Abschuss von Wölfen

Forderung an Rot-Grün: Landwirte in Niedersachsen wollen „wolfsfreie“ Zonen

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Landwirten sehen Wölfe als Bedrohung. Daher fordern sie Niedersachsens neuer Regierung die Regulierung durch gezielte Jagd. Warum das schwer werden könnte.

Hannover – Die Rückkehr des Wolfs nach Niedersachsen wird nicht von allen gerne gesehen. Gerade Weidetierhalter warnen schon seit Jahren, dass das Raubtier eine Bedrohung für ihr Vieh darstellt. Entsprechend fordern Niedersachsens Landwirte nun auch von der neuen rot-grünen Landesregierung ein härteres Vorgehen gegen den Wolf. Der Vizepräsident des Landvolks, Jörn Ehlers, der auch für das Bündnis Aktives Wolfsmanagement spricht, sagte laut der Nachrichtenagentur dpa, die Politiker müssten jetzt Farbe bekennen, ob weiterhin Tiere auf der Weide zu sehen sein sollen oder nicht.

Gericht kippt Genehmigung zu Abschuss eines Wolfsrudels – Landworte fordern Ersetzung aller vom Wolf verursachten Kosten

Das Umweltministerium sei gut beraten, die Weidetierhaltung zu ermöglichen, so Ehlers. Dazu gehörten eine „sofortige Bestandsregulierung“ der Wölfe sowie sogenannte „wolfsfreie“ Regionen. Außerdem forderte Ehlers, dass den Landwirten alle vom Wolf verursachten Kosten ersetzt werden – etwa für den Bau von Zäunen, zusätzliche Arbeitszeit, Material oder Hunde zum Herdenschutz. Unter einer wolfsfreien Region versteht man, dass die Tiere in diesen Zonen konsequent gejagt werden. Dies ist derzeit nicht erlaubt. Erst am Donnerstag, 27. Oktober 2022, hatte das Verwaltungsgericht Oldenburg die Genehmigung zum Abschuss eines Wolfsrudels in Friedeburg im Landkreis Wittmund gekippt.

Der Wolf breitet sich in Niedersachsen immer weiter aus – Weidetierhalter fordern daher jetzt eine gezielte Regulierung des Bestandes.

Die Landtagswahl in Niedersachsen liegt noch nicht lange zurück, und derzeit ist noch unklar, ob das Umweltministerium unter einer rot-grünen Regierung wie bisher von der SPD geführt wird oder es einen Wechsel geben wird. Es gilt als realistisch, dass der Grünen-Spitzenkandidat Christian Meyer das Ressort übernehmen könnte. Dann könnte es mit den Forderungen des Landvolks schwierig werden.

Streitthema Wolf: Niedersachsens Grüne lehnen Obergrenzen für den Wolfsbestand ab

Denn die Grünen lehnen Obergrenzen für den Wolfsbestand nämlich ab, genau wie eine grundsätzliche Bejagung der Tiere. In ihrem Wahlprogramm hatten sie sich lediglich dafür ausgesprochen, dass einzelne Tiere nur in Ausnahmefällen getötet werden dürften. Allerdings will die Partei die Tierhalter unterstützen, etwa mit einer Weidetierprämie und Entschädigungen im Fall von Wolfsrissen.

Seit der Wolf sich vor 20 Jahren wieder in Deutschland angesiedelt hat, nimmt die Wolfspopulation jedes Jahr um fast ein Drittel zu, wie das Portal t-online.de schreibt. Bis 2021 wurden 158 Rudel, 27 Paare und 20 Einzeltiere in insgesamt 205 Wolfsterritorien registriert. Damit steigt natürlich auch die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere: rund 4.000 jährlich sollen es sein – was die Forderungen nach einer Regulierung lauter werden lässt.

Umfrage: 70 Prozent der Wahlberechtigten wollen maximale Anzahl an Wölfen in Niedersachsen

Am häufigsten ist der Wolf in Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt anzutreffen. „Unsere Weidetierhalter werden weiter für ihre Weidetiere kämpfen, schließlich ist es der natürliche Lebensraum der Tiere“, kündigte Landvolk-Vize Ehlers daher auch an. Für die geforderten wolfsfreien Regionen verweist der Verband auf Deichregionen sowie sogenannte Offenlandschaften, die weder überbaut noch bewaldet sind.

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Laut einer Online-Umfrage aus dem vergangenen Jahr, die unter anderem das Landvolk bei der Agentur Pollytix in Auftrag gegeben hatte, sind 70 Prozent der wahlberechtigten Menschen in Niedersachsen dafür, eine maximale Anzahl von Wölfen festzulegen, die im Land leben kann. Naturschützer hingegen schreiben dem Tier eine wichtige Bedeutung im Ökosystem zu, da er als natürliche „Gesundheitspolizei“ kranke Wildtiere jagt und damit ihren Bestand pflegt.

Wölfe in Niedersachsen: Unsicherheit wächst – zuletzt illegale Tötung im Landkreis Cuxhaven

Klar ist, dass die neue rot-grüne Landesregierung sich künftig wohl auch weiterhin intensiv mit dem Thema Wolf auseinandersetzen werden muss – wer auch immer nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen an der Spitze des Umweltministeriums stehen wird. Denn mit immer mehr Sichtungen des Wildtieres in Niedersachsen wie zuletzt in Sottrum, wo eine Gruppe von Wölfen sogar in die Nähe einer Wohnsiedlung kam, wächst die Unsicherheit bei den Menschen – und zwar nicht nur bei den Landwirten.

Im Landkreis Cuxhaven kam es daher bereits zu einer illegalen Tötung eines Wolfes durch Erschießen. Die Polizei hat in der Sache Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz eingeleitet. Der Wolf gehört nach wie vor zu den besonders und streng geschützten Arten in Deutschland.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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