Bestes Erststimmen-Ergebnis 2021

Knapp gewonnen, aber nicht unverwundbar: Rekord-Abgeordneter büßt bei Bundestagswahl in Ostfriesland ein

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Johann Saathoff gewinnt trotz kräftiger Stimmverluste das Mandat im Wahlkreis Aurich-Emden– der Sieg hing mehr am seidenen Faden und wurde durch einen besonderen Umstand gerettet.

Emden/Aurich - Bei der Bundestagswahl 2021 war er der gefeierte Held: Johann Saathoff (SPD). An der Nordseeküste holte er sich im Wahlkreis Aurich-Emden das beste Erststimmenergebnis bundesweit. Mit 52,5 Prozent der Stimmen und damit geschlagene 35,1 Prozent vor dem CDU-Kandidaten Dr. Joachim Lübbo Kleen. Doch bei dieser Wahl musste der Direktkandidat, so wie die SPD bundesweit, Federn lassen.

Trotz Wahlsiegs herber Stimmverlust bei den Erststimmen in Aurich-Emden

Der Emder errang zwar wieder das Direktmandat. Doch sein Erststimmenergebnis liegt bei der Bundestagswahl 2025 bei 41,21 Prozent der Stimmen (Stand: 24. Februar 2025, 10.17 Uhr) – ein Stimmverlust von mehr als zehn Prozent, wohingegen sein Widersacher von der CDU, Dr. Kleen, leicht Boden gut machen konnte mit einem Zugewinn von über fünf Prozent. Somit landet dieser bei 22,1 Prozent.

Dröselt man den Wahlkreis näher auf, dann wird es spannend und erkenntnisreich, denn der Vorsprung und auch der Sieg Johann Saathoffs hing an einem seidenen Faden und der heißt: Emden. Auf den Ostfriesischen Inseln, dem Küstenfestland und auch der Region in und um Aurich gewann er, wenn überhaupt, hauchzart. In Großheide, das an Aurich angrenzt, gewann die AfD, in Großefehn die CDU. Der Osten des Wahlbezirks brachte Saathoff also wohl etwas ins Schwitzen.

Johann Saathoff sitzt seit 2013 für die SPD im Bundestag.

Auch in Niedersachen ist Saathoff nicht mehr an der Spitze

Doch, darüber kann sich der Genosse freuen, der Westen des Bezirks ist rot. Emden, die Krummhörn und das Südbrookmerland haben in 2021 Manier gewählt und sind daher ursächlich für den dann doch recht komfortablen Sieg des Rekordhalters der vorangegangenen Bundestagswahl. Dass Ostfriesland von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich wählt, zeigt sich auch auf den Ostfriesischen Inseln, wo es große Abweichungen im Wahlverhalten gab.

Johann Saathoffs Bundestagsvita

Saathoff ist seit 2013 bereits Mitglied des Deutschen Bundestags. Dreimal gelang es ihm somit schon, als Direktkandidat im Wahlkreis Aurich-Emden über die Erststimme das Mandat für das höchste deutsche Parlament zu erlangen.

Seit 2021 übernimmt Saathoff das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Innenministerium. Außerdem ist er seit dem Ampel-Aus Staatssekretär im Justizministerium, nachdem die FDP die Regierung verlassen hatte.

Saathoff wandte sich in der Wahlnacht offen an die Medienvertreter und räumte eine Niederlage seiner Partei im Bund ein. Der Ostfriesen-Zeitung sagte er hinsichtlich des Erststimmenergebnisses und der trotz Stimmverluste über 60.000 Menschen, die ihn wählten: „Das ist ein ganzes Fußballstadion voller Menschen. Da kann man nicht traurig durch die Gegend laufen.“

Reden auf Plattdetusch machten Saathoff aus Emden bundesweit bekannt

Das „ganze Fußballstadion“ reichte diesmal nicht, um Rekorde einzufahren, wie bei der Bundestagswahl 2021. Bundesweit gab es einige Kontrahenten von CDU, AfD und auch aus den eigenen Reihen, die ihn prozentual überflügelten. Auch in Niedersachsen konnte Saathoff nicht als Erster über die Ziellinie gehen.

Im Wahlkreis Rotenburg I - Heidekreis gewann SPD-Parteichef Lars Klingbeil mit 42,11 Prozent der Stimmen vor Vivian Tauschwitz, die mit 27,3 Prozent allerdings auch ein Mandat erhielt. Klingbeil holte sich somit knapp einen Prozentpunkt mehr als Saathoff. Experten rechnen nach der Bundestagswahl für Niedersachsen mit keinen wirklichen Konsequenzen für den politischen Kurs des Bundeslands.

Der Ostfriese ist ein Sympathieträger, nicht zuletzt, weil er sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache als Kulturgut einsetzt. Das rechnet ihm die Region an. Im Bundestag hielt er mehrfach Reden auf Platt (siehe Video), was bundesweit für Erheiterung sorgte und eine gewisse Aufmerksamkeit für die aussterbende Sprache schuf. Wohl auch, weil er darin die AfD konterte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/M. Popow

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