VonHeinrich Krackeschließen
Das Textilunternehmen Ernstings kommt nach Verden – und beendet damit den Leerstand am Verdener Rathausplatz. Die Eröffnung ist Anfang 2024 geplant.
Verden – Sie verursachte einigermaßen Schlagzeilen, sie hatte Auswirkungen auf Verden. Die Insolvenz des Modeherstellers Gerry Weber führte an der Großen Straße zu einem weiteren Leerstand. 122 der insgesamt 171 eigenen Stores wurden im Sommer geschlossen, der in der Allerstadt gehörte dazu. Jetzt zeichnet sich eine Nachfolgelösung ab. Das Textilunternehmen Ernstings Family will die Ladenfläche übernehmen. Bisher ist es an der Hohen Leuchte vertreten. „Wir bestätigen, dass ein Umzug der Filiale in Verden in das Gebäude Große Straße 57 (ehemals Gerry Weber) geplant ist.“
Eröffnung von Ernstings in Verden: am 19. Januar soll neuer Standort eingeweiht werden
Im Grunde hat die Unternehmensgruppe mit Sitz im westfälischen Coesfeld schon Nägel mit Köpfen gemacht. „Der Eröffnungstermin am neuen Standort wird voraussichtlich am 19. Januar sein“, heißt es seitens des Unternehmens weiter. Bis dahin sollen die bereits laufenden Umbauarbeiten und der Designwechsel in und an dem Gebäude abgeschlossen sein.
Verden ist eine von 1 915 Filialen in Deutschland und Österreich, wie das Unternehmen mitteilt. Allein während der Corona-Zeit kamen noch einmal rund 50 Standorte hinzu. Rund 12. 000 Mitarbeiter stehen hier in Lohn und Brot. Den Jahresumsatz beziffert die GmbH mit 1,15 Milliarden Euro. Branchenexperten stufen Ernstings unter die Top Zwölf der größten Bekleidungshändler der Republik ein.
Neueröffnung von Ernstings: Verden ist eine von 1 915 Filialen
Die Geschichte des Unternehmens ist vergleichsweise kurz. Vor 56 Jahren schuf Kurt Ernsting in einer umgebauten Waschküche des Textilgeschäftes seiner Eltern einen ersten Selbstbedienungsladen. Im Jahr 1990 taufte sich der Textilanbieter auf den Namen Ernstings Family. Der Filialaufbau indes fiel rasant aus. Im Jahr 2010 eröffnete bereits der 1 500. Standort.
Auch für den Vorgänger am Standort in Verden geht es offenbar weiter. Der angeschlagene Modehersteller Gerry Weber aus Halle/Westfalen hat Mitte November grünes Licht für eine umfassende finanzielle Sanierung erhalten. „Der Restrukturierungsplan der Gerry Weber International AG hat Rechtskraft erlangt und kann umgesetzt werden“, erklärte das Unternehmen. Vorgesehen ist demnach unter anderem ein vollständiger Kapitalschnitt, durch den die derzeitigen Aktionäre „kompensationslos ausscheiden“.
Im Juni hatte Gerry Weber angekündigt, einen Großteil seiner Filialen in Deutschland zu schließen. Aktuell bleiben nach Angaben des Unternehmens noch 50 der ursprünglich 171 Stores und Outlets. Auch das Kunden-Geschäft in Österreich wurde demnach eingestellt.
Die Gerry Weber International AG verkauft nach eigenen Angaben „Mode im Modern Classic Mainstream“ in 54 Ländern. Den Markennamen Gerry Weber gibt es seit 1986, die Tochtermarke Taifun seit 1989. Anfang 2019 musste Gerry Weber bereits einmal Insolvenz anmelden, britische Investoren übernahmen damals das Unternehmen. Diesen Schnitt hatte die Filiale in Verden noch unbeschadet überstanden.
