VonChristoph Manusschließen
Die Mieten für Wohnungen in Frankfurt sind erneut kräftig gestiegen, eine Trendwende ist nicht absehbar. Ein Grund: Eigentumswohnungen sind so teuer, dass viele doch lieber mieten.
Frankfurt – In Frankfurt eine halbwegs günstige Wohnung zu finden, bleibt extrem schwierig; die Mieten steigen gar auf immer neue Höchststände. Nach Zahlen des Maklerverbands IVD-Mitte ist für eine bestehende Dreizimmerwohnung mit 75 Quadratmetern Fläche in guter Lage inzwischen mit einer Miete von etwa 16,50 Euro pro Quadratmeter zu rechnen.
Nach Beobachtung von Immoscout24 sind die Mieten für Bestandswohnungen in Frankfurt in nur einem Jahr um sieben Prozent gestiegen, die für Neubau sogar um 9,3 Prozent. Für eine bestehende durchschnittliche Zweizimmerwohnung mit 70 Quadratmetern werden demnach nun 14,52 Euro, für Neubauten 17,90 Euro pro Quadratmeter verlangt. Nur München ist nach dieser Aufstellung des Immobilienportals noch teurer. Die Konkurrenz Immowelt sieht das Niveau etwas niedriger. Für eine typische Zweizimmerwohnung mit 60 Quadratmetern werden nach dessen Angaben derzeit 14,11 Euro pro Quadratmeter verlangt, 3,2 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Eigentumswohnungen in Frankfurt trotz sinkender Preise für viele kaum zu finanzieren
Dass die Angebotsmieten weiterhin kräftig steigen, hat zumindest auch mit der eingebrochen Zahl an Wohnungskäufen zu tun. Obwohl die Preise in Frankfurt seit dem Rekordjahr 2021 um etwa ein Fünftel gesunken sind, wurden im vergangenen Jahr nur 1427 Eigentumswohnungen im Stadtgebiet veräußert. Manche warten ab, ob die Preise ein noch geringeres Niveau erreichen, viele können sich die angebotenen Immobilien angesichts der gestiegenen Finanzierungskosten und gerade für Neubauten immer noch sehr hoher Preise aber schlicht nicht leisten.
Wohnungsmakler Frank Alexander weist darüber hinaus auf viele Unsicherheiten hin, die den Markt im Jahr 2023 geprägt hätten, etwa in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, dem Stopp von KfW-Fördermitteln und dem Gebäudeenergiegesetz. Viele potenzielle Käufer:innen hätten sich zunächst vom Traum einer eigenen Immobilie verabschiedet, sagt der Pressesprecher des IVD-Mitte. Die Folge: „Die Nachfrage nach Mietwohnungen steigt und die Mieten steigen mit“.
Maklerhaus sieht riesige Preisdifferenz bei Wohnraum in Frankfurt verschiedener Energieklassen
Nun könnte sich die Situation auf dem Immobilienmarkt langsam wieder verändern. Der Maklerverband IVD sieht die Bodenbildung bei den Kaufpreisen erreicht, den Negativtrend gestoppt. Langsam kämen die Interessenten wieder aus ihrer „Schockstarre“, heißt es.
Auch das Frankfurter Maklerhaus von Poll geht davon aus, dass sich der Markt langsam stabilisiert habe. Nach den Preisen für Wohnimmobilien seien nun auch die Zinsen etwas günstiger geworden, die Finanzierbarkeit also gestiegen. Das Unternehmen weist zudem darauf hin, wie groß der Unterschied zwischen den Preisen für Wohnraum verschiedener Effizienzklassen derzeit ist. Für eine Immobilie mit einer Energieklasse von A oder B seien in Frankfurt im Schnitt 7637 Euro, für solche der Klassen E bis H nur 4900 Euro pro Quadratmeter zu zahlen, rechnet man bei von Poll vor.
