- VonChristian Walterschließen
„Hochwassertourismus“ ist derzeit ein großes Problem. Alle offiziellen Stellen stellen aktuell wiederholt und eindrücklich klar, dass es untersagt ist, Deichanlagen, deren Nahbereiche und Zuwegungen sowie Wehranlagen zu betreten.
Thedinghausen – Den derzeit vielerorts und auch in der Samtgemeinde Thedinghausen zu beobachtenden „Hochwassertourismus“ bezeichnen die einen als „Riesenproblem“, andere macht das Verhalten mancher Menschen schlicht „fassungslos“, etwa wenn sogar mit Autos auf Deiche gefahren wird, wie dieser Tage in der Samtgemeinde geschehen. Alle offiziellen Stellen – ob Verwaltungen der Gemeinden, Städte und des Landkreises, Kreisfeuerwehr, Polizei und andere – stellen aktuell wiederholt und eindrücklich klar, dass es untersagt ist, Deichanlagen, deren Nahbereiche und Zuwegungen sowie Wehranlagen zu betreten. Die Schutzbauwerke drohen dadurch beschädigt und Einsatzkräfte behindert zu werden. Zudem dient die Regelung, die die Samtgemeindeverwaltung wie berichtet mit einer entsprechenden Allgemeinverfügung in offiziellen Rahmen gegossen hat, dem eigenen Schutz und der Sicherheit aller.
Hunde sind im Freien an der Leine zu führen, um Wildtiere nicht wieder in Überschwemmungsgebiete zu treiben.
Und nicht zuletzt im Übrigen auch dem Wohl der Wildtiere, die ohnehin schon vor den Wassermassen flüchten müssen und durch Menschen an den Deichen und in anderen Rückzugsräumen zusätzlich gestresst und verängstigt werden. Diesbezüglich äußerte sich am Mittwoch auch Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz im Gespräch mit dieser Zeitung nachdenklich und verständnislos. Die Kreisfeuerwehr betont zudem: „Hunde sind im Freien an der Leine zu führen, um Wildtiere nicht wieder in Überschwemmungsgebiete zu treiben.“
Mein eindringlicher Appell an alle Neugierigen lautet: Lassen Sie es bleiben, gehen Sie irgendwo anders spazieren oder bleiben Sie zu Hause.
Auch Ministerpräsident Stephan Weil sah sich am Donnerstag bei einem Hochwasser-Ortsbesuch in Hodenhagen zu deutlichen Worten veranlasst: „Was gar nicht akzeptabel ist, ist der leider mancherorts zu beobachtende Katastrophentourismus. Mein eindringlicher Appell an alle Neugierigen lautet: Lassen Sie es bleiben, gehen Sie irgendwo anders spazieren oder bleiben Sie zu Hause. Die Helferinnen und Helfer haben alle Hände voll zu tun, viele arbeiten Tag und Nacht. Man darf ihnen ihre schwierige Arbeit wirklich nicht noch schwerer machen.“
Wie angespannt die Lage und wie belastet die Deiche vielerorts ohnehin schon sind, zeigte sich am Mittwoch bei Oiste und in der Nacht zu Donnerstag auch auf der anderen Weserseite bei Klein Hutbergen: Dort mussten die Feuerwehren und weiteren Helfer undichte Stellen an den Deichen mit Sandsäcken stabilisieren, weil durch die Wälle Wasser sickerte und Erdreich aus dem Inneren der Hochwasserbarrieren mit sich trug.
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Neben dem Betretungsverbot von Deichen, deren Umfeld sowie Wehranlagen betont die Kreisfeuerwehr zudem: „Überschwemmte Gebiete dürfen nicht betreten oder befahren werden, da selbst flach erscheinendes Wasser lebensgefährliche Strömungen aufweisen kann.“
Außerdem bitten die Einsatzkräfte: „Die Ortsfeuerwehren im Kreisgebiet sollten nur bei wirklichen Notfällen alarmiert werden.“ Wenige Zentimeter Wasser im Keller etwa mögen für den Einzelnen dramatisch sein. Hilfe ist hierbei durch die Feuerwehren aber schon allein technisch gar nicht möglich: Deren Pumpen können erst ab einem bestimmten Mindestwasserstand eingesetzt werden und können diesen lediglich verringern. Ein komplettes Trockenlegen von Kellern durch die Feuerwehr ist nicht möglich.
Rubriklistenbild: © Christian Walter


