VonSabrina Mehlerschließen
Von einem Kriminalitäts-Hotspot kann in Osthessen nach wie vor keine Rede sein. Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel aller Delikte wurden aufgeklärt. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik für 2024 hervor.
Fulda - „Osthessen ist weiterhin eine sichere Region“, betonte Polizeipräsident Michael Tegethoff bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Dienstag. Insgesamt wurden 2024 im Landkreis Fulda 9544 Straftaten registriert – das sind 1580 weniger als im Jahr zuvor. In ganz Osthessen waren es 18.961 Fälle. Die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, lag in Fulda mit 4173 weit unter dem hessischen Durchschnitt von 6046.
Osthessen bleibt sicher: Kriminalität 2024 deutlich gesunken
Die Aufklärungsquote von 69,8 Prozent im Kreis Fulda gehört zu den höchsten in Hessen. „Die Wahrscheinlichkeit, als Täter überführt zu werden, ist in Osthessen hoch“, erklärte Tegethoff und lobte die Arbeit seiner Beamtinnen und Beamten. Dennoch dürfe man sich nicht auf diesen Zahlen ausruhen: „Wir müssen am Ball bleiben.“
Besonders erfreulich: Die Straßenkriminalität ist weiter rückläufig. „In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Zahlen halbiert“, berichtete Kriminaloberrat Andreas Rainer, kommissarischer Leiter der Kriminaldirektion. Vier von fünf Raubstraftaten werden aufgeklärt – „das ist genial“, so Rainer.
Auch Wohnungseinbrüche bleiben auf niedrigem Niveau. 212 Fälle wurden 2024 registriert – ein Rückgang um 59. Bei mehr als jedem dritten Einbruch gingen die Täter leer aus. Die Zahl der Diebstahlsdelikte sank ebenfalls deutlich: 5284 Fälle wurden verzeichnet, 751 weniger als im Vorjahr. Besonders Ladendiebstähle gingen zurück.
Video: Einbruchsprävention - Fakten und Tipps
Ein Grund für die positive Entwicklung ist laut Tegethoff die verstärkte Polizeipräsenz in der Region. Besonders die Innenstadtoffensive in Fulda mit 460 Sonder- und Brennpunktkontrollen sowie 300 gemeinsamen Streifen mit Stadt und Bundespolizei habe sich bewährt, berichtete Tegethoff. Auch das Konzept „Kompass“, das Kommunen in Sicherheitsfragen unterstützt, zeige Wirkung. Bürgerinnen und Bürger können zudem über den „Mängel- und Angstraummelder“ Hinweise geben.
Die Legalisierung von Cannabis spiegelt sich in der Statistik ebenfalls wider: Die Zahl der Drogendelikte sank um 577 Fälle. Das sei insbesondere auf die Cannabis-Legalisierung zurückzuführen, sagte Rainer. Dennoch bleibe der Kampf gegen Drogen ein wichtiges Thema. Ein spektakulärer Erfolg gelang der Polizei mit dem bislang größten Kokainfund in Osthessen: Bei einer Fahrzeugkontrolle wurden 30 Kilogramm Kokain mit einem Wert von mehr als zwei Millionen Euro sichergestellt.
Mehr Sicherheit durch verstärkte Maßnahmen
Leicht rückläufig sind die Fälle von häuslicher Gewalt: 693 Delikte wurden 2024 registriert. 81,2 Prozent der Opfer waren Frauen, in den meisten Fällen handelte es sich um Körperverletzungen. Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gab es nach einem kontinuierlichen Anstieg in den vergangenen Jahren erstmals einen leichten Rückgang auf 732 Fälle. Besonders häufig ging es um das Verbreiten pornografischer Inhalte. 54 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen sind unter 21 Jahre alt. „Hinter jedem Bild steht ein Realverbrechen“, mahnte Tegethoff und verwies beispielsweise auf das Präventionsprogramm „Digital Native“, das Kinder und Jugendliche im Umgang mit sozialen Medien sensibilisieren soll.
Eine besorgniserregende Entwicklung zeigt sich beim sexuellen Missbrauch: Die Zahl der Fälle stieg um zwölf auf 152. Dabei nahm insbesondere die Zahl exhibitionistischer Handlungen zu. Der Missbrauch von Kindern wurde laut Polizei in 87 Fällen registriert, von Jugendlichen in neun Fällen. Um hier gezielt gegen Sexualverbrechen an Schutzbefohlenen vorzugehen, wurde die Besondere Aufbauorganisation „Fokus“ mit mehr als 25 Ermittlern dauerhaft etabliert.
Die Zahl der Körperverletzungsdelikte mit 2063 bleibt stabil. In 51 Fällen wurde ein Messer als Tatwaffe eingesetzt. Die Aufklärungsquote liegt bei 93 Prozent. Bei Straftaten gegen das Leben registrierte die Polizei 31 Fälle – 16 mehr als im Vorjahr. In zwei Dritteln der Fälle blieb es beim Versuch, in neun Fällen war ein Messer im Spiel. Totschlag machte mit 24 Fällen den größten Anteil aus, vier Fälle wurden als Mord oder versuchter Mord eingestuft.
268 politisch motivierte Straftaten wurden erfasst, darunter 156 mit rechtsextremem Hintergrund (plus 20 Prozent) und sechs linksextrem motivierte Straftaten (minus 72 Prozent). Die Gewalt gegen Polizeibeamte ging leicht zurück: 118 Fälle wurden gezählt - nach 140 im Vorjahr.
268 politisch motivierte Straftaten in Osthessen
Von den insgesamt 9765 ermittelten Tatverdächtigen in Osthessen waren 78,3 Prozent männlich. 63,9 Prozent hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Nichtdeutsche Tatverdächtige sind besonders in den Bereichen Vermögens- und Fälschungsdelikte, Rohheitsdelikte und Diebstähle aktiv. „Nichtdeutsche sind gemessen an der Bevölkerung überproportional vertreten“, so Tegethoff. Doch er warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen: „Entscheidend ist nicht alleine die Staatsangehörigkeit, sondern soziale Rahmenbedingungen, Lebenslagen, Wohnort und Aufenthaltsstatus. Wir wollen eine faktenbasierte Betrachtung der Thematik.“
