Kriminalstatistik 2023

Polizei in Fulda freut sich über höchste Aufklärungsquote - einige Delikte steigen aber an

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Mit 15-Totschlag-Fällen war das Polizeipräsidium Osthessen 2023 beschäftigt. So war in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg ein lebloser Mann gefunden worden.
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Die Kriminalstatistik 2023 hat das Polizeipräsidium Osthessen in Fulda präsentiert. Polizeipräsident Michael Tegethoff freut sich über die „höchste Aufklärungsquote in Hessen“. Bestimmte Straftaten steigen aber stark an.

Fulda - „Die Wahrscheinlichkeit, als Täter überführt zu werden, ist in Osthessen am höchsten“, machte Polizeipräsident Michael Tegethoff bei der Vorstellung der Zahlen zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) am Freitag (15. März) in Fulda deutlich. Das geht aus einer vorab verschickten Presseinformation der Polizei hervor.

Mit einer Aufklärungsquote (AQ) von 69,6 Prozent habe das Polizeipräsidium Osthessen im Vergleich zu 2022 eine deutliche Steigerung um 2,1 Prozentpunkte erzielen können und belegt damit bereits zum fünften Mal in Folge den Spitzenplatz im Vergleich aller Polizeipräsidien in Hessen.

Fulda: Polizei freut sich über „höchste Aufklärungsquote in Hessen“

„Dieses hervorragende Ergebnis spricht auch für die Leistungsfähigkeit unseres Präsidiums und die gute und engagierte Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen, denen ich dafür herzlich danke“, sagte der Polizeipräsident. Bereits seit Jahren bewege sich die Aufklärungsquote in Osthessen auf einem „beständig hohen Niveau“ und deutlich über dem Landesdurchschnitt von 63,2 Prozent.

Nach dem Tiefstwert in 2021 sei die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten auch in Osthessen zum zweiten Mal in Folge wieder angestiegen. Das würde dem Hessen- und Bundestrend entsprichen. So wurden für das Jahr 2023 insgesamt 20.823 Straftaten erfasst - ein Anstieg um 1218 Fälle.

Mit 4568 Straftaten pro 100.000 Einwohnern liege die Häufigkeitszahl, ein wichtiger Indikator für die Sicherheit in einer Region, aber weiterhin auf dem zweitniedrigsten Niveau aller hessischer Polizeipräsidien und deutlich unter der Zahl des gesamten Bundeslandes Hessen von 6220, hieß es am Freitag in Fulda.

2023 erfasste das Polizeipräsidium Osthessen insgesamt 20.823 Straftaten in der Kriminalstatistik.

„Die Menschen in Osthessen leben nach wie vor in einer der sichersten Region von Hessen“, betonte Polizeipräsident Tegethoff. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass der Anstieg der Gesamtfallzahlen 2023 fast zu drei Viertel auf Anstiege beim Ladendiebstahl und der Beförderungserschleichung zurückzuführen ist.

Rechnet man die Steigerung bei den Fallzahlen der allgemeinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mit Cannabis noch hinzu, so würden die Zunahmen allein in diesen drei Deliktsfelder fast 90 Prozent des Gesamtfallzahlenanstiegs erreichen. Und dennoch: Weltweite Konflikte, gesellschaftliche Entwicklungen sowie wirtschaftliche und soziale Faktoren würden auch in Osthessen für neue Schwerpunkte polizeilicher Tätigkeiten sorgen.

Zudem rufen technische Fortschritte zum Teil neue Kriminalitätsphänomene hervor und bedingen mitunter aufwendigere Ermittlungen. Gerade in den vergangenen Jahren haben sich die Anforderungen in Bezug auf die Sicherheit verändert und weiterentwickelt - sei es im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung, der Verkehrssicherheitsarbeit, der Prävention oder der Einsatzlagen, wie beispielsweise der Begleitung von Versammlungen.

Andreas Rainer (von links), kommissarischer Leiter der Kriminaldirektion Fulda, Polizeipräsident Michael Tegethoff und Polizeisprecher Dominik Möller stellten die Kriminalstatistik 2023 für das Polizeipräsidium Osthessen in Fulda vor.

„Diesen Herausforderungen möchte ich mich auch weiterhin mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern voller Engagement stellen“, sagte Polizeipräsident Michael Tegethoff: „Denn die Sicherheit der Menschen in unserer Region liegt mir sehr am Herzen.“

Im Deliktsbereich der Straftaten gegen das Leben wurden im Jahr 2023 insgesamt 15 Fälle registriert, was einem Rückgang um 14 Fälle entspricht und damit den niedrigsten Wert seit Bestehen des Polizeipräsidiums Osthessen bedeutet. Alle Straftaten sind dem Deliktsbereich des Totschlags zuzuordnen.

Fast drei Viertel der Taten blieben im Versuchsstadium (11 Fälle bzw. 73,3 Prozent). In sieben Fällen wurde ein Messer als Tatmittel eingesetzt (2022: 15 Fälle). Mit 14 von 15 aufgeklärten Straftaten gegen das Leben liegt die Aufklärungsquote in Osthessen bei 93,3 Prozent und somit auf dem zweitbesten Niveau der letzten Jahre.

Straftaten gegen das Leben erreichen Tiefststand: Rückgang um 14 Fälle

„Gerade Tötungsdelikte sind besonders verwerfliche Taten, die sich maßgeblich auf das Sicherheitsgefühl der Menschen vor Ort auswirken können“, macht Andreas Rainer, kommissarischer Leiter der Kriminaldirektion Osthessen, deutlich und ergänzt. „Daher laufen unsere Ermittlungen nach Bekanntwerden einer solchen Straftat sofort mit Hochdruck an und führen meist zu schnellen Festnahmeerfolgen.“

So konnten erst kürzlich die Ermittler einer eingerichteten Arbeitsgruppe bei der Bad Hersfelder Kriminalpolizei einen 43-jährigen Lkw-Fahrer aus Rumänien, rund drei Wochen nach einer Schussabgabe auf einen Lkw auf der A7 bei Niederaula, als Tatverdächtigen ermitteln.

Die Anzahl an Körperverletzungsdelikten stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht um 60 auf 2082 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 92,4 Prozent. Bei den Fällen von häuslicher Gewalt sind die Zahlen in Osthessen nach einem kontinuierlichen Anstieg innerhalb der letzten Jahre erstmals seit 2018 wieder rückläufig. So wurden 2023 insgesamt 697 Fälle polizeilich registriert, was einem Rückgang von 20 Fällen im Vergleich 2022 entspricht. Über 80 Prozent der Opfer sind Frauen, fast drei Viertel aller Fälle Körperverletzungen.

„Jede verhinderte Straftat ist ein Erfolg – für jeden einzelnen Bürger, aber auch für uns als Polizei

Michael Tegethoff, Polizeipräsident

Im Deliktsfeld Raub und räuberische Erpressung bewegen sich die bekannt geworden Straftaten mit 106 Fällen auf einem konstant niedrigen Niveau seit 2021 und deutlich unter den registrierten Taten von 2020 mit 120 Fällen. Die Aufklärungsquote stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte auf 70,8 Prozent.

Mit vielfältigen polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Straßenkriminalität, wie zum Beispiel der Videoüberwachung an neuralgischen Punkten und einer hohen sichtbaren Polizeipräsenz mit vermehrten Kontrollen, trage die osthessische Polizei dazu bei, dass sich die Menschen in unserer Region sicher fühlen können, hieß es.

Im Vergleich zu 2022 stieg die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 187 auf 1.835 Fälle, was insbesondere auf den Anstieg der allgemeinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mit Cannabis (+159 Fälle) zurückzuführen ist. Diese stellen mit 947 Fällen auch den größten Anteil bei den Rauschgiftdelikten dar. Die Aufklärungsquote liegt bei 89,0 Prozent (2022: 95,0 Prozent).

Weniger Wohnungseinbrüche: 300-Marke wieder unterschritten

Die Zahlen im Deliktsfeld des versuchten und vollendeten Wohnungseinbruchsdiebstahls bewegen sich laut Polizei in Osthessen seit Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau. Nachdem die 300-Marke in 2022 erstmals seit 2017 wieder überschritten wurden, gingen die Fallzahlen in 2023 um 46 auf 271 Fälle zurück – mehr als jeder Dritte Einbruch (41 Prozent) blieb im Versuchsstadium.

Somit konnten die Fallzahlen des Wohnungseinbruchsdiebstahls in Osthessen seit 2016 (400 Fälle) im Schnitt fast dauerhaft um ein Drittel gesenkt werden. Auch die Aufklärungsquote bleibt – trotz eines Rückgangs um 3,1 Prozentpunkte – auf einem beständig hohen Niveau und erreicht mit 26,6 Prozent den drittbesten Wert der letzten 15 Jahre.

Für den Bereich der Internetkriminalität wurden in 2023 insgesamt 1803 Fälle registriert, was einem Anstieg um 202 Fälle im Vergleich zu 2022 entspricht. Damit bewegen sich die Fallzahlen - trotz Rückgängen in den Jahren 2021 und 2022 - bereits seit 2019 auf einem konstant hohen Niveau. Die Aufklärungsquote liegt bei 88,9 Prozent.

2023 wurden 271 Wohnungseinbruchdiebstähle in Osthessen gemeldet. Mehr als jeder Dritte Einbruch (41 Prozent) blieb dabei im Versuchsstadium.

Rund 40 Prozent aller Straftaten sind Vermögensdelikte. „Prävention spielt eine entscheidende und grundlegend wichtige Rolle in der Kriminalitätsbekämpfung“, sagte Polizeipräsident Michael Tegethoff: „Jede verhinderte Straftat ist ein Erfolg – für jeden einzelnen Bürger, aber auch für uns als Polizei.“

Nach einem kontinuierlichen Anstieg innerhalb der letzten Jahre sind die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 2023 erneut um 129 auf nunmehr 736 Fälle angestiegen. Damit haben sich die Fallzahlen seit 2017 mehr als verdreifacht. 92,9 Prozent dieser Straftaten wurden 2023 aufgeklärt (2022: 93,2 Prozent).

Im Deliktsbereich des sexuellen Gewalt gegen Kinder stiegen die registrierten Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 25 auf 140 Fälle relativ deutlich an. Den größten Anteil an den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stellt jedoch das Delikt „Verbreitung pornografischer Inhalte“ mit 419 Fällen dar.

Nach einem kontinuierlichen Anstieg innerhalb der letzten Jahre stiegen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 129 auf nunmehr 736 Fälle an.

Hier sei ein Anstieg um 20,4 Prozent bzw. 71 Fälle im Vergleich zu 2022 zu verzeichnen. Damit haben sich die Zahlen in diesem Deliktsbereich seit 2017 (39 Fälle) sogar mehr als verzehnfacht. Rund 55 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen gehören der Altersgruppe bis 21 Jahren an. Fast jeder dritte Tatverdächtige ist zwischen 14 und 17. „Hinter jedem Realmissbrauch steht ein kindliches Leid und das gilt es, mit aller Entschlossenheit zu verhindern“, so Polizeipräsident Tegethoff.

Die Zahl der Straftaten, bei denen Polizistinnen oder Polizisten Opfer einer Straftat geworden sind, ist im Jahr 2023 – nach dem bisherigen Höchststand in 2021 - zum zweiten Mal in Folge wieder leicht rückläufig. Mit 140 Fällen (2022: 147 Fälle) bewegen sich die Fallzahlen seit 2017 jedoch nach wie vor auf einem konstant hohen Niveau.

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Insgesamt 274 Polizeibedienstete wurden 2023 als Opfer registriert – hinzu kommen 18 Rettungskräfte und ein Feuerwehrmann. Den größten Anteil bei den Polizisten stellt der Widerstand gegen bzw. der tätliche Angriff auf Vollstreckungsbeamte mit 123 Fällen (2022: 128 Fälle) dar.

„Es bereitet mir nach wie vor Sorge, dass Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber unserer Polizei und allen anderen Einsatzkräften der Feuerwehr und Rettungsdienste spürbar zugenommen haben“, sagte Michael Tegethoff. „Meine Kolleginnen und Kollegen stehen tagtäglich für die Sicherheit der Menschen ein und verdienen daher Respekt und Anerkennung. Jeder Angriff auf unsere Einsatzkräfte, ist ein Angriff auf unseren Rechtsstaat. Das dürfen wir nicht tolerieren.“

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