Urteil trifft Teo-Märkte

Allianz für freien Sonntag lobt Tegut-Urteil: Teo-Mini-Märkte bleiben sonntags zu

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Der Sprecher der „Allianz für den freien Sonntag“ begrüßt den „Schutz vor dem 24-Stunden-Prinzip“, den das Tegut-Urteil seiner Meinung nach bedeutet.

Der vergangene Freitag, als das „Tegut“-Urteil bekannt wurde, war ein guter Tag für die Allianz für den freien Sonntag Hessen und deren Sprecher Bernhard Schiederig. Warum sie es begrüßen, dass die „Teo“-Läden sonn- und feiertags schließen müssen, erklärt Schiederig im FR-Interview.

Herr Schiederig, wie schaden die recht kleinen, ruhigen Automaten der Sonn- und Feiertagsruhe?
Ich halte den Begriff Automat für problematisch. Es handelt sich um 50 Quadratmeter große Läden mit 950 Artikeln, also ein großes Sortiment. Hessen hat seine Öffnungszeiten im Handel schon ausgeweitet, auf montags bis samstags 0 bis 24 Uhr. Der Sonntag ist der einzige freie Tag und vom Grundgesetz aus guten Gründen geschützt. Sonn- und Feiertage dienen der Gemeinschaft; wir brauchen sie für Familie, Freunde, als Schutz vor dem Rund-um-die-Uhr-Prinzip – erst Recht beim Konsum.
Fast 1000 Artikel vom Apfel bis zur Zahnpasta gibt es im Teo. Angebot und Preise bewegen sich zwischen Tankstelle und Discounter.
Der Handelsverband nannte die Einschränkungen bei „personallosen und voll digitalisierten“ Automaten „innovationshemmend“.
Was soll an einem etwa 50 Quadratmeter großen Laden, der auf die Straße gestellt wird, innovativ sein? Und dass er ohne Menschen betrieben wird, ist eine Mär. Die „Automaten“ müssen etwa beliefert und befüllt werden. Von der Öffnung an Sonn- und Feiertagen sind auch Beschäftigte betroffen.

Allianz für den freien Sonntag zu Teo-Märkten: „Mehrheit nutzt das Angebot nicht“

Was ist etwa mit Milchautomaten?
Das ist nicht mit einem großen Sortiment wie bei Tegut zu vergleichen. Wenn ein Bauer auf seinem Hof Milch und Eier anbietet und dies gelegentlich nach Ladenschluss genutzt wird, ist das kein Problem.
Bernhard Schiederig war bis zu seinem Ruhestand lange Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi und ist nach wie vor Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Hessen, in der Organisationen der evangelischen und katholischen Kirche sowie Verdi zusammenarbeiten. gha/Bild: Martin Weis
Die Teos sicherten die Versorgung im ländlichen Raum, heißt es.
In kleineren Orten, in denen die Läden nicht den gewünschten Umsatz erzielen, werden sie abgebaut – und an lukrativeren Standorten im Ballungsraum aufgebaut.
Fulda und der OB Heiko Wingenfeld (CDU) teilten mit, sie hofften auf eine Gesetzesänderung.
Dass Wingenfeld das Lied von Tegut singt, ist klar. Die Firma sitzt in Fulda und gehört zu den größten Gewerbesteuerzahlern. Es handelt sich um einen nicht nachvollziehbaren Wettbewerbsvorteil für Tegut, von dem Fulda profitiert, und der Konkurrenten unter Druck setzt nachzuziehen.
Was ist mit der These, dass das 24-Stunden-Prinzip die Profitabilität und Stellen sichere?
Ich habe keine schlüssige Begründung dafür gehört, Läden rund um die Uhr zu öffnen. Die Mehrheit nutzt das Angebot nicht, weshalb etwa Discounter in der Regel um 21/22 Uhr schließen. Die längeren Öffnungszeiten haben weder Pleiten noch Entlassungen verhindert. Wir müssen uns fragen, ob den Menschen die Zeit oder das Geld zum Einkaufen fehlt. Auch der Blick in andere Länder überzeugt nicht: In Bayern ist bis 20 Uhr geöffnet. Die Umsätze sind höher.

Interview: Gregor Haschnik

Rubriklistenbild: © Björn Friedrich

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