Autobahn Sontra

Tunnel neu ausgeschrieben: A 44-Baustopp bei Sontra beendet

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Plötzlich Schluss: Auf Höhe des Sontraer Stadtteils Mitterode endet die A 44 zwischen Wichmannshausen und Sontra derzeit.
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Der A 44-Baustopp ist beendet. Trotz der Wiederaufnahme der Baustelle bei Sontra werden mindestens fünfeinhalb Jahre vergehen, bis der Abschnitt fertig ist.

Sontra – Trotz der Wiederaufnahme der Baustelle an der A 44 bei Sontra werden wenigstens 66 Monate – also fünfeinhalb Jahre – vergehen, bis dieser Abschnitt fertiggestellt ist. Das geht aus der Ausschreibung für den Tunnel Holstein hervor, die in dieser Woche erneut veröffentlicht wurde. Sollte mit dem Bau des Tunnels wie vorgegeben im Herbst begonnen werden, ist mit einer Fertigstellung dieses elf Kilometer langen Abschnitts der A 44 zwischen Kassel und Herleshausen dennoch nicht vor 2030 zu rechnen. Ursprünglich war die Fertigstellung mal für 2025 angedacht.

Zur Erinnerung: Im Spätsommer 2023 bestätigte die Deges erstmals offiziell den Baustopp an dem Abschnitt zwischen Sontra-West und der Talbrücke Riedmühle. „Das Vergabeverfahren für die Herstellung des Tunnels Holstein musste aufgehoben werden, weil keines der eingegangenen Angebote die technischen und organisatorischen Vorgaben für die zu erbringenden Leistungen vollumfänglich erfüllt hatte“, gab Deges-Sprecherin Pia Verheyn im November als Antwort auf eine Anfrage unserer Zeitung. Dieses Vergabeverfahren war bereits im Frühjahr 2023 gescheitert, die Baustelle war inzwischen geräumt. Jetzt, mit einem Jahr Verspätung, ist die EU-weite Ausschreibung für den Tunnel erneut veröffentlicht. „Die aktuelle Ausschreibungsunterlage beschreibt den gleichen Leistungsumfang und wurde im Hinblick auf zwischenzeitlich aktualisierte Regelwerke angepasst“, heißt es derweil von der Deges zu der gerade erfolgten Veröffentlichung.

Laut Vergabeplattform werden von der Bieterin der 1.650 Meter lange Tunnel Holstein mit zwei Röhren und 3,8 Kilometer vierspurige Strecke gefordert. Drei Brückenbauwerke sind vorgesehen. Millionen Kubikmeter Erde werden bewegt, 110.000 Quadratmeter Asphalt verlegt, Hunderte Kilometer an Kabel-Leerrohren und Entwässerungsleitungen vorbereitet. Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt hofft, dass weitere Verkehrswege gleichzeitig hergestellt werden, um die Freigabe 2029/2030 zu gewährleisten. Die verzögerte Fertigstellung besorgt indes die Bewohner des Ulfetals. Die Sontraer Stadtteile wie Krauthausen, Breitau und Ulfen befürchten mehr Verkehr und mehr Unfälle (wie am Mittwoch, 14. Februar) auf der Bundesstraße 400, wenn sowohl aus Richtung Herleshausen als auch aus Richtung Waldkappel die A 44 genutzt wird, zur Überbrückung aber auf die B 400 ausgewichen werden muss.

Mit gut einem Jahr Verzögerung scheint die Ausschreibung des Tunnels Holsteins jetzt doch umgesetzt zu werden. Bis dahin war es ein langer Weg mit einigen Missverständnissen. Rückblick: Im vergangenen Sommer mehrten sich die Berichte rund um Wichmannshausen und Sontra, dass an der A44-Baustelle nicht mehr weitergebaut werden sollte. Bauarbeiter hatten Bemerkungen fallen lassen, die von offizieller Seite nicht bestätigt wurden. Irgendwann zogen die Baumaschinen ab und aus der Vermutung wurde traurige Gewissheit. Von den Behörden gab es weiter kein offizielles Statement dazu. Sie schoben sich die Verantwortung für die Berichtspflicht gegenseitig hin und her. Am Ende kam heraus: Es konnte überhaupt nicht weitergebaut werden, weil der Tunnel Holstein zwischen Wichmannshausen und Sontra, elementarer Bestandteil des Autobahnabschnitts zwischen Sontra-West und der Talbrücke Riedmühle, noch nicht mal ausgeschrieben war. Monate gingen ins Land, ohne dass die Öffentlichkeit informiert wurde. Selbst Landtags- und Bundestagsabgeordnete wie Lena Arnoldt (CDU) oder Michael Roth (SPD) bekamen keine zufriedenstellenden Auskünfte.

Dann kam heraus: „Im Frühjahr 2023 musste das Vergabeverfahren für die Herstellung des Tunnels Holstein aufgehoben werden, da keine verwertbaren Angebote abgegeben wurden“, teilt die Sprecherin der Deutschen Autobahn-Gesellschaft (Deges), Pia Verheyen, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Strabag bereits den Zuschlag für den Bau des Tunnels erhalten. Weil sie aber einzige Bieterin war, konnte das Angebot nicht angenommen werden. Die Gemüter kochten daraufhin hoch. Denn Experten vermuteten eine Verzögerung der Fertigstellung der Autobahn um weitere Jahre. Ursprünglich war eine Freigabe der Strecke mal für 2025 vorgesehen. Nach der neuesten Ausschreibung sollten die Pessimisten recht behalten.

Weiterhin ungeklärt ist indes die Freigabe des Teilstücks zwischen Waldkappel und Wichmannshausen inklusive der Wehretalbrücke. Zwei Eröffnungstermine im vergangenen Jahr wurden verschoben. Aktueller Stand: Im Herbst 2024 soll die Strecke freigegeben werden. (Tobias Stück)

Abseits des Tunnels wird weitergebaut

Die weiteren Bauarbeiten zwischen Sontra-West und der Talbrücke Riedmühle wurden zwischenzeitlich unabhängig von der Herstellung des Tunnels Holstein fortgeführt, berichtet die Deges. Auch Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt hat eine kleinteilige Fortführung bemerkt. In den vergangenen Monaten hatte die Stadtverordnetenversammlung von Sontra eine Resolution zum Weiterbau der A 44 verabschiedet. Weitere Kommunalparlamente hatten sich angeschlossen. (ts)

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