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2023 gab es ein großes Fischsterben in den Flüssen Niedersachsens. Der Anglerverband warnt vor einer Wiederholung. Die Ursache ist Starkregen.
Zeven – Dass der menschengemachte Klimawandel existiert, ist wissenschaftlich erwiesen. Die Auswirkungen zeigen sich im Großen (extreme Wärme) und auch im Kleinen. So meldeten im Sommer 2023 Angelvereine, dass in Flüssen und Seen tote Fische schwimmen würden. Betroffen waren die Landkreise Rotenburg, Cuxhaven, Osterholz, Stade und Harburg. Zusammen mit dem Anglerverband Niedersachsen (AVN) suchten Angler nach der Ursache.
Aufgedeckt: Wetterextrem schuld an Fischsterben
Die Angler fanden die Ursache des Fischsterbens: Im Juni und Juli standen nach Starkregen viele Weideflächen unter Wasser. In Kombination mit den sommerlichen Temperaturen zersetzten sich schnell die Pflanzen. Dies ist ein Prozess, der dem Wasser sehr viel Sauerstoff entzieht, erklärt Florian Möllers vom AVN: „Wenn dieser Gift-Cocktail dann ins Gewässer gelangt, dann wird auch da der Sauerstoff dem Gewässer quasi komplett entzogen.“ Auf der Homepage heißt es: Bei Sauerstoffwerten unter 3 Milligramm pro Liter bis sogar 0,0 mg/l verendeten insbesondere große Fische innerhalb weniger Stunden und Tage.
„Was uns enttäuscht hat, war, dass auf Landesebene die Behörden wie der NLWKN oder auch das Dezernat für Binnenfischerei sich überhaupt nicht zuständig fühlten, geschweige denn die Ministerien – weder das Ministerium für Umwelt noch das Ministerium für Landwirtschaft“, sagt Florian Möllers beim NDR. Angeblich fand keine Dokumentation und Kompensation statt. „Das ist bis heute nicht passiert und das enttäuscht uns maßlos“, so Möllers.
Die eher kleinen Flüsse und Seen in Niedersachsen könnten bald häufiger von Starkregen-Folgen betroffen sein: Der AVN zitiert im Bericht die Prognose der Klimawirkungsstudie Niedersachsen zu Starkregenereignissen. Gerade in der Region des 2023er-Fischsterbens könnten die zunehmen. Damit besteht auch ein Risiko für Fisch-Katastrophen wie vergangenes Jahr. Die Lösung kann nur sein, dass die Bewirtschaftung der Wiesen und Felder neben den Gewässern so gestaltet wird, dass Starkregen schneller abfließt.
Im Nachgang untersuchte der AVN die Gewässer, um herauszufinden, wie viele Fische noch in den betroffenen Flüssen leben. Das Ergebnis: In der am stärksten betroffenen Bade waren über 90 Prozent der Fische tot. An der Hamme wurde eine Tonne toter Fisch gefunden. Wie viele Fischnährtiere wie Krebse verendet sind, sei nicht überschaubar. Die Daten wurden in einem Bericht zusammengefasst. Dieser dient als Diskussionsgrundlage für Runde Tische, die in den kommenden Wochen in den Landkreisen und in Hannover unter Mitwirkung der Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt zusammenkommen.
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Patrick Pleul

