erneuert. „Ich denke, das gibt für die nächsten 40 Jahre eine sichere Basis zum weiteren Betrieb unserer Talsperre“, sagt Zuckrigl.

Sorge macht den Verantwortlichen derzeit noch der starke Bewuchs, der sich im hinteren Bereich der abgetrockneten Einstaufläche eingestellt hat, und der noch Stück für Stück entfernt werden muss.

Grund für die laufenden Arbeiten ist die gesetzlich vorgeschriebene „vertiefte Sicherheitsüberprüfung“. Bei Talsperren handele es sich um komplexe technische Anlagen, die in ihrem Aufbau und angepasst an die Örtlichkeit jeweils einzigartig seien, erklärte das RP Darmstadt.

„Neben der laufenden Eigenüberwachung durch den Anlagenbetreiber, die durch regelmäßige, mindestens jährliche behördliche Überwachungen ergänzt wird, sieht das Regelwerk vor, dass in größeren zeitlichen Abständen - im Fall der Kinzigtalsperre 20 Jahre - auch Bereiche angeschaut werden, die ansonsten durch den Dauereinstau nicht sichtbar sind“, teilte ein Sprecher mit.

Video: So sieht es im Inneren einer Talsperre aus

Die letzte umfangreiche Prüfung dieser Art gab es an der Kinzigtalsperre vor 20 Jahren. Damals war der Wiedereinstau wie diesmal für den Dezember geplant. Die Talsperre war folglich noch relativ leer, als es nach einigen Frostnächten, Schneefall und plötzlichem Tauwetter am 2. und 3. Januar 2003 enorme Zuflüsse gab.

Innerhalb weniger Stunden habe sich die Talsperre mit einem außergewöhnlichen Hochwasser komplett gefüllt, berichtet Scheffler .Die Kinzigtalsperre verhinderte damals für die Städte im Unterlauf eine Katastrophe“, erinnert er sich zurück. „Wir hoffen, dass das diesmal nicht passiert und der Wiedereinstau ohne Hochwasser erfolgen kann.“ (von Michael Bauer und Boris Roessler/dpa)

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