VonEden Sophie Rimbachschließen
Mit dem Aufbau von Verschwörungserzählungen und Fake-News haben sich Jugendliche an der Adam-von-Trott-Schule in Sontra beschäftigt.
Sontra – Wie prüft man, ob eine Quelle seriös ist? Wie erkennt man Verschwörungstheorien? Und wie sind sie eigentlich aufgebaut? Bei einem Projekttag haben sich die achten Klassen der Adam-von-Trott-Schule Sontra mit dem Thema Fake-News beschäftigt. Dafür hat Magnus Hose, Bildungsreferent der Stiftung Adam von Trott, Imshausen, die Schule besucht, an der der Workshop erstmals stattgefunden hat. „Jeder hatte schon damit zu tun, allein in Corona“, weiß der 13-jährige Marco. Seine Mitschüler aus den beiden Realschulklassen 8Ra und R8b erzählen, dass sie unter anderem mitbekommen, wie sich falsche Nachrichten und Verschwörungserzählungen über das Kurzvideoportal TikTok verbreiten, das gerade bei Jugendlichen sehr beliebt ist.
Ziel des Tages ist laut des Bildungsreferenten, sie dafür zu sensibilisieren, wie sie mit dem umgehen, mit dem sie unter anderem durch die sozialen Medien konfrontiert werden. Wichtig dabei: „Der Raum ist hier ein bewertungsfreier Raum.“ Das gilt beim Projekttag von Anfang an. Als Einstieg hat Hose eine Positionslinie gewählt, auf der sich die Jugendlichen von „Ja“ bis „Nein“ oder auf Positionen dazwischen stellen sollen – entsprechend ihrer Meinung zu einer Aussage. Eine dieser Aussagen, auf die die Jugendlichen reagieren sollen: „Eine geheime Gruppe bestimmt, wie die Regierung handelt und Gesetze beschlossen werden.“ Die Positionslinie diene zum einen dazu, darüber zu sprechen, was hinter den Ansichten und Positionen steht, und zum anderen, den Jugendlichen vor Augen zu führen, dass sich die Meinungen meist nicht auf bloßes Zustimmen oder Ablehnen beziehen, sondern es Grauzonen gibt.
„Die Welt ist, so wie sie ist, extrem komplex“, sagt Magnus Hose zu den 32 Jugendlichen, als er erklärt, dass Verschwörungserzählungen für ihre Anhänger die Funktionen der Sinnstiftung, Identifikation, Manipulation und Legitimation erfüllen. Dafür nennt er Beispiele aus den vergangenen Jahren. Eine Verschwörungserzählung, die den Jugendlichen laut Henry (14) auf den sozialen Medien begegne, ist die von einer flachen Erde. In Gruppen beschäftigen sich die Jugendlichen weiter mit dem Aufbau der Erzählungen. Friedrich (13) sagt, dass er gut unterscheiden könne, bei welchen Inhalten es sich um Fake-News handle. Auch mit Clickbait, also mit reißerischen Bildern und Überschriften, die nicht der Wahrheit entsprechen und zum Klicken auf Inhalte wie Videos verleiten sollen, und mit falschen Verkaufsangeboten über soziale Medien wie Facebook hatten einige Jugendliche bereits zu tun. An einem der Gruppentische entsteht mit dem Bildungsreferenten ein Gespräch darüber, wie YouTuber mit sehr einfachen Inhalten viel Geld verdienen können und welche Rolle die Zuschauer dabei spielen.
Ab der fünften Klasse betreibe die Schule laut Nicole Albrecht, Klassenlehrerin der R8a, Aufklärung zum Umgang mit digitalen Medien und Inhalten. Zur intensiven Beschäftigung mit dem Thema des Projekttags fehle allerdings laut Jörg Rittenbach, Klassenlehrer der R8b, im normalen Schulalltag die Möglichkeit. An der Schule nehmen Schülerinnen und Schüler aller Klassen an Projekten mit der Stiftung teil. Der Kerngedanke sei, so Rittenbach mit Blick auf Adam von Trott als Namensgeber, „dass der Name mehr gelebt wird.“ Das beginnt mit Besuchen bei der Stiftung in der fünften Klasse, reicht über Projekte wie dieses bis hin zum dreitägigen E-Phasen-Seminar. Im November haben Schule, Stiftung und die Stadt Sontra ihre Kooperation besiegelt (wir berichteten). Rege sind die Diskussionen am Projekttag. Am Ende empfiehlt Magnus Hose als Werkzeuge zum Prüfen von Inhalten mehrere seriöse Internetseiten und lädt mit der Aufgabe, sich eine eigene Verschwörungserzählung auszudenken, zum Perspektivwechsel ein und das Problem zu zeigen, „dass wir bei Verschwörungstheorien nicht mehr argumentativ weiterkommen“. (Eden Sophie Rimbach)
