VonFlorian Dörrschließen
Am Frankfurter Hauptbahnhof wird ein Mann hingerichtet. Mehrere Schüsse fallen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Bluttat.
Frankfurt – Brutale Tat am Frankfurter Hauptbahnhof: Am Dienstagabend (20. August) wurde ein Mann vor einem Gleis erschossen. Noch sind viele Fragen offen. Doch einiges über den Fall ist bereits bekannt und bestätigt. Die wichtigsten Informationen im Überblick.
Gegen 21 Uhr fielen mehrere Schüsse an Gleis 9 des Frankfurter Hauptbahnhofs. Ein Mann wurde getroffen und war sofort tot. Laut ersten Medienberichten hatte der Täter seinem Opfer in den Kopf geschossen. Das bestätigte am frühen Mittwochnachmittag (21. August) Staatsanwalt Dominik Mies.. Ursprung dieser ersten Information war wohl ein Augenzeuge, der mit der Deutschen Presseagentur gesprochen hatte. Der Angriff soll demnach unvermittelt erfolgt sein. Diese Information deckt sich mit Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Mittwochvormittag. Dort heißt es: Der Täter habe sich von hinten seinem Opfer genähert und mehrere Schüsse abgegeben. Inzwischen ist laut Mies klar: Es waren drei Schüsse. Ein erster in den Kopf, zwei weitere, als das Opfer auf dem Boden lag. Der Täter versuchte zunächst zu fliehen, doch er kam nicht weit, wurde wenige Meter vom Tatort entfernt – an Gleis 7 – von der Bundespolizei festgenommen. Er soll dabei keinen Widerstand geleistet haben.
In der Folge der tödlichen Schüsse wurde der Frankfurter Hauptbahnhof am Dienstagabend für 25 Minuten gesperrt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn sowie S-Bahnen, Busse und Straßenbahnen, die den Hauptbahnhof anfahren, fielen ganz oder in Teilen aus. Auch nach der Freigabe des Hauptbahnhofs war für die Ermittler die Arbeit vor Ort noch nicht beendet: Erst gegen 4.30 Uhr am frühen Mittwochmorgen, nachdem die Spurensicherung abgerückt war, wurde der Bereich um den Tatort an Gleis 9 von der Mordkommission wieder freigegeben. Im Rahmen der umfangreichen Maßnahmen fanden die Ermittler auch die mutmaßliche Tatwaffe und stellten sie sicher. Es handelt sich dabei um eine Pistole, derer sich der Täter bei seiner kurzen Flucht entledigt hatte.
Mit einer Pressemitteilung am Mittwochvormittag hatte sich die Polizei mit ersten Details zu dem Opfer und dem Tatverdächtigen geäußert. Die Informationen waren jedoch zunächst eher spärlich. Nur soviel: Bei dem Opfer handelte es sich um einen 27-Jährigen. Der Festgenommene ist 54 Jahre alt. Er soll am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Beide sind türkische Staatsangehörige. Am frühen Nachmittag legte Staatsanwalt Dominik Mies nach: Der Täter ist in Baden-Württemberg wohnhaft. Laut Bild soll es sich um einen Döner-Wirt aus dem Schwarzwald handeln. Das Opfer habe in Deutschland aktuell keine Meldeadresse gehabt. Unklar bleibt offiziellen Angaben zufolge, in welchem Verhältnis die beiden Männer zueinander standen. Was zur nächsten Frage führt.
Offiziell unklar ist weiterhin, aus welcher Motivlage der 54-Jährige sein Opfer an Gleis 9 des Frankfurter Hauptbahnhofs von hinten hingerichtet hat. Von der Polizei gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Bei Polizei und Staatsanwaltschaft Frankfurt heißt es lediglich: Die Ermittlungen, insbesondere zu den Hintergründen der Tat, dauern an. Allerdings gibt es inzwischen Anhaltspunkte, die von türkischen Medien in Umlauf gebracht wurden. Demnach steckt eine jahrelange Blutfehde zwischen zwei kurdischen Großfamilien hinter der Hinrichtung.
Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

