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Trotz jährlicher Verletzungen durch Feuerwerkskörper spricht sich Niedersachsens Innenministerin gegen ein allgemeines Böllerverbot aus.
Hannover – Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens hat sich knapp vier Wochen vor dem Jahreswechsel gegen ein generelles Verbot von Feuerwerkskörpern ausgesprochen. „Ich beobachte durchaus mit Sorge, dass jährlich Tausende Menschen Verletzungen durch Feuerwerkskörper erleiden und damit zum Jahreswechsel auch die Rettungskräfte und die Polizei immer stark gefordert sind“, äußerte die SPD-Politikerin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Die Ministerin wies darauf hin, dass Feuerwerkskörper bei den Unruhen in der letzten Silvesternacht eine bedenkliche Rolle spielten. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger friedlich und verantwortlich mit dem Feuerwerk am Silvesterabend umgeht“, betonte Behrens.
Niedersachsens Innenministerin gegen allgemeines Böllerverbot: „Einrichtung von Feuerwerksverbotszonen in größeren Städten“
Es sei unklar, ob ein Verbot die Unruhestifter überhaupt beeinflussen würde, da diese oft bereits verbotene Pyrotechnik verwenden. „Ich halte daher die Einrichtung von Feuerwerksverbotszonen durch die Kommunen, insbesondere durch die größeren niedersächsischen Städte, für zielführender“, erklärte Behrens. Sie versicherte, dass die Polizei die Einhaltung dieser Verbote in der Silvesternacht strikt durchsetzen wird.
So gab es bereits in den vergangenen Jahren punktuell Böller-Verbots-Zonen.
In der letzten Silvesternacht musste die Polizei in Niedersachsen zu 3245 Einsätzen ausrücken. Dabei wurden 34 Angriffe auf Polizei-, Feuerwehr- und Rettungsdienstpersonal registriert. Auch in Hamburg prüft die Politik ein großes Böller-Verbot, wie 24hamburg.de berichtet.
Umwelthilfe und Polizeigewerkschaft für bundesweites Böller-Verbot
Organisationen wie die Umwelthilfe und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) setzen sich für ein bundesweites Verbot von Feuerwerkskörpern ein. Sie verweisen auf die Anzahl der Verletzten an Silvester, den Einsatz der Rettungskräfte, Luftverschmutzung und Tierleid. Laut Umwelthilfe haben bereits mehr als 166.000 Menschen einen offenen Brief für ein „böllerfreies Silvester“ unterzeichnet.
Wie es in vielen anderen Ländern auch üblich ist.
„Angesichts der enormen Schadstoffproduktion, den Müllansammlungen, dem hohen Unfallrisiko, dem Stress für viele Menschen und Tiere und nicht zuletzt den Angriffen auf Sicherheitskräfte im letzten Jahr plädieren wir für zentral organisierte Feuerwerke, wie es in vielen anderen Ländern auch üblich ist“, teilte die GdP Niedersachsen mit.
Johanniter: Alkohol-Konsum immer noch größtes Problem
Die Johanniter-Unfall-Hilfe äußerte, dass Feuerwerksverbote in Bezug auf Umwelt- und Tierschutz bedenkenswert seien. Allerdings machen Unfälle mit Feuerwerk nur einen relativ kleinen Teil der Rettungseinsätze an Silvester aus. „Der unkontrollierte Alkoholkonsum steht nach wie vor an erster Stelle“, so die Johanniter.
Der Landesverband privater Rettungsdienste in Norddeutschland (LPR Nord) spricht sich gegen ein generelles Verbot von Feuerwerkskörpern aus. In bestimmten Gebieten, wie etwa städtischen Ballungszentren, hält man ein Pyrotechnikverbot für angemessen. Ein allgemeines Verbot würde jedoch auch diejenigen treffen, die die Silvestertradition friedlich begehen.
Laut einer Umfrage steht die Mehrheit der Deutschen dem Silvesterfeuerwerk kritisch gegenüber. Ein Drittel (34 Prozent) lehnt das Feuerwerk entschieden ab, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur herausfand. Weitere 19 Prozent gaben an, dass sie Feuerwerkskörper und Raketen „eher nicht“ mögen. Nur 14 Prozent sind „voll und ganz“ für das traditionelle Silvesterfeuerwerk.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung bearbeitet und vor der Veröffentlichung vom Redakteur Fabian Raddatz sorgfältig geprüft.
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