- VonSven Kühlingschließen
Weil VW wirtschaftlicher arbeiten will, hat der Vorstand Teile des Haustarifs gekündigt. Heute beginnen Gespräche zwischen IG Metall und Konzernspitze.
Kassel/Baunatal – Wenn am heutigen Mittwoch in Hannover die Tarifverhandlungen zwischen VW-Vorstand und IG Metall beginnen, dann sitzt ein Stück weit auch das VW-Werk Kassel in Baunatal mit am Tisch. Zumindest sind einige Vertreter aus dem zweitgrößten deutschen VW-Standort in der 50-köpfigen Verhandlungskommission auf der Arbeitnehmerseite vertreten. Das bestätigt Baunatals Betriebsratschef Carsten Büchling. „Aus Kassel sind wir zu fünft.“
Neben den Offiziellen, zu denen auch Büchlings Stellvertreter, Christian Wetekam, und Nordhessens Erster IG-Metall-Bevollmächtigter Oliver Dietzel gehören, sind am Verhandlungsort auch zahlreiche Protestler aus Nordhessen am Start. Laut Betriebsrat reisen Metaller aus Baunatal in fünf Bussen in die niedersächsische Landeshauptstadt. Er rechne insgesamt mit bis zu 3000 Teilnehmern verschiedener Standorte, „die ihren Unmut äußern“, so Büchling.
Kündigung des VW-Haustarifes sorgt für Verunsicherung
Vor 14 Tagen hatten die Verantwortlichen des Konzerns gleich mehrere Teile des VW-Haustarifes gekündigt. Unter anderem die Beschäftigungsgarantie bis 2029, die Regelungen für Leiharbeiter und das Übernahmeversprechen für Azubis. Auch Werkschließungen wurden im Zuge der Sparmaßnahmen des offensichtlich angeschlagenen Autobauers nicht ausgeschlossen.
Seither herrscht unter den 15 500 Beschäftigten in Baunatal vor allem Verunsicherung. Einige sprachen auch von Ängsten. Die Stimmung ist noch genauso“, sagt Büchling. Das habe man auf den inzwischen im Werk gestarteten Abteilungsversammlungen festgestellt. Die Gefühlslage vieler Mitarbeiter reiche von Enttäuschung bis Wut.
Gewerkschaft drängte auf vorgezogene Tarifverhandlungen
Nach der Kündigung des Haustarifvertrages durch den Vorstand in Wolfsburg hatte die Gewerkschaft auf ein Vorziehen der ohnehin im Oktober anstehenden Tarifverhandlungen gedrängt. Das geschieht jetzt mit Auftakt am heutigen Mittwoch. Ab 11 Uhr sitzen die Tarifparteien zusammen. Laut Büchling kommen neben den bisherigen Forderungen der IG-Metall – 7 Prozent mehr Lohn, 170 Euro mehr für Azubis – auch die jüngsten Sparbeschlüsse auf den Tisch. „Der Druck ist dadurch nun größer“, sagt der Arbeitnehmervertreter.
Grundsätzlich bleibe die Gewerkschaft trotz der jüngsten Entwicklung bei ihren Forderungen. Wie schnell man sich einigen könne, darüber will Büchling jetzt noch nicht spekulieren.
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