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Im Werra-Meißner-Kreis soll ein Pflege-Bauernhof entstehen. Er soll die erste Senioren-Wohngemeinschaft mit Pflegemöglichkeiten im Kreis werden.
Werra-Meißner – Bauernhöfe sind dafür prädestiniert, dass man hier alt werden kann. Seit jeher war es so, dass es auf landwirtschaftlichen Betrieben einen Altenteil gab, in denen die Senioren des Hofes ihren Lebensabend verbringen durften. Daran besteht wieder ein erhöhtes Interesse – das haben die Evangelische Familienbildungsstätte, das Reallabor Werra-Meißner, der Kreisbauernverband und der Fachbereich Soziales und Senioren des Landkreises festgestellt. Jetzt suchen sie eine Immobilie, in welcher der Traum von einem sogenannten Pflege-Bauernhof wahr werden könnte.
„Das Thema Pflege-Bauernhof ist derzeit im Werra-Meißner-Kreis sehr aktuell“, sagt Birgit Elbracht, pädagogische Leiterin des Familienbildungszentrums. Toni Neuenroth vom Fachbereich Soziales und Senioren berichtet, dass alternative Wohnformen im Masterplan „Älter werden“ des Kreises, der jetzt im Kreistag verabschiedet werden soll, bereits berücksichtigt sind. In Kooperation mit dem Reallabor Werra-Meißner und dem Werra-Meißner-Kreis hat die FBS bereits zweimal zu unterschiedlichen alternativen Wohnformkonzepte für das Alter informiert. „Jedes Mal hatte der Pflege-Bauernhof den meisten Zulauf“, berichtet Elbracht. Diesen Schwung wolle man nutzen. Deswegen rufen die Organisatoren jetzt dazu auf, mögliche Bauernhöfe zu melden, in denen die Idee umgesetzt werden könnte. Wie die Idee konkret mit Inhalt gefüllt wird, folgt in einem späteren Schritt.
Gesucht wird ein klassischer landwirtschaftlicher (noch aktiver) Betrieb, ein Resthof oder ein größeres Gebäude im Werra-Meißner-Kreis. „Der besteht idealerweise aus einem Wohnhaus, Stallungen und einer Scheune sowie einer Obstwiese und vielleicht einem Hausgarten“, beschreibt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands das Profil. Aus seiner Erfahrung heraus weiß er, dass es solche Anwesen, die meistens nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, noch häufig im Landkreis gibt. „Es geht allerdings nicht darum, dass jemand seine Immobilie möglichst problemlos loswerden will“, sagt die Geschäftsführerin der Familienbildungsstätte, Gudrun Lang. Wer möchte, kann nach einem altengerechten Umbau hier wohnen bleiben. „Wer verkauft, sollte auch den richtigen Spirit mitbringen“, sagt Roth.
Was ist eigentlich ein Pflege-Bauernhof? Entstehen soll die erste Senioren-Wohngemeinschaft mit Pflegemöglichkeiten im Werra-Meißner-Kreis. Das infrage kommende Anwesen würde seniorengerecht ausgebaut werden und bekäme alle Annehmlichkeiten, die man sich im Alter wünscht: Gemeinschaft, Pflege, Versorgung.
Ein Pionierprojekt ist der Betrieb von Guido Pusch in Marienrachdorf in Rheinland-Pfalz. Mit 30 Hektar war sein Betrieb zu klein, um dem Druck des Wachse-oder-Weiche standhalten zu können. „Als die Nachfolge geregelt werden musste und auch noch die Oma krank wurde, standen wir vor einem Problem“, berichtet er. Eine weitere Intensivierung des Betriebes entsprach nicht der Vorstellung der Familie. Dann haben sie die soziale Landwirtschaft für sich entdeckt. „Damit die eigene Oma auf dem Hof ihren Lebensabend verbringen konnte, haben wir viel Geld in die Hand genommen und eine Scheune und das Wohnhaus umgebaut.“ Die erste Bauernhof-WG war entstanden. Mit Stand von Mai hat der Initiator Guido Pusch zwölf Höfe in sechs Bundesländern in Planung. Über 100 Anfragen von Interessenten laufen laut Pusch derzeit. (Tobias Stück)
Konakt
Wer seinen klassischen Bauernhof zur Verfügung stellen würde, kann sich Im Fachbereich Soziales und Senioren an Claudia Schwalm unter claudia.schwalm@werra-meissner-kreis.de wenden. Angebote nimmt auch der Kreisbauernverband entgegen: info@kbv-werra-meissner.de (ts)