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Auch in Niedersachsen sorgt eine rassistische Umdichtung des Party-Hits „L‘amour toujours“ für Aufsehen. Die Polizei hat 28 Fälle registriert.
Hannover – Vor zwei Jahren (2022) gab es einen riesengroßen Wirbel um den Song Layla. In diesem Jahr ist es der Party-Hit „L‘amour toujours“ der die Schlagzeilen bestimmt. Hundertprozentig vergleichen lassen sich beide Fälle nicht. Bei Layla ging es um Passagen im Liedtext und bei „L‘amour toujours“ um eine inhaltliche Umdichtung.
Das Phänomen „ausländerfeindlicher Gesänge beziehungsweise inhaltlicher Umdichtungen des Originaltexts“ sei im November 2023 bekanntgeworden, sagte eine LKA-Sprecherin. Bei der Verbreitung hätten soziale Netzwerke eine Rolle gespielt. Etwa die Hälfte der bisher von der Polizei erfassten Fälle erfolgten laut LKA im Monat Mai. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass nachträglich noch mehr Taten gemeldet würden.
„L‘amour Toujours“: Fast 30 Fälle in Niedersachsen polizeibekannt
In Niedersachsen sind bisher 28 Fälle bekanntgeworden, in denen der Text des Party-Hits „L‘amour toujours“ rassistisch umgedichtet worden ist. Das teilte das Niedersächsische Landeskriminalamt in Hannover mit. Auch der NDR berichtete über die Zahlen (Stand 28. Mai).
Für große Empörung sorgt derzeit ein Video, das junge Besucher einer Bar auf der Nordsee-Insel Sylt zeigt, die zu der Melodie von „L‘amour toujours“ von Gigi D‘Agostino „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ grölen. Ein Mann macht eine Geste, die an den Hitlergruß denken lässt. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen. Der Vorfall löste bundesweit Empörung aus. Mittlerweile wurden in Deutschland zahlreiche ähnliche Vorfälle bekannt. So gibt es etwa in Nordrhein-Westfalen mehrere Fälle.
In Niedersachsen ermittelt inzwischen der Staatsschutz zu den Vorfällen. Innenministerin Daniela Behrens hatte sich am Montag für Konsequenzen ausgesprochen. Es sei wichtig, die Täter nicht nur zu identifizieren, sondern sie auch zu bestrafen, so die Ministerin. Die Verbreitung dieses „widerlichen Gedankengutes“ sei kein harmloser Partyspaß, machte die deutlich.
Auch auf einem mehrtägigen Schützenfest in Altendorf nördlich von Wolfsburg sollen rassistische Parolen gegrölt worden sein. Zudem liegt eine Tonaufnahme von einer Feier im ostfriesischen Emden vor, bei der Partygäste rassistische Parolen zu dem Lied „L’amour toujours“ gesungen haben sollen.
Schützenfest in Löningen: Nach „L‘amour Toujours“ verlassen Mitglieder den Verein
In Niedersachsen wurden rassistische Gesänge zu dem Party-Hit auf mehreren Schützenfesten bekannt. In Löningen bei Cloppenburg verließen mehrere Männer deshalb den Schützenverein. Sie wollten weiteren Schaden von dem Verein abwenden, wie der Vorstand des Schützenvereins Bunnen nach einer Vorstandssitzung Anfang dieser Woche mitteilte. Die Beteiligten hätten sich zudem selbst mit der Polizei in Verbindung gesetzt.
Am Dienstag wurde die Polizei im Landkreis Cuxhaven von Schülern alarmiert. Sie teilten mit, dass eine Gruppe Jugendlicher am Busbahnhof von Otterndorf auch die bekannten Parolen gröle. Die Polizei, der Landkreis, die Schule und andere Institutionen wollen als Reaktion darauf ein gemeinsames Zeichen für Vielfalt setzen, unter anderem mit einer Aktion in sozialen Medien.
Der Polizeidirektor der Polizeiinspektion Cuxhaven, Michael Hasselmann, lobte die Zivilcourage Schüler, die den Vorfall gemeldet hatten. „Auch wir verurteilen derartige Äußerungen und Verhaltensweisen aufs Schärfste. Die tatbeteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden mit entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen“, kündigte er an. Gleichzeitig müsse es gesamtgesellschaftliches Ziel sein, Aufklärung zu betreiben, um die möglichen Folgen aufzuzeigen. Mit Material der dpa.
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