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Aus Sicherheitsgründen werden Menschen in Barnstorf evakuiert, zum Schonen des Abwassersystems bittet die Gemeinde Stuhr Bürger Dixi-Klos zu nutzen. Weihnachten im Kreis Diepholz.
Barnstorf/Hoya/Lemförde/Stuhr – Die Weihnachtsfeiertage 2023 werden vielen Menschen im Landkreis als eine Zeit von Angst und Sorge in Erinnerung bleiben. An vielen Orten sind die Gewässer über die Ufer getreten. Schon an Heiligabend informierte die Kreisfeuerwehr, dass Bürgerinnen und Bürger aus Stuhr, Lemförde und Barnstorf Sandsäcke zum Eigenschutz abholen könnten. Vom 22. Dezember bis zum Nachmittag des 26. Dezembers leisteten die Feuerwehrkräfte etwa 270 Einsätze, wie Kreisfeuerwehrsprecher Lutz Budelmann in einer Pressemitteilung schreibt. Nach den jüngsten Prognosen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist mit einem weiteren Anstieg an den Messstellen Heide (Große Aue, Kirchdorf), Schäferhof (Hunte, Lemförde) und Hoya (Weser) zu rechnen.
Stuhr – Der Klosterbach tritt über die Ufer, das Abwassersystem ist voll und Bürger müssen Dixi-Klos verwenden
Der Heilige Abend hatte kaum begonnen, da mussten die Einsatzkräfte der Stuhrer Feuerwehren die Hoffnung auf ein ruhiges Fest aufgeben. Gegen 10 Uhr begann ein tagelanges Einsatzgeschehen. Neben zahlreichen vollgelaufenen Kellern wurde schon am Mittag festgestellt, dass der hohe Wasserstand an der Varreler Bäke den dortigen Deich destabilisierte und zu brechen drohte. Feuerwehr und Bauhof füllten Sandsäcke und brachten diese mit Unterstützung von Landwirten zur Deichsicherung an den Klosterbach. „Es ist beeindruckend, wenn man sieht, wie die Feuerwehr und die Gemeindemitarbeiter diese Situation meistern“, sagte Stuhrs Gemeindepressesprecher Frank Meierdiercks im Gespräch.
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Seit Samstagnachmittag hatte die Gemeinde dauerhaft einen Krisenstab mit Personal aus Feuerwehr und Verwaltung im Einsatz, erläuterte Meierdiercks weiter. Über die gesamten Weihnachtstage seien es 150 Feuerwehrkräfte, zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Baubetriebshofes sowie 30 aus der Verwaltung gewesen, die ihre Familie an diesen Feiertagen kaum sehen konnten.
Am Nachmittag des 25. Dezembers mussten dann Dixi-Klos an den Straßen Am Hexendeich und Grüne Straße aufgestellt werden: Das Abwassersystem konnte kein weiteres Wasser mehr aufnehmen. Anwohnerinnen und Anwohner wurden gebeten, den Wasserverbrauch so weit es geht einzustellen und stattdessen die Behelfs-WCs zu nutzen. Eine Besserung war auch einen Tag später noch nicht erreicht, wie Frank Meierdiercks erklärte, der aber von Zuversicht im Krisenstab und bei Bürgermeister Stephan Korte berichtete: „Wir brauchen noch ein bisschen Geduld, sehen aber, dass die Konstellation sich stetig verbessert.“
Schließlich musste der Bürgermeister eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Betreten aller Deichanlagen, deichnahen Bereiche und sämtlicher Zuwegungen untersagte. Einerseits, weil die aufgeweichten Deiche durch Betreten brechen könnten, andererseits, weil die aufgeweichten Böden eine Gefahr für die Betretenden selbst seien. Die Verfügung, ergänzte Frank Meierdiercks, sei auch eine Reaktion auf eine Vielzahl an Schaulustigen gewesen. Insgesamt berichtete er aber davon, dass diese Personen „viel Rücksicht genommen“ haben. Außerdem: „Die Einsatzkräfte erfahren viel Danksagung.“
Barnstorf – Die Hunte ist so voll, dass 4 Menschen evakuiert werden und der Strom teilweise abgestellt wird
Einen kritischen Punkt hatte der Wasserpegel der Hunte laut Barnstorfs Samtgemeindebürgermeister Alexander Grimm am Montag erreicht, als der Wasserstand die Huntebrücke erreichte. Über sie führt die Bundesstraße 51 durch den Barnstorfer Ortskern. Unter der Brücke liegen diverse Versorgungsleitungen. Durch Treibgut hätten diese beschädigt werden können. In Abstimmung mit den Stadtwerken Huntetal habe die Verwaltung die Gasversorgung vorsorglich umgeleitet.
Wie in Stuhr wurde auch in Barnstorf ein Krisenstab gebildet. Dieser hat am Dienstagabend entschieden, im Bereich Roggenberg eine Evakuierung anzuordnen. Von dieser waren bei Bekanntgabe am Abend durch eine Landkreismitteilung insgesamt vier Personen betroffen. Ein Teil dieser Personen soll in einer DRK-Senioreneinrichtung untergebracht werden, andere hätten Unterkunft bei Freunden, Bekannten und Verwandten erhalten.
Außerdem könnte im betroffenen Bereich vorsorglich der Strom abgestellt werden. „Dies wird je nach Pegelstand mit einer Vorlaufzeit von einer Stunde entschieden“, teilt die Kreisverwaltung mit. Mitarbeiter der Stadtwerke EVB Huntetal sollen am Dienstagabend nach einer Lösung dafür gesucht haben.
Auch sollte am Dienstagabend aus Sicherheitsgründen die Huntebrücke gesperrt werden. Samtgemeindebürgermeister Grimm ging am frühen Abend davon aus, dass die Sperrung zwischen 18 und 19 Uhr fertig eingerichtet ist. Eine Umleitungsstrecke wird ausgewiesen.
Diepholz, Lemförde – Die Hunte fließt in den Dümmer an dessen Südufer das Ochsenmoor vollständig überflutet wird
Am Diepholzer Stadtrand erreichte der Huntepegel ebenfalls die Flußbett-Oberkante. Das Wasser fließt vom Dümmer See in Richtung Diepholz. Der See ist am zweiten Weihnachtstag randvoll, stellenweise zeigen Bilder, dass am Ufer durch die Wassermassen Land abgetragen wird. Das Naturschutzgebiet Ochsenmoor ist fast vollständig überflutet worden.
Hoya – Die Weser tritt über die Ufer und die Feuerwehr füllt 10.000 Sandsäcke
Auch der Pegel der Weser steigt weiter an. Im Landkreis Nienburg wurden die ersten Straßen gesperrt. Die Logistikgruppe der Kreisfeuerwehr und mehrere Ortswehren aus der Samtgemeinde Hoya füllten 10 000 Sandsäcke, um für den Bedarfsfall gewappnet zu sein.
In Hoya gab es an den Feiertagen mehrere Treffen von Feuerwehr und Verwaltung, um das Vorgehen zu besprechen. Die Experten erwarten den Höchststand der Weser am Mittwoch oder Donnerstag, erklärt Feuerwehr-Pressesprecher Friedrich Brinkmann.
Weyhe – Nahe des Süstedter Bachs stehen rauchende Stromkästen im angestauten Wasser
Die Sudweyher Feuerwehr wurde vom hohen Pegel des Süstedter Bachs zu mehreren Einsätzen gezwungen. Die Feuerwehr schützte einen privaten Keller mit 150 Sandsäcken und musste eine Betonüberführung um 15 Zentimeter anheben, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Kurz darauf begann ein stundenlanger Einsatz auf einer Freifläche an der Heidstraße. Dort rauchten Stromkästen im angestauten Regenwasser. Die Stromversorgung musste dort unterbrochen worden. Als die Stromkästen mit Unterstützung der Feuerwehr Dreye, eines Landwirts und einer Tiefbaufirma trockengelegt waren, konnte der Stromversorger die Arbeit aufnehmen und die Stromversorgung wieder herstellen. Ein weiterer Landwirt hat laut Feuerwehrmitteilung anschließend einen Sandwall aufgeschüttet, um die Stromkästen zu schützen.
Syke – Die Hache liegt deutlich über ihrem normalen Pegel
Der Pegelstand der Hache in Syke-Barrien lag am zweiten Weihnachtstag bei knapp 90 Zentimetern. Der Normalfall dort laut Anwohnern: 20 Zentimeter.
Barenburg – Große und Kleine Aue führen viel Wasser und der Höchststand soll erst noch kommen
Arbeitsreiche Feiertage bescherte der Dauerregen der Ortsfeuerwehr Barenburg: Neben mehreren Einsätzen zum Auspumpen vollgelaufener Keller an Heiligabend waren die Mitglieder an allen drei Tagen mit dem Befüllen von Sandsäcken beschäftigt, wobei sie am zweiten Weihnachtsfeiertag Unterstützung erhielten von den Ortsfeuerwehren Holzhausen und Bahrenborstel. Ortsbrandmeister Volker Sielke beobachtet die Situation weiter, denn „die Pegel steigen noch.“
Siedenburg – Speckenbach und Siede machen Einsatz der Feuerwehr im überfluteten Rathauskeller notwendig
Das Hochwasser von Speckenbach und Siede beschäftigte über die Weihnachtsfeiertage die Ortsfeuerwehr in Siedenburg. An Heiligabend waren die Kräfte jeweils anderthalb Stunden im Einsatz, um die Keller des neuen Dorfzentrums und des Rathauses leer zu pumpen.
Am ersten Weihnachtsfeiertag benötigten die Einsatzkräfte sechs Stunden, das überflutete Gelände eines Bauunternehmens wieder trocken zu legen, und am zweiten Weihnachtsfeiertag war erneut ein vollgelaufener Keller Auslöser für einen Einsatz.
Rubriklistenbild: © Rainer Jysch






