Bei Gastro-Preis im Halbfinale

Kaffee am Deich und Nordsee-Blick: Zwei Freunde betreiben einzigartige Strandbar

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Kaffee und Cocktails direkt an der Nordsee gibt es in Deutschland nur sehr selten. Zwei, die das geändert haben, führen seit Kurzem die Standbar „Watt N‘ Blick“.

Norden/Norddeich – „Kaffee direkt am Meer – das muss doch möglich sein!“ Mit diesem Gedanken begann vor rund zwei Jahren die Geschichte der Strandbar „Watt N‘ Blick“ in Norddeich. Denn ein Café mit Speisen- und Cocktail-Karte jenseits der Nordsee-Deiche, das gab es in Deutschland bis dahin tatsächlich noch nicht. Und das, obwohl Strandgebühren in Niedersachsen vielerorts zuletzt deutlich gestiegen sind.

Im Zuge der damals anlaufenden Umgestaltung des Strandes entwickelten die beiden Norder Veit Neemann und Tom von Gösseln als Gastro-Quereinsteiger. Geplant war das vonseiten der Stadt nicht. In einem Brief an mehrere zuständige Stellen beklagten die beiden Gründer in spe die offensichtliche Abwesenheit einer Lokalität für Speis und Trank. „Bei einem Spaziergang am Strand hatte sich meine Freundin beschwert, dass es gar keine Möglichkeit gebe, direkt am Meer einen Kaffee zu trinken“, erzählt Neemann. In den Niederlande ginge das doch ohne Probleme.

Veit Neemann (l.) und Tom von Gösseln haben sich mit Watt N‘ Blick einen Traum erfüllt: „Mal was mit Containern machen“.

Strandbar mit bester Sicht auf die Nordsee: „Watt N‘ Blick“-Dachterrasse hat viele Fans

Kurz darauf standen die ersten Konzept-3D-Zeichnungen – doch leicht war anders, erzählen die beiden Gründer, damals 21 und 22 Jahre alt. „Sogar unsere Eltern haben uns für verrückt erklärt“, sagt Neemann. Um vorm Deich überhaupt eine Strandbar zu eröffnen, musste er neben den Banken auch „vierzig bis fünfzig Behörden“ von ihrem Vorhaben überzeugen. Mitten im Naturschutzgebiet Wattenmeer sind die Auflagen hoch, alles muss beispielsweise bei Sturmflut in kürzester Zeit abbaubar sein. Neben Dünen und Strand sind dort auch Tiere wie Seehund-Heuler besonders geschützt. Das Ziel lautete also, gleichermaßen flexibel, mobil und einfach zu planen.

Korbinian Deuchler, Sprecher beim Niedersächsischen Umweltministerium, bestätigt, dass der Aufwand für das Strandbar-Projekt ein außergewöhnlich großer war. „Verschiedene Prüfungen haben unser Haus und mehrere nachgelagerte Behörden veranlasst“, sagt er. Darunter seien unter anderem Fragen der Beleuchtung im Wattenmeer und entsprechende Schutzziele. Über die regulären Anforderungen für einen Gastrobetrieb seien die Nähe zum Deich und der Küstenschutz besondere Herausforderungen gewesen, die der Sprecher im Umweltministerium nachrecherchiert hat.

Auf gerade einmal 72 Quadratmetern ist bis Juli 2022 eine Strandbar mit Dachterrasse, Kühlung und Toiletten entstanden, die seitdem viele Besucher schwärmen lässt. „Einfach wunderschön“, beschreibt eine Kundin „Watt N‘ Blick“. „Die Musik, die Beleuchtung, die Cocktails. Mit traumhaftem Blick auf das Meer und den roten Sonnenuntergang“, schreibt sie in ihrer Bewertung bei Google. Und ist damit nicht alleine. „Viele Besucher sagen uns, auf der Dachterrasse fängt der Urlaub an“, sagt Neemann. „Mit gut durchdachten Abläufen und einer lockeren Atmosphäre im Team erhalten wir viel positive Resonanz. Das ist einfach schön.“

Je nach Vorliebe können Gäste der Strandbar im Container, davor oder auf der Dachterrasse sitzen.

Nicht so gut wie der Meerblick von der Dachterrasse und das freundliche Team kamen bei einigen hingegen die Preise und die Qualität der Speisen an – vor allem zu Beginn der Strandbar-Zeit. Dabei arbeiten Veit Neemann und Tom von Gösseln stetig am Angebot vorm Nordsee-Deich, haben zum Beispiel unzureichende Pizzen aus dem Angebot genommen.

Nachdem die beiden Gründer im Winter 2022 am Strandbar-Konzept gefeilt hatten, blieben sie Ende 2023 am Tresen: erst auf dem Weihnachtsmarkt im Norden und aktuell bis Ende März mit Sondergenehmigung am selben Standort auf dem Marktplatz in Norden. Am Strand – und damit mitten im schützenswerten UNESCO-Weltnaturerbe – darf „Watt N‘ Blick“ nur im Sommerhalbjahr stehen. Rund 35 Leute arbeiten im Sommer in der Strandbar.

„Watt N‘ Blick“ erreicht Halbfinale beim Deutschen Gastro-Gründerpreis

Ihr Erfolg hat Neemann und von Gösseln Anfang 2024 bis unter die besten zehn beim Deutschen Gastro-Gründerpreis geführt. „Für uns sind dabei die Kommentare der Menschen das Schönste“, sagt Neemann. In den sozialen Medien stimmten 44.000 Nutzer mit ihren Interaktionen für die Norder Jungunternehmer. Letztlich gelangten die beiden Gastronomen per Jury-Votum unter die besten zehn Teilnehmer, verpassten jedoch den Einzug ins Finale in Hamburg.

Die Strandbar Watt n` Blick lässt sich innerhalb weniger Stunden auf- oder abbauen. Dadurch ist es möglich, sie auch im Deichvorland aufzustellen.

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„Als wir vor zwei Jahren mit diesem Projekt begonnen hatten, haben wir nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet“, gibt Tom von Gösseln zu. „Wir sind superstolz. Zu uns kommen so viele Menschen, egal aus welcher Altersklasse. Es sind Einheimische und Urlauber gleichermaßen.“ Und Veit Neemann ergänzt: „Das Ganze hier ist nicht nur für uns der ‚place to be‘“.

Öffnungszeiten und Standort (bis Ende März 2024)

Wo?
Auf dem Torfmarkt, dem südöstlichen Teil des Marktplatzes in Norden

Wann?
Montag, 9 bis 18 Uhr
Dienstag, Ruhetag
Mittwoch bis Freitag, 10 bis 18 Uhr
Samstag, 9 bis 21 Uhr
Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Rubriklistenbild: © Bianca-Maria Hein & Watt N‘ Blick

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