Regionale Wirtschaft

„Investieren massiv in den Standort“: So steht es um das Daimler-Werk in Kassel nach Produktionsrückgang

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Das Daimler Truck Achswerk in Kassel verzeichnete 2024 einen Produktionsrückgang. Die Standortleitung bleibt optimistisch und plant Investitionen.

Kassel – Nachdem das Achswerk von Daimler Truck im Jahr 2024 einen deutlichen Produktionsrückgang verzeichnen musste, blicken Standortleitung und Betriebsrat optimistischer auf das kommende Jahr. Das wurde bei einem Pressegespräch mit unserer Zeitung deutlich, das im Anschluss an die gestrige Betriebsversammlung stattfand.

War 2023 noch ein Rekordjahr für das Werk in Kassel, gab es in 2024 Produktionsrückgänge von 20 bis in der Spitze 25 Prozent, berichtete Werkleiter Hauke Schuler. „Aber Kurzarbeit war kein Thema bei uns.“ Bei Produktionslücken hätten die Mitarbeiter Fortbildungen absolviert, außerdem habe man die Mitarbeiter flexibel dort eingesetzt, wo der Bedarf hoch war. Das sei keine Selbstverständlichkeit und nur dank weitreichender Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Werkleitung möglich.

Betriebsrat und Werkleitung bei Daimler in Kassel betonen Miteinander

Das bestätigte auch der Betriebsratsvorsitzende des Kasseler Werks und stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende Jörg Lorz: „Die Belegschaft zeigt die Bereitschaft, Dinge auch mal anders zu machen. So etwas geht nur, wenn auch Perspektiven aufgezeigt werden. Nur im Miteinander kommen wir auch gut durch solch ein Jahr.“

Im Daimler-Truck-Werk in Kassel erwartet man für das Jahr 2025 keinen Produktionsrückgang. Nach dem Rekordjahr 2023 erlebte man in 2024 Produktionseinbrüche von über 20 Prozent.

Auf das Jahr 2025 blicken Werkleitung und Betriebsrat vorsichtig optimistisch: „Die Wolken sind nicht mehr ganz so dunkel und die ersten Sonnenstrahlen brechen durch“, formulierte es Schuler bildlich. Für 2025 gehe er nicht mehr von Rückgängen aus, erwarte jedoch auch keinen besonderen konjunkturellen Rückenwind.

Daimler-Werk-Kassel: „Wir investieren massiv in den Standort“

„Wir investieren massiv in den Standort“, betonte der Standortleiter, wollte allerdings auf Nachfrage keine konkreten Zahlen nennen. Als Beispiele nannte er eine neue Logistikhalle, die in diesem Jahr fertiggestellt worden sei. Außerdem werde man Anfang 2025 ein neues Hochregallager einweihen. „Wir stellen uns damit auf die Zukunft der alternativen Antriebe ein“, so Schuler. Denn durch diese würden die Produktvielfalt und die Fertigungstiefe größer werden.

Klar sei, dass die Produktion von Achsen für Verbrennerfahrzeuge ebenso wichtig für den Standort sei wie die für Elektrofahrzeuge: „Die Kollegen, die konventionelle Achsen bauen, halten uns in der Transformation den Rücken frei.“

Daimler in Kassel – Werk mit Tradition

1969 wurde das heute Werk von Daimler Truck in Kassel als „Hanomag-Henschel-Fahrzeugwerke GmbH“ gegründet. Seit mehr als 55 Jahren werden dort Achsen für Nutzfahrzeuge produziert. Heute ist das Werk ein globales Kompetenzzentrum für elektrische Antriebssysteme sowie konventionelle Achsen für Nutzfahrzeuge im Bereich von Daimler Truck.

Das dazugehörige Technologiezentrum für E-Antriebssysteme am Standort trägt laut Konzern aktiv zur Entwicklung der Zukunft von CO₂-neutralen Fahrzeugen bei. In modernen Fertigungsverfahren werden dort unter anderem Achsen für Lkw, Busse, Transporter und Pkw sowie Gelenkwellen und Radsätze hergestellt. Das Werk beschäftigt insgesamt rund 3000 Mitarbeiter. und ist nach eigenen Angaben der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt.

Ein großes Thema des laufenden Jahres war der Produktionsstart der elektrisch angetriebenen Hinterachse für das Lkw-Modell eActros 600. Diese sei speziell für den Einsatz im Langstreckenverkehr konzipiert worden. „Die Nachfrage für den schweren Lkw stimmt uns positiv“, so der Werkleiter. Derzeit machen die Achsen für alternative Antriebe rund zehn Prozent der Gesamtproduktion aus, man gehe derzeit von einer jährlichen Verdoppelung aus. Die Produktion in der Montagelinie sei hochflexibel – je nach Auftragslage könne man zwischen konventioneller und e-Achse variieren. Auf eine hohe Nachfrage könne man bei Bedarf sofort reagieren.

Der Standort Kassel fertigt seit 55 Jahren Achsen für Nutzfahrzeuge und ist im Konzern das globale Kompetenzzentrum für elektrische Antriebe und Nutzfahrzeugachsen. Einig waren sich Betriebsratsvorsitzender und Werkleiter darin, dass es mit Blick auf die Infrastruktur für alternative Antriebe Bewegung geben muss – von Ladesäulen bis zu Wasserstofftankstellen. „Die Genehmigungsverfahren müssen schneller werden“, betonte Lorz.

Zahl der Beschäftigten bei Daimler in Kassel soll vorerst stabil bleiben

Nach aktuellem Stand erwarte die Werkleitung, dass die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahr 2030 stabil bleiben wird. Rund 3000 Menschen sind derzeit in Kasseler Werk beschäftigt. Künftig werde man aber Gespräche über die Steigerung der Effizienz führen müssen. „Auf lange Sicht werden wir am Standort nicht mehr werden“, ergänzte Jörg Lorz.

Welche Auswirkungen die kommende zweite Amtszeit von Donald Trump auf den Konzern und das Werk in Kassel haben werde, müsse man in Ruhe bewerten, so Schuler. Der designierte US-Präsident hatte angekündigt, Importzölle zu verhängen, von denen auch die Automobilbranche betroffen sein wird. „Für unseren Standort ist Europa sehr wichtig, aber wir liefern auch in die USA“, sagte Hauke Schuler. (Daniel Seeger)

In einer ersten Version des Artikels wurde Jörg Lorz als stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender bezeichnet. Richtig ist, dass er stellvertretender Konzernbetriebsratsvorsitzender ist. Wir haben die Passage angepasst.

Rubriklistenbild: © Daniel Seeger

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