Hochwasser-Großeinsatz: Weserdeich droht bei Verden-Hutbergen zu brechen

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Im Landkreis Verden wurde die Vorstufe des Katastrophenalarms wegen Hochwasserlage ausgerufen. Besonders betroffen: Hutbergen.

Verden – Die Einsatzkräfte der Feuerwehren und anderer Hilfsorganisationen im Landkreis kommen dieser Tage kaum zur Ruhe. Alarme rufen die Ehrenamtlichen nahezu pausenlos zur Hilfe. Auch wenn die Auswirkungen der Hochwasserlage sich vielfach noch in Grenzen halten, stellen sich zunehmend auch schwerwiegendere Folgen ein. In der Nacht zum Donnerstag, 28. Dezember, mussten 200 Einsatzkräfte in Verdens Ortschaft Hutbergen mit Sandsäcken am Deich anrücken, um einen Durchbruch zu verhindern. Die Lage verschärfte sich gestern vielerorts und so entschied sich der Landkreis, ein „außergewöhnliches Ereignis“ festzustellen.

Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage

Verden von oben fotografiert. Die Aller ist bis in die Altstadt über die Ufer getreten.
In Verden ist die Aller über ihre Ufer getreten. Die Südbrücke in die Altstadt wurde am Freitag wegen des Hochwassers gesperrt. © dpa
Hochwasser und Überschwemmungen der Aller in der Region Heidekreis nach tagelangen starken Regenfällen.
Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern. © Ulrich Stamm/IMAGO
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase.
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase. © Dorn
Feuerwehrleute stehen in der Nacht am Deich und reichen Sandsäcke.
Mit Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte Quellkaden auf, um die Schadstellen einzugrenzen. © Kreisfeuerwehr Verden/Oestmann
Hochwasser in Niedersachsen: Eine vom Wasser überspülte und abgesperrte Straße.
Die L330 zwischen Hoya und Hassel ist seit Donnerstagnachmittag wegen des Hochwassers unpassierbar. © Moritz Frankenberg/dpa
Einsatzkräfte bauen eine Sandsacke-Sperre gegen Hochwasser.
Auch am Serengeti-Park in Hodenhagen sind viele Helfer im Einsatz gegen das Hochwasser. © Philipp Schulze/dpa
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal Wörpe Wümme
Ein Gartenhaus steht hinter einem durchweichten Deichabschnitt an der Wörpe in Lilienthal. Durch das Hochwasser des Flusses sowie der nahegelegenen Wümme gab es in der Nacht einen Deichriss. © Focke Strangmann/dpa
Der Serengeti Park Hodenhagen von oben fotografiert. Mehrere Flächen sind überflutet.
Der Serengeti-Park in Hodenhagen steht teilweise unter Wasser. Viele Tiere müssen evakuiert werden. © Philipp Schulze/dpa
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laufen auf einer Straße.
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der aktuen Hochwasser-Lage. © Klaus Müller
Heidschnucken-Rettung der DLRG ist im vollen Gange.
Mehrere Heidschnucken wurden am Mittwoch von der DLRG in der Nähe von Hannover vor dem Hochwasser gerettet. © Karsten Hölscher/dpa/DRLG Wedemark
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover Hochwasser und Überschwemmungen der Leine
Hochwasser und Überschwemmungen bei Hannover © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover  © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Hochwasser und Überschwemmungen der Leine. © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover. © Ulrich Stamm/Imago
Hochwasser in Niedersachsen, Hagen-Grinden
Ein Wohnhaus am Deich auf der Weserinsel Hagen-Grinden. Das Hochwasser ist auch hier angekommen. © Christof Dathe/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Weser
Eine Schild „Parkplatz für Busse“ schaut aus dem Hochwasser. Der Wasserstand der Weser ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Angesichts anhaltender Regenfälle und gesättigter Böden bleibt die Hochwassergefahr in Teilen von Deutschland hoch. © Friso Gentsch/dpa
Hochwasser in Bremen-Borgfeld: Anwohner transportiert Nachbarn per Kanu
Ein Mann in Bremen-Borgfeld half per Kanu. Er brachte Anwohner zu ihren Häusern und transportierte Pumpen für die Feuerwehr. © Nord-West-Media TV
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße.
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße. © Archiv: Feuerwehr
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten.
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten. © Sigi Schritt
Hochwasser in Niedersachsen – Oker
Die hochwasserführende Oker überflutet in Oker teilweise die Promenade. Für die Flussgebiete der Oker und der Innerste warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor einer weiteren Verschärfung der Hochwasserlage. © Thomas Schulz/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Sarstedt
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht am Fluss Innerste im Landkreis Hildesheim. Weil machte sich an verschiedenen Orten ein Bild der angespannten Hochwassersituation in Niedersachsen. © Julian Stratenschulte/dpa
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten.
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten. © Rainer Jysch
Hochwasser in Niedersachsen
Das Hochwasser am Weserwehr im Landkreis Verden (Aufnahme mit Drohne). Zufahrt und Durchfahrt sind seit Weihnachten gesperrt. Laut der Behörden in Niedersachsen bleibt die Hochwasser-Lage in den nächsten Tagen weiter angespannt. © Christof Dathe/dpa
Stadtspeicher Hochwasser
Mit „Big Packs“ wird die Mauer am Rotenburger Stadtspeicher gestützt. © Michael Krüger
Hochwasser Samtgemeinde Hoya
Hochwasser Samtgemeinde Hoya © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Okertalsperre
Die Hochwasserentlastungsanlage lässt Wasser aus der komplett gefüllten Okertalsperre im Harz. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen die Ortschaft zu sichern, nachdem das Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda, über die Deiche trat. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Feuerwehr
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen mit Sandsäcken das Wasser in Schach zu halten. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Schloss Marienburg
Das Schloss Marienburg in der Region Hannover steht vor überfluteten Feldern am Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Ruthe im Landkreis Hildesheim
Hochwasser in Niedersachsen: Der Fluss Innerste mündet an der Ortschaft Ruthe im Landkreis Hildesheim in den Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa

Mit dieser Vorstufe des Katastrophenalarms hat der Landkreis einfacheren Zugriff auf Hilfskräfte. Er könne auch überörtliche Unterstützung und teilweise auch Materialien anfragen und diese gezielt zur Unterstützung vor Ort einsetzen, erklärt Kreissprecher Ulf Neumann in einer Pressemitteilung. „Die Städte und Gemeinden bleiben nach wie vor als untere Gefahrenabwehrbehörden zuständig, der Landkreis aber unterstützt die Kommunen mit Einsatzkräften und Mitteln des Katastrophenschutzes“, erklärt Landrat Peter Bohlmann zur Tragweite der Feststellung.

Mit Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte Quellkaden auf, um die Schadstellen einzugrenzen.

Beim Einsatz am Deich bei Hutbergen hatten die Einsatzkräfte der Feuerwehr aber die Lage allein bewältigt. Anwohner hatten die Wasseraustritte am Weserdeich gemeldet und Kontrollen der Feuerwehr hatten die drohende Instabilität bestätigt, berichtet Feuerwehrsprecher Dennis Köhler. „Nach ersten Qualmwasseraustritten bereits am Mittwochnachmittag in der Gemarkung Oiste, kam es auch am Allerdeich bei Klein Hutbergen zu mehreren Austritten.“

Schlauchbootverkehr im Verdener Fischerviertel.

Mit einem Großaufgebot an Kräften von Feuerwehr und THW seien in der Nacht wegen des Hochwassers mehrere sogenannte Quellkaden errichtet worden, so Köhler. Damit wollten die Helfer Austritte und die mögliche Ausspülung des Deichkörpers verhindern.

Das THW baute bei Eissel ein Ponton auf.

„Sollte es außergewöhnliche Beobachtungen an Deichen und Wehranlagen geben, können Bürgerinnen und Bürger diese zukünftig unter Angabe des Standortes und mit Bildern an hochwasser@tel-verden.de direkt melden“, appelliert Dennis Köhler an die Hilfsbereitschaft der Öffentlichkeit. Dabei sei aber in jedem Fall zwingend das Betretungsverbot der Deich- und Wehranlagen zu beachten. „Meldungen aus Thedinghausen, wo direkt mit Privatfahrzeugen auf dem Deich gewendet und Schäden in der Deichkrone verursacht wurden, machen fassungslos“, schreibt Köhler.

Seit Donnerstagmorgen ist die Verdener Ortschaft Eissel nicht mehr trockenen Fußes zu erreichen. Am Vormittag waren dann die Verdener Feuerwehren in der Altstadt im Einsatz. Die Feuerwehr machte sich daran, weitere Sandsackreserven aufzubauen, um für die noch bevorstehenden Pegelhöchststände von Aller und Weser gewappnet zu sein.

Eissel in Insellage: Den Zustand der Deiche hat die Feuerwehr auch dort im Blick.

Bereits seit Beginn des Hochwassers unterstützt der Landkreis die kreisangehörigen Kommunen. Die Technische Einsatzleitung, so berichtet Neumann, koordiniere in enger Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde, den Deichverbänden und Hilfsorganisationen sowie den Städten und Gemeinden die für den Deich- und Hochwasserschutz erforderlichen Maßnahmen und Einsätze.

Anliegerinnen und Anlieger in den Hochwassergebieten, so die Prognose der Unteren Wasserbehörde, müssten sich aber aufgrund von Deichsicherungsmaßnahmen vielerorts noch auf steigende Grundwasserstände einstellen.

Rubriklistenbild: © Kreisfeuerwehr Verden/Oestmann

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