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Gurdan Kerti, FDP-Direktkandidat für die Bundestagswahl, setzt sich für eine grüne Politik ein, die bezahlbar und zukunftsorientiert ist. Der 29-Jährige, der in der Energiebranche tätig ist, sieht die Notwendigkeit eines Kurswechsels in der Migrationspolitik.
Energie-, Wirtschaftswende und Migrationspolitik – das sind nur drei von sieben Punkten, mit denen Gurdan Kerti auf seiner Internetseite um Wähler wirbt. Kerti ist der Direktkandidat der FDP für die Bundestagswahl im Wahlkreis 35 „Rotenburg I - Heidekreis“. Der 29-Jährige wurde in Eisenach in Thüringen geboren und wohnt seit sechs Jahren in Munster. Seine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr führte ihn an den Standort im Heidekreis. In Munster lernte er seine Ehefrau kennen, die im elterlichen Restaurant kellnerte.
Kerti, der den Nachnamen seiner Ehefrau angenommen hat, war schon immer politisch interessiert und sieht sich mit der Wahl der liberalen Richtung als „Rebell“ in der Familie. Durch seine deutsche Großmutter hat ihn das Christentum stark beeinflusst – die Religionsgruppe der Sikhs, der sein Vater angehört, weise auch Ähnlichkeiten mit den christlichen Werten auf. Seine Mutter, ebenfalls ein „Rebell“, die in der DDR aufgewachsen ist, habe ihn eher links geprägt.
Während seiner Zeit bei der Bundeswehr absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Seit 2020 ist er Reserveoffizier und seitdem als selbstständiger Handelsvertreter für den Vertrieb von Energiekonzepten tätig. Dadurch kommt er viel mit Kunden ins Gespräch, die sich die Investition in Erneuerbare Energien nicht leisten könnten. „Ich merke an meinem Beruf, wie sehr die Umweltpolitik die Leute verunsichert.“
Kerti möchte eine Migrationspolitik ohne Vorurteile und Rassismus
Kerti sagt, dass die Politik leichter verständlich und auch bezahlbar sein muss. „Wir brauchen grüne Politik, die auch an die Zukunft und die Umwelt denkt und die Klimaziele weiterverfolgt.“ Er appelliert jedoch daran, diese Ziele mit Vernunft und Verstand zu verfolgen.
In Sachen Migrationspolitik ist sich der FDP-Politiker bewusst, dass etwas geschehen müsse. Am 29. Dezember 2024 verfasste sein Parteikollege Michael Kühnel, stellvertretender Vorsitzender Heidekreis und Mitglied des Landesvorstandes Niedersachsen, ein Schreiben mit dem Rückblick auf die Ampel und einem Ausblick aufs Jahr 2025. Darin schreibt Kühnel unter anderem, dass in der Migrationsfrage ein radikaler Kurswechsel nötig sei, um „die illegale Migration in den Griff zu bekommen“. Kühnel argumentiert, dass dieser „nur bei einer neuen Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP“ möglich ist. „Der Mut zu einer ebenso klaren Aussage der CDU wäre mehr als wünschenswert!“
Wir brauchen grüne Politik, die auch an die Zukunft und die Umwelt denkt und die Klimaziele weiterverfolgt.
In der vergangenen Woche ging es in der Migrationspolitik mit CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hoch her. Darauf angesprochen erklärt Kerti, dass er den Antrag und das dazugehörige Statement von Merz mit Bauchschmerzen wahrgenommen hat. Als Sohn einer Deutschen und eines Inders hat er Migrationshintergrund. Das Statement hat er sich mehrfach angesehen. „Beim ersten Mal war mein erster Gedanke: Gut, endlich mal jemand, der reagiert, der nicht die Sache auf sich beruhen lässt, sondern der jetzt auch mal Konsequenzen aus den aktuellen Vorfällen zieht, der endlich auch mal mit Politikvorstößen um die Ecke kommt.“
Bürokratieabbau, Förderung von Investitionen und Steuersekungen
Beim zweiten und dritten Mal hat er auf bestimmte Worte geachtet – wie etwa „ich per Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers“. Als freier Demokrat sei daraufhin schon ein wenig Unwohlsein aufgetreten. „Möchten wir wirklich Trump 2.0, der einfach irgendwelche Presidency-Orders unterschreibt, und dann ist das damit entschieden? Ist das wirklich der demokratische Weg, den wir gehen wollen?“ Der FDP-Direktkandidat wirft Merz vor, dass dieser mit „Vorschlaghammer Migrationspolitik“ betreibe. Seine Fraktion wirbt ebenfalls mit strengeren Regeln in der Migrationsfrage, jedoch dürfe diese nicht mit „Vorurteilen und Rassismus behaftet sein“.
Eine zu starke Überwachung der Migranten sei ein falsches Symbol und wäre kontraproduktiv für die Wirtschaft. Denn Kerti begrüße, dass Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten. Eine Migration in den Arbeitsmarkt wäre wünschenswert, in den vergangenen Jahren sei es eher eine Migration in den Sozialstaat gewesen. Daher ist eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt wichtig.
Beim Thema Wirtschaftswende hält Kerti Bürokratieabbau, Förderung von Investitionen und Steuersenkungen für nötig. Auch für die Landwirtschaft möchte sich der FDP-Direktkandidat starkmachen. „Landwirte sind Unternehmer, das sind junge Wirtschaftler und Betriebe, die wirklich hier was für die deutsche Wirtschaft tun. Die landwirtschaftliche Politik unterscheidet sich aber vielleicht von anderen wirtschaftlichen Unternehmen, und da muss man dezidiert nochmal drauf eingehen.“ Auch hier müsse ein Bürokratieabbau her.
Vita von FDP-Direktkandidat Gurdan Kerti
Der 29-jährige Gurdan Kerti ist in Eisenach in Thüringen geboren und aufgewachsen. Dort besuchte er gemeinsam mit seinem Bruder eine christliche Privatschule und machte 2014 Abitur. Anschließend hat er seine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr begonnen, der Weg führte ihn an den Standort Munster im Heidekreis. Seit 2020 ist er Reserveoffizier und als selbstständiger Handelsvertreter für den Vertrieb von Energiekonzepten tätig. 2023 ist Kerti in die FDP eingetreten und tritt bei der Bundestagswahl als Direktkandidat im Wahlkreis 35 „Rotenburg I - Heidekreis“ an.
Kerti ist kaum auf Plakaten im Wahlkreis sichtbar
Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam durch den Wahlkreis gefahren ist, dem wird aufgefallen sein, dass die Freien Demokraten erst sehr spät plakatiert haben. Während auf den Plakaten der SPD Lars Klingbeil und der CDU Vivian Tauschwitz groß abgebildet sind, ist auf den FDP-Plakaten – an den Laternen und auf den Wänden – überwiegend Christian Lindner in Schwarz-Weiß mit gelb hinterlegtem Spruch zu sehen.
Gurdan Kerti sucht man von Rotenburg bis kurz vor Munster vergebens. Im südlichen Heidekreis sieht es genauso aus. Erst ab dem Ort Alvern kurz vor Munster ist der Direktkandidat des Wahlkreises an den Laternen zu sehen – immer mit dem Spruch „Alles lässt sich ändern“. Er habe in seinem Umkreis selbst plakatiert, erklärt Kerti und hängt noch nach Abschluss des Termins eines an der Laterne vor dem familieneigenen Restaurant auf. „Ich hoffe nicht, dass sich das bei der Wahl rächen wird, dass wir unsere Karten auf Christian Lindner gesetzt haben“, so Kerti abschließend.
