VonEva Burghardtschließen
Die niedlichen Kegelrobben sind die größten Raubtiere an der Wattenmeerküste. Doch ihre Population wächst langsamer als in den Vorjahren.
Wilhelmshaven – Sie haben große Kulleraugen und wirken auf den ersten Blick recht niedlich. Doch Kegelrobben sind die größten Raubtiere, die im Wattenmeer in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Dänemark und in den Niederlanden leben. Jedes Jahr werden die Jungtiere der Kegelrobben gezählt, teilt das Gemeinsame Wattenmeersekretariat (CWSS) mit. Demnach ist die Zahl der Kegelrobbenbabys in 2023 etwas angestiegen. Doch die Forscherinnen und Forscher haben noch etwas anderes beobachtet.
Forscherinnen und Forscher zählen jährlich die Kegelrobben im Wattenmeer
Nach Angaben des CWSS befasst sich eine „trilaterale Expertengruppe für Meeressäugetiere“ mit der Zählung der Kegelrobben. Mit dabei sind Forschende und Gebietsmanagerinnen aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Die Experten werten Luftbilder vom Wattenmeer und auf Helgoland aus, um zu erfassen, wie viele Kegelrobbenbabys dort zur Welt gekommen sind.
Konkret geht es dabei um das Wattenmeer in den Niederlanden, Niedersachsen, Helgoland und das östliche Wattenmeer in Dänemark und Schleswig-Holstein. Übrigens, wer ein scheinbar verlassenes Kegelrobbenbaby im Watt findet, sollte zunächst einmal Abstand halten.
Laut dem Bericht über die „Kegelrobben-Erhebung im Wattenmeer und Helgoland 2023-2024“ wurden dort in der Brutzeit von November bis Januar insgesamt 2.547 Kegelrobbenjungtiere gezählt, berichtet das CWSS. Das ist ein Anstieg von rund einem Prozent im Vergleich zur vorherigen Saison. Doch in den Regionen gibt es Unterschiede:
- Die meisten Jungtiere (1.395) wurden im niederländischen Wattenmeer gezählt. Dennoch gab es dort einen Rückgang von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- Mit 359 gesichteten Jungtieren gab es auch in Niedersachsen einen Rückgang. Dort war allerdings die Sicht erschwert, weswegen nicht alle Tiere erfasst werden konnten.
- Auf Helgoland wurden 739 Jungtiere gezählt. Ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr.
- Im östlichen Wattenmeer wurden während der Zählung zwar keine Kegelrobbenbaybs registriert, doch später in der Saison sind in Schleswig-Holstein zwei und Dänemark vier Jungtiere gesichtet worden.
Population der Kegelrobben steigt – aber weniger als in den letzten Jahren
Nach Angaben des CWSS nimmt die Zahl der Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland zwar zu, jedoch langsamer als in den vergangenen Jahren. Demnach hatte es in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Wachstumsrate von neun Prozent gegeben. In diesem Jahr war es, wie erwähnt, nur ein Prozent.
Sophie Brasseur ist Forscherin an der Universität Wageningen und hat den Bericht zur Kegelrobbenerhebung mit verfasst. Sie sagt, im Vergleich zu früheren Zählungen scheine sich der Anstieg der Populationszahlen zu verlangsamen. Das gelte insbesondere für Jungtiere. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob dies auf eine Veränderung der Umweltbedingungen zurückzuführen ist oder ob die Zählungen durch das raue Wetter beeinflusst wurden.“
Eine Region wird bei Kegelrobben im Wattenmeer immer beliebter
Im März und April zählten die Forschenden dann die Gesamtzahl aller Kegelrobben in den Gebieten, also nicht nur die Jungtiere. Insgesamt registrierten sie 11.515 Kegelrobben und damit einen Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders viele Kegelrobben leben demnach im niederländischen Wattenmeer.
Kegelrobben im Wattenmeer
►Kegelrobben sind die größten Raubtiere der Wattenmeerküste.
►Sie gehören mit den Seerobben zu den bekanntesten Arten der Region.
►Kegelrobben sind Teil des Seehundmanagementplans im Wattenmeer-Seehundeabkommen.
►Dabei werden die Kegelrobben jährlich gezählt, um so Schwankungen bei der Entwicklung sowie deren geografische Ausbreitung zu ermitteln.
Dort zählten die Forschenrinnen und Forscher 7.821 Tiere, das sind etwa 67 Prozent des gesamten Kegelrobbenbestandes. Laut Bericht zieht es aber auch immer mehr Kegelrobben ins östliche Wattenmeer, wodurch die Population in den Niederlanden etwa um drei Prozent gesunken ist.
Laut Auswertung leben auf Helgoland etwa 14 Prozent aller Kegelrobben im Wattenmeer. Niedersachsen und Hamburg kommen gemeinsam auf zwölf Prozent des lokalen Bestandes. In Schleswig-Holstein wurden 286 Tiere gezählt, in Dänemark waren es 361 – doppelt so viele wie im Vorjahr.
Rubriklistenbild: © Casper Tybjerg, TTF, Fisheries and Maritime Museum


