VonChristoph Manusschließen
Die Zeit, in der die Preise für Wohnungen in Frankfurt stiegen und stiegen, ist vorbei. Für die meisten sind sie trotzdem unbezahlbar. Das zeigen neue Zahlen des Gutachterausschusses.
Die Preise für Eigentumswohnungen in Frankfurt sind nach etwa zehn Jahren mit permanentem starken Anstieg nun das zweite Mal in Folge gesunken. Nach Zahlen des Gutachterausschusses für Immobilienwerte, der alle Kaufverträge im Stadtgebiet auswertet, wurden diese im vergangenen Jahr im Schnitt für 5250 Euro pro Quadratmeter verkauft. Damit lag das Preisniveau gut 15 Prozent unter dem des Jahres 2022 und sogar mehr als 19 Prozent unter dem 2021 erreichten Rekordwert. Erstmals seit vielen Jahren sanken 2023 trotz hoher Baukosten sogar die Preise für Neubauwohnungen.
Fast die Hälfte der Eigentumswohnungen wechselte für weniger als 5000 Euro pro Quadratmeter den Eigentümer, vor zwei Jahren waren es noch lediglich 27 Prozent gewesen. Nur für fünf Prozent der Wohnungen wurden 10.000 Euro oder mehr bezahlt. 2021 waren das noch elf Prozent gewesen. Diese Entwicklung hat allerdings auch mit dem nachlassenden Bau von Hochhäusern mit superteuren Wohnungen zu tun.
Nur 1427 Wohnungen sind 2023 in Frankfurt verkauft worden
Trotz der seit Mitte 2022 stark gesunkenen Preise in fast allen Baualtersklassen ist der Verkauf von Eigentumswohnungen beinahe eingebrochen. Laut Gutachterausschuss kam es zu lediglich 1427 Abschlüssen, darunter nur 90 Neubauten. 2022 waren noch immerhin 1942 Wohnungen in Frankfurt verkauft worden.
Der Rückgang der Transaktionen hat nach Einschätzung des Gutachterausschusses zum einen mit Kaufinteressenten zu tun, die abwarten, um für einen vielleicht noch geringeren Preis zu kaufen. Andere könnten angesichts der stark gestiegenen Finanzierungskosten bei immer noch relativ hohen Preisen ihre Pläne nicht mehr realisieren.
Investoren bekommen Neubauwohnungen in Frankfurt nicht mehr so leicht verkauft
Michael Debus, der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses, wies am Dienstag etwa auf ein Neubauprojekt mit 420 Einheiten hin, bei dem 2,5 Jahre nach Vertriebsbeginn erst 200 von 420 Wohnungen verkauft seien. Seit Ende 2022 laufe der Verkauf sehr schleppend. Teils versuchten Investoren, die kalkulierten Preise zu halten und nähmen in Kauf, dass sich der Verkaufszeitraum um Jahre verlängert. Andere könnten sich das nicht leisten und reduzierten die Preise. Beides könne, wenn das Grundstück sehr teuer erworben wurde, zu großen Problemen führen, sagte Debus. Die Gefahr von Insolvenzen steige.
Immobilienmarkt 2023 in Frankfurt
Immobilien sind in Frankfurt im vergangenen Jahr für etwa 3,3 Milliarden Euro verkauft worden. Das ist der geringste Umsatz seit Jahren. 2022 hatte dieser bei 5,1 Milliarden, 2021 bei 7,3 Milliarden Euro gelegen.
Den Einbruch beim Umsatz und der Zahl Transaktionen führt der Gutachterausschuss für Immobilienwerte vor allem auf fehlende Großtransaktionen und Portfolioverkäufe im Gewerbebereich zurück. Auch auf dem Wohnungsmarkt gab es aber viel weniger Aktivität als sonst. Zu starken Umsatzrückgängen kam es etwa bei Mehrfamilienhäusern und Eigentumswohnungen. cm
In der Krise sind auch die Preise für Grundstücke für Geschosswohnungsbau, die zuletzt auf immer neue Rekordwerte stiegen, deutlich gesunken. Die neue Vorsitzende des Gutachterausschusses, Christine Helbach, nahm auch das zum Anlass, für ein antizyklisches Bauen zu werben und dafür, neue Projekte anzugehen.
Frankfurt Stadtrat Gwechenberger wirbt für Bau von Mietwohnungen
Der Frankfurter Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) setzt sich in Gesprächen mit großen Entwicklern von Wohnraum dafür ein, dass diese umsteuern und Mietwohnungen statt Eigentumswohnungen bauen oder das Gebäude an einen Bestandshalter verkaufen, der die Einheiten vermietet. Angesichts der stark gestiegenen Zinsen seien Neubauwohnungen derzeit kaum noch einzeln zu verkaufen, sagte der Stadtrat. Nötig sei es zudem, „die Baukosten in den Griff“ zu bekommen. In Gesprächen mit Akteuren wie ABG und Nassauische Heimstätte suche man nach Lösungen, wie sich mit etwas geringeren Standards Baukosten von Brutto 3500 Euro pro Quadratmeter erreichen ließen.
Für 2024 hält der Gutachterausschuss eine Stabilisierung der Preise für Wohnungen für möglich. Die Mieten dürften nach dessen Einschätzung, schon wegen des anhaltenden Wachstums der Stadt, dagegen weiter steigen. Auch das könne dazu führen, dass der Erwerb von Eigentum sich für manche wieder mehr rechne.
