VonNiklas Hechtschließen
Florian Dörrschließen
Nach den tödlichen Schüssen vom Frankfurter Hauptbahnhof berichten türkische Medien über einen lange währenden Streit zweier Großfamilien. Liegt hier das Motiv des Täters?
Update vom Freitag, 23. August, 16.41 Uhr: War das Motiv der Tötung am Frankfurter Hauptbahnhof eine Fehde zwischen kurdischen Großfamilien? Diesen Verdacht äußerten in den vergangenen Tagen mehrere türkische Medien übereinstimmend.
Bestätigen mag die Frankfurter Staatsanwaltschaft diese Tatkonstellation derzeit nicht. Es gebe allerdings durchaus Hinweise, die diesen Verdacht zuließen, sagte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Dominik Mies, am Freitag gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Es werde weiter auf Hochtouren ermittelt. Mies wies zudem darauf hin, dass in den Medien in den vergangenen Tagen veröffentlichte Personalien zum Teil nicht zutreffen seien.
Steckt Großfamilien-Blutfehde hinter Hinrichtung im Frankfurter Hauptbahnhof?
Erstmeldung vom Freitag, 23. August, 8.39 Uhr: Frankfurt – Die tödlichen Schüsse mitten im Frankfurter Hauptbahnhof sorgen auch Tage nach der Tat für Diskussionen. Am Dienstagabend (20. August) hatte ein Mann einen 27-Jährigen in der Bahnhofshalle an Gleis 9 mit drei Schüssen in den Kopf getötet. Ein 54-Jähriger wurde kurz darauf von Beamten der Bundespolizei festgenommen. Inzwischen fordern Politiker Konsequenzen. Doch eine große Frage ist noch ungeklärt: Welches Motiv hatte der Täter?
Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich bislang nicht offiziell dazu geäußert. Doch türkische Medien berichten nun übereinstimmend, dass eine bereits lange andauernde Blutfehde zweier kurdischer Großfamilien hinter der Hinrichtung vom Frankfurter Hauptbahnhof steckt.
Medienberichte: Schüsse in Frankfurt als Racheakt nach Morden in der Türkei
Amtlich bestätigt ist, dass es sich sowohl bei dem 27-jährigen Opfer als auch bei dem 54-Jährigen, der unter dringendem Tatverdacht steht, um türkische Staatsbürger handelt. Ersterer hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland, Zweiterer ist in Baden-Württemberg gemeldet.
In türkischen Medien wie der Tageszeitung Sabah heißt es jetzt: Bei den tödlichen Schüssen vom Hauptbahnhof Frankfurt handelte es sich um einen Racheakt. Demnach soll der 27-Jährige, der nun an den Folgen der Kopfschüsse starb, im Mai dieses Jahres bei Antalya selbst ein Familienmitglied des nun Festgenommenen getötet haben. Er floh den Angaben zufolge daraufhin nach Deutschland. Doch auch die Tat aus dem Mai soll eine Geschichte haben. Demnach war der dabei getötete Geschäftsmann für die Ermordung des Bruders des 27-Jährigen im Jahr 2016 verantwortlich, wie es in türkischen Medien heißt. Der Konflikt beider Großfamilien zieht sich den Angaben zufolge bereits über lange Zeit. Der Mord vom Frankfurter Hauptbahnhof könnte der bislang letzte Akt gewesen sein.
Bislang keine offizielle Bestätigung für Motiv-Berichte zu Hinrichtung am Frankfurter Hauptbahnhof
Der mutmaßliche Täter von Gleis 9, laut Bild ein Döner-Wirt aus dem Schwarzwald, wurde demnach von seiner Familie beauftragt, Rache zu nehmen an dem 27-Jährigen.
Bestätigt ist all das von Polizei und Staatsanwaltschaft Frankfurt nicht. Offiziell ist nicht bekannt, in welchem Verhältnis das Opfer und der mutmaßliche Täter stehen, warum sie am Frankfurter Hauptbahnhof aufeinandertrafen und weshalb die tödlichen Schüsse mitten in der wuseligen Bahnhofshalle und unweit zahlreicher Passanten fielen.

