VonJohannes Nußschließen
Die EU schiebt ein Forschungsprojekt an, bei dem Begegnungen zwischen Mensch und Wolf im städtischen Gebieten untersucht werden sollen. Niedersachsen ist dabei.
Hannover/Rom – Wie kann die Koexistenz von Mensch und Wolf vor allem in städtischen Gebieten besser gelingen? Damit beschäftigt sich in den nächsten fünf Jahren ein EU-Forschungsprojekt mit dem Titel „Life Wild Wolf“, an dem für Niedersachsen das landeseigene Wolfsbüro des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) teilnehmen wird. Insgesamt wird das 7-Millionen-Euro-Forschungsprojekt von neun europäischen Ländern getragen, der Startschuss fiel nun in Rom.
Koexistenz von Mensch und Wolf im städtischen Raum: EU-Programm nimmt Isegrim in den Fokus
„Die Durchsetzung strenger Schutzmaßnahmen auf der Basis internationalen Rechts hat es ermöglicht, dass wir in den letzten Jahren in vielen Ländern Europas eine Rückkehr des Wolfs erleben konnten. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg für den Naturschutz, schafft aber auch neue gesellschaftliche Herausforderungen – gerade dort, wo eine sich erholende Wolfspopulation auf ausgeprägt urban entwickelte Räume trifft. Diesen Herausforderungen einer Koexistenz auf internationaler Ebene zu begegnen, ist der richtige Ansatz und ganz im Sinne der Ziele des niedersächsischen Wolfsmanagements“, so Christian Meyer (Grüne), Umweltminister in Hannover. Aktuell gibt es laut Zahlen des Wolfsbüros des NLWKN 34 Wolfsrudel in Niedersachsen.
Konkret gehe es darum, neue Techniken und Abläufe für ein besseres Management von Begegnungs- und Annäherungssituationen zu entwickeln: Geplant ist die Einrichtung von Interventionsteams und die Entwicklung eines Protokolls für effizientere Einsätze. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten kann das Interventionsteam auch zur Vergrämung eingesetzt werden. In Niedersachsen kommt es immer mal wieder vor, dass Wölfe im innerstädtischen Gebieten auftauchen. Erst Ende Januar war ein Wolf in Weyhe und Syke gesichtet worden. Im vergangenen November hatte bei Uelzen ein Wolf den Hund einer Spaziergängerin angegriffen, der Hund musste schließlich eingeschläfert werden. Erst im Oktober forderten Landwirte von der Landesregierung, dass Niedersachsen zur „wolfsfreien Zone“ werden müsse.
„Im Fokus steht aber auch eine Veränderung der menschlichen Wahrnehmung und des Verhaltens, zum Beispiel, wenn es um eine Gewöhnung der Wildtiere an die vom Menschen bereitgestellten Nahrungsquellen in einigen Projektgebieten geht“, betont Ingrid Wiesel, stellvertretende Leiterin des NLWKN-Wolfsbüros. Langfristig erhoffen sich die internationalen Projektpartner auf diese Weise eine verringerte Bedrohung der Wolfspopulationen, etwa durch illegale Tötungen oder eine Einschränkung ihrer Lebensräume.
EU-Projekt untersucht Koexistenz von Mensch und Wolf: Strategien auch für andere Wildtierarten nutzen
An dem Projekt arbeiten 18 multidisziplinäre Partner – darunter Universitäten und Forschungseinrichtungen, aber auch nationale und lokale Verwaltungsbehörden und NGOs. „Die Präsenz von Wildtieren in der Nähe menschlicher Siedlungen ist ein wachsendes Phänomen in vielen Ländern der EU und führt oft zu einer Situation wahrgenommener oder tatsächlicher Gefahr. Die gemeinsame Arbeit an möglichen Bewältigungsstrategien ist deshalb genau der richtige Ansatz“, erklärt Wiesel. Das Vorhaben wird sich auf Begegnungen mit Wölfen konzentrieren – viele der zu entwickelnden Strategien könnten künftig aber auch auf andere Kontexte und auf andere Wildtierarten angewendet werden. (dpa/jon)
