Schwalm-Eder-Kreis

Beim Fressen einer Ente beobachtet: Suche nach Riesen-Wels in Badesee dauert an

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Ein Riesen-Wels treibt im Beiseförther Badesee im Schwalm-Eder-Kreis sein Unwesen, er soll Forellen und sogar Enten fressen.

Schwalm-Eder-Kreis – Es gibt mindestens einen Wels im Beiseförther Naturbadesee. Das ist bei der Ortungsaktion am Sonntagnachmittag klar geworden. Auf dem Echolot des Bootes von Pascal Günter wurde ein 80 bis 90 Zentimeter großes Tier gesichtet. „Durch die längliche Silhouette ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um einen Wels gehandelt hat“, sagt er.

Versuchte, den Wels zu orten: Echolot-Bootbesitzer Pascal Günter zeigt ein Wallerholz. Welse reagieren auf das Klopfen damit auf der Wasseroberfläche.

Der zwei Meter lange Wels, der kürzlich im See gesehen und fotografiert wurde, war auf den Bildern des Echolots aber nicht zu sehen. „Es ist mittlerweile sehr kalt für Welse“, sagt Martin Rose, Vorsitzender des Angelsportvereins Beiseförth 1976. „Die Tiere fahren dann ihren Stoffwechsel herunter, fressen und bewegen sich kaum noch.“ Daher sei die Wahrscheinlichkeit, die Welse herauszulocken oder gar zu fangen, sehr gering.

„Das Tier in Beiseförth ist leider zu spät entdeckt worden“, sagt Günter. „Manchmal sind sie auch im Winter noch mal aktiv, um zu fressen, aber sie dann an die Angel zu bekommen, ist Glück.“ Außerdem könnte das Tier auch durch die Besucher und das Boot abgeschreckt worden sein. Das merke er mit seinen Barteln, den bartähnlichen Tastorganen am Maul.

Auf der Suche nach dem Wels: Angler versuchten auf einem Boot mit Echolot ausgestattet den rund zwei Meter langen Raubfisch im Beiseförther Naturbadesee zu orten. Vor diesem Strand wurde das Tier gesehen.

Mithilfe des Echolots machte Günter das Geschehen unter der Oberfläche des Naturbadesees sichtbar: Blau war das Wasser zu sehen, braun wurden die Feststoffe angezeigt, darunter Fische und viele Wasserpflanzen, die sich in Beiseförth teilweise bis zur Oberfläche rankten. Mehrmals zog Günter daher den Köder an die Oberfläche, damit sich dieser nicht in den Pflanzen verhedderte.

Schwalm-Eder-Kreis: Riesen-Wels frisst viele der eingesetzten Forellen

„Wir haben vor allem Hechte, Zander und Karpfen gesichtet“, sagt Rose. Ab einer Länge von etwa 50 Zentimetern seien sie zu groß für Welse. „Außerdem sind Welse nicht dumm, sie fressen nicht ihre komplette Lebensgrundlage auf.“ Der Angelverein wolle erstmal keine Fische mehr in den See setzen. Er habe pro Jahr bis zu 60 Kilogramm Forellen für bis zu 8 Euro pro Kilogramm in den See gesetzt, von denen viele dem Wels zum Opfer gefallen seien.

Vor der Ortungsaktion: Der Vorsitzende des Angelsportvereins Beiseförth 1976, Martin Rose, hält das Boot fest, mit dessen Hilfe der zwei Meter lange Wels gefunden werden sollte.

Mit einem Boot samt Echolot hat sich der Angelsportverein Beiseförth 1976 am Sonntagnachmittag auf die Suche nach dem rund zwei Meter langen Wels im Naturbadesee gemacht. Es zeichnet einen Umkreis von zwei Metern bis in eine Tiefe von bis zu 30 Metern auf, erklärt Bootsbesitzer Pascal Günter. Der See war an den meisten Stellen knapp drei Meter tief.

Günter ist mit Martin Rose, Vorsitzender vom Angelsportverein, befreundet und stellte den Beiseförthern daher das Boot zur Verfügung. Es wurde extra für diese Aktion aus den Niederlanden nach Beiseförth gebracht, wo Günter oft angelt. „Mit einem Preis von 3000 Euro liegt es noch im unteren Bereich“, sagt er.

Schwalm-Eder-Kreis: Wels auf Schallwellenbildern des Echolots nicht zu sehen

Mit einem Wallerholz – Waller ist ein anderes Wort für Wels – klopfte Günter auf die Oberfläche des Sees. „Es muss ein bestimmtes Plopp-Geräusch entstehen“, erklärt er. „Es ist nicht genau bekannt, warum der Wels davon angelockt wird, aber es funktioniert.“ Außerdem hängte er einen mit Würmern und Lockduft präparierten Köder etwa 1,5 Meter tief ins Wasser. Doch der zwei Meter lange Wels tauchte nicht auf den Echolot-Bildern auf.

So sieht der Beiseförter See unter Wasser aus. Braun sind Feststoffe wie der Köder, der rechts als großer Fleck mitten im Wasser zu sehen ist.

Einige Teilnehmer und Beobachter der Ortungsaktion meinten jedoch, den großen Raubfisch an einer Ecke des Sees im Wasser gesehen zu haben. Mit dabei war auch Ulrike Schneegaß, die gelegentlich Gast auf dem angrenzenden Campingplatz ist. Sie war es, die den großen Wels an einem Nachmittag im September vorm Strand des Sees entdeckt und fotografiert hat.

„Ich stand mit den Füßen im Wasser, um ein Foto von der Wasseroberfläche zu machen“, sagt Schneegaß. Plötzlich sei etwas unter der Oberfläche hochgekommen. „Ich habe schnell ein Foto gemacht, mich umgedreht und bin weggelaufen“, sagt sie. „Das war gruselig.“

Schwalm-Eder-Kreis: Riesen-Wels beim Fressen einer Ente beobachtet

Campingplatz-Betreiber Thomas Folli sei es gewesen, der den Fisch dann als Wels identifizierte. „Ich hatte an dem Morgen schon gesehen, wie der Wels eine Ente gefressen hat“, sagt er. „Ich bin total erschrocken. So etwas hatte ich noch nie gesehen.“ Laut Folli ist der See 190 Meter lang und 97 Meter breit. Er werde sich um weitere Aktionen rund um den Wels kümmern, wollte dazu aber noch nicht mehr bekannt geben.

Zum Anlocken: Angler Pascal Günter nutzte unter anderem einen Köder in Form einer Forelle.

„Mittlerweile sind überhaupt keine Enten mehr am See zu sehen, nur noch Schwäne, Nilgänse und Blesshühner“, berichtet Schneegaß. In den See gehen, werde die Frau jedenfalls nicht mehr.

„Es sei außergewöhnlich, dass Schneegaß den Wels tagsüber gesehen hat“, sagt Günter. „Die Tiere sind eigentlich nacht- und dämmerungsaktiv.“ Da das Tier in Beiseförth aber in einem Gewässer ohne natürliche Feinde lebe, könne das vorkommen. Außerdem habe der Angelverein dem Wels mit dem Einsetzen der Forellen einen Gefallen getan. „Die Fische sind aus einer Zucht, auch sie kennen keine natürlichen Feinde, das macht es dem Wels natürlich einfach“, erklärt Günter. (Fabian Becker)

Ein passionierter Angler aus dem Landkreis Göttingen erfüllte sich neulich den Traum vom Abenteuerurlaub in Grönland. Er berichtet von überwältigender Natur, vielen Polarfüchsen und Polarlichtern.

Rubriklistenbild: © Fabian Becker

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