VonMichael Krügerschließen
Die Debatte um die Absetzung von Manfred Radtke als Landschaftswart in Rotenburg dauert an. Die Grünen bringen das Thema an diesem Donnerstag in den Rat ein. Sie fordern künftig öffentliche Entscheidungen und einen transparenteren Umgang zwischen Verwaltung und Ehrenamt.
Rotenburg – Die Ehrenamtszeit von Manfred Radtke als Landschaftswart in Rotenburg ist am Wochenende nach acht Jahren gegen dessen Absicht zu Ende gegangen, sein Nachfolger Heiko Nalesinski ist im Amt. Die Art seiner Absetzung sorgt aber weiter für kontroverse Diskussionen in der Kreisstadt. Während der Landkreis formal keine Fehler bei der Benennung sieht, will die Ratsfraktion der Grünen die Vorgänge prüfen lassen. Sie hat dazu Akteneinsicht bei der Stadt beantragt und bringt das Thema an diesem Donnerstagabend in den Stadtrat.
Knappe Mehrheit im Kreisausschuss
Wie bekannt, hatte die Stadt im Rat auf ihr Vorschlagsrecht für die nächsten drei Jahre des Ehrenamts verzichtet. Hintergrund war die Empfehlung der Verwaltung um Bürgermeister Torsten Oestmann, wegen eines nicht mehr vorhandenen Vertrauensverhältnisses einen Neuanfang in diesem Bereich ohne Radtke anzustreben. Die ebenso vorschlagsberechtigte AG der Naturschutzverbände im Landkreis nominierte Radtke trotzdem. Einen Gegenkandidaten gab es bis wenige Stunden vor Abgabefrist für die entscheidende Sitzung des nicht öffentlichen Kreisausschusses nicht. Dann doch: Von der Rotenburger Jägerschaft und dem Landvolk wurde Nalesinski ins Spiel gebracht – und nach kontroverser Diskussion im Kreisausschuss mit sechs zu drei Stimmen bei zwei Enthaltungen gewählt. Anschließend hieß es von Kreistag-Mehrheitsführer Eike Holsten (CDU), der auch im Stadtrat sitzt: „Der Rotenburger Stadtrat hat sich auf Bitten von Bürgermeister Oestmann, im Sinne seiner Verwaltung, gegen die Verlängerung der Zusammenarbeit mit Manfred Radtke ausgesprochen. Da es seitens der vorschlagsberechtigten Jägerschaft einen alternativen, guten Vorschlag gibt, ist die Kreistagsmehrheit diesem gefolgt.“
Dieser Vorgang ist aus unserer Sicht zweifelsfrei dem Betreiben der CDU unter ihrem Fraktionsvorsitzenden Eike Holsten zuzurechnen.
Die Rotenburger Ratsfraktion der Grünen hält dieses Vorgehen für nicht korrekt, wie Sprecher Stefan Fuchs betont. Ein Vorschlagsrecht des Landvolkes oder der Jägerschaft sei nach den Kreistagsbeschlüssen zur Bildung einer Landschaftswacht von 2014 nicht gegeben. Fuchs: „Insofern hätte der Vorschlag von Herrn Nalesinski im Kreisausschuss überhaupt nicht auf diesem Wege eingebracht werden dürfen. Dieser Vorgang ist aus unserer Sicht, auch aufgrund entsprechender Ankündigungen im Vorfeld, zweifelsfrei dem Betreiben der CDU unter ihrem Fraktionsvorsitzenden Eike Holsten zuzurechnen.“ Darüber hinaus sei es „moralisch fragwürdig“, dass nach Erkenntnissen aus Gesprächen „die Ablösung Radtkes auch durch das Naturschutzamt des Landkreises im Hintergrund bereits seit Jahresbeginn betrieben wurde, ohne das mit ihm selbst das Gespräch gesucht wurde.“
Fuchs hat mit seiner Parteikollegin Elisabeth Dembowski zu Beginn der Woche ein Gespräch mit Bürgermeister Oestmann und der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann geführt. Es sollten Akten gesichtet werden, die belegen, dass Radtke wie nach Darstellung der Verwaltung sein Ehrenamt nicht korrekt geführt habe. Allerdings lasse sich „grob festhalten, dass praktisch keine Akten vorliegen, die eine Untermauerung der Vorwürfe seitens der Verwaltung gestatten. Dies ist aus unserer Sicht ernüchternd, da somit die Aussagen der Stadtverwaltung konträr zu denen Manfred Radtkes in der Öffentlichkeit bestehen bleiben.“
Landkreis: Jeder darf Vorschläge machen
Der Landkreis teilt indessen mit, dass die Benennung Nalesinskis kommunalrechtlich korrekt verlaufen sei. „Jeder“ dürfe Vorschläge für einen Landschaftswart machen, zudem seien die Mitglieder im Kreisausschuss frei in ihrer Wahl. Man „könnte sogar Personen wählen, die niemand vorgeschlagen hat“, so Kreissprecherin Stefanie Heitmann. Der Fall Radtke sei auch kein Novum, 2017 habe es für den Bereich Gnarrenburg einen ähnlichen Vorgang gegeben: „Seinerzeit hat der Kreisausschuss den Landschaftswart der Gemeinde Gnarrenburg nicht wiedergewählt, obwohl die AG der Naturschutzverbände dies vorgeschlagen hatte. Stattdessen wurde auch damals der Vorschlag der Jägerschaft Bremervörde aufgegriffen und beschlossen.“
Fuchs: „Blamabel verlaufen“
Die Grünen bringen das Thema dennoch am Donnerstag in den Stadtrat ein. Der laut Fuchs „blamabel verlaufenen Benennungsprozess“ müsse aufgearbeitet werden. Künftig solle die Rolle des Landschaftswarts nicht mehr hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich diskutiert werden. Auch müsse die Zusammenarbeit oder Probleme damit amtlich dokumentiert werden. Manfred Radtke indes ficht das nicht mehr an. Der langjährige Grünen-Ratsherr und BUND-Kreisvorsitzender hat jede weitere Zusammenarbeit mit der Verwaltung ausgeschlossen: „Mein Fachwissen, meine Erfahrungen, mein Idealismus und mein Engagement für meine Heimatstadt stehen Rotenburg künftig nicht mehr zur Verfügung.“
