Böllerverbot gefordert

Feuerwerk und Böller an Silvester: Stress für viele Tiere

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Silvester ist Stress für viele Tiere. Der NABU fordert daher ein Böllerverbot. Die Politik hält von einem generellen Böllerverbot nichts.

Hannover – Ein Feuerwerk gehört für viele Menschen zum Jahreswechsel dazu. Doch nicht überall dürfen Raketen und Co. abgeschossen werden. Im Land Bremen gibt es Feuerwerksverbotszonen. Doch Silvester bedeutet für viele (Wild-) Tiere wie Vögeln, Fledermäusen oder Rehen Stress. Darauf weist er NABU Niedersachsen hin.

„Die Knallerei und die Lichtreflexionen lösen einen Fluchtreflex aus – danach brauchen die Tiere sehr lange, um wieder zur Ruhe zu kommen. Die Flucht kostet wertvolle Energie, die sie aber gerade in kalten Winternächten zum Überleben brauchen“, erklärt Frederik Eggers, Naturschutzreferent beim NABU Niedersachsen. Der NABU appelliert daher, auf privates Feuerwerk zu verzichten und die Silvesternacht naturverträglich und wildtierfreundlich zu feiern. Auch bei Hund und Katze kommt ein Feuerwerk meist nicht gut an.

Feuerwerk und Böller an Silvester: Stress für Tiere

„Auch ohne ein privates Feuerwerk kann der Beginn des neuen Jahres gut gefeiert werden. Zentral organisierte Feuerwerke oder Lichtshows beispielsweise würden durch die Konzentration auf einen bestimmten Ort Müll und Lärm erheblich reduzieren. Wildtiere hätten so die Möglichkeit, in die Umgebung auszuweichen“, so Eggers. In diesem Jahr startet der Verkauf einen Tag früher. Ein Trendsetter ist das Bremerhavener Unternehmen Comet.

Vor allem Vögel reagieren stark auf den Lärm an Silvester. Wasservögel wie Enten und Gänse fliehen in Höhen von über 1.000 Metern, landen für lange Zeit nicht und kehren nur sehr zögerlich zu ihren Rast- und Schlafplätzen zurück. „Wenn Vögel in Schwärmen in großer Panik flüchten, ist die Gefahr einer Kollision mit Glasscheiben oder Stromleitungen sehr hoch. Wasservögel reagieren sogar noch in vier bis sieben Kilometern Entfernung mit Flucht auf ein Feuerwerk. Ein Feuerwerksverbot in der Nähe ihrer Rastplätze und von Schutzgebieten sollte daher selbstverständlich sein“, betont der Wildbiologe.

Vögel fliegen an Silvester oft stundenlang ängstlich in großen Höhen umher. Der Grund: das Feuerwerk und der Krach der Böller.

„Auch in der Nähe von bekannten Fledermausquartieren sollte kein Feuerwerk gezündet werden, da die Tiere sonst im Winterschlaf gestört werden. Selbst öffentliche Grünanlagen und Gärten sind keine geeigneten Orte für Feuerwerk, denn auch dort können sich Schlafplätze von Vögeln, Fledermäusen oder anderen Wildtieren befinden. In Waldnähe sind Feuerwerke aufgrund der Brandgefahr auf jeden Fall zu unterlassen.“

In der sensiblen Brutzeit von März bis August fordert der NABU, Feuerwerke grundsätzlich zu verbieten. „Feuerwerke während der Brutzeit können dazu führen, dass Vögel ihre Nester aufgeben und es keine Nachkommen gibt“, so der Naturschützer.

Viel Feinstaub beim Feuerwerk an Silvester

Neben den Auswirkungen auf die Tierwelt entstünden laut Umweltbundesamt jährlich rund 2.050 Tonnen gesundheitsgefährdender Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, davon mehr als drei Viertel in der Silvesternacht. Dazu kommt jede Menge Müll. Dieser bleibt oft tagelang liegen und wird teils nie eingesammelt. Durch Regenfälle werden giftigen Rückstände ungefiltert in Bäche, Flüsse sowie ins Grundwasser geleitet, mit Folgen für Mensch und Natur.

Zum Schutz und Erhalt der Biodiversität gilt es aus Sicht des NABU bisherige kulturelle Rituale zu hinterfragen und das Thema Feuerwerk am besten bundeseinheitlich zu regeln. Dass die Mehrheit der Bevölkerung dies mittragen würde, zeigt eine aktuelle und repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa. Knapp 60 Prozent der Befragten sprechen sich entweder für ein generelles Verbot oder nur professionelles Feuerwerk aus. Niedersachsens Innenministerin sieht dies anders.

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/Imago

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